Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 26

“Das Schlimmste an der Electronic Body und Wave Musik war dieses ständige Rumgeschreie um Blut, Gewalt und Tod. Zum Glück habe ich dann mit Hilfe von Autechre rechtzeitig den Absprung geschafft.” Roger, der Macher von ADSR Records aus Berlin und gleichzeitig Produzent der ersten 7″ (Skanfrom – Talking Translator E.P.) sitzt in seinem Studio, seine Katze namens Rephlex schläft auf dem MinidiscPlayer, und wir hören neue Tracks. “Rephlex liebt diesen Platz…am besten kann sie zu extrem harschem Noise schlafen.” Skanfrom klingt aber alles andere als harsch, im Gegenteil. Die E.P. ist eine Liebeserklärung an Bochum Welt. Kleine, kurze, verspielte, melodische Hymnen, die einen direkt in die 80er zurückkicken und einen dort tief ins Sofa drücken. “Neben meiner grossen Leidenschaft für EBM, Wave und Industrial war ich auch immer Minimalelektronik-Fanatiker. In den frühen 80ern ist da viel passiert. Für mich macht es mehr Sinn, in diese Richtung zu arbeiten. Frickeln sollen die anderen. Sieh dich um…Autechre zu kopieren ist sowieso Zeitverschwendung, mit meinem Equipment aber auch schier unmöglich.” In der Tat ist ADSR DIY in Reinkultur. Das Studio besteht aus zwei analogen Sauriern, einem alten Effektgerät und einem Vierspurcasettenrekorder. Kein Midi, kein Sequenzing, keine 21″-Monitore. “Ich habe keine Ahnung von Technik und Rechnern. Manchmal denke ich, ich sollte mir vielleicht einen Computer kaufen, oder zumindest einen Sampler, aber dann wäre ich nur damit beschäftigt, die Bedienungsanleitungen zu lesen, und hätte keine Zeit mehr, über neue Tracks nachzudenken. Also spiele ich meine Tracks weiterhin per Hand ein.” Und das hat Charme. Tonnenweise. Gepaart mit der Computerstimme eines Übersetzungscomputers aus den 80ern schafft Skanfrom die längst überfällige Synthese zwischen europäischen Popverständnis und der Vocal- /Sloganverliebtheit von Dopplereffekt. Die Brücke zu Electro ist geschlagen. “Le Car, Dopplereffekt und die ganzen Holländer bewundere ich sehr. Da mal einen Track zu veröffentlichen oder einen von ihnen zu bekommen, wäre der Traum. In gewisser Weise wäre damit das Ziel von ADSR erreicht, diese Leute, vor allem natürlich auch Bochum Welt, auf meine Musik aufmerksam zu machen. Vielleicht gelingt mir das ja irgendwann.” Solange derart symphatisches Fantum zu so phantastischen Produktionen führt, soll mir das mehr als recht sein. Die zweite Skanfrom ist bereits in Arbeit, und auch einige Electrotracks warten nur darauf, auf kleine 7″s gepresst zu werden. “7”es sind für mich die ideale Plattform. Bei Alben mit 70 Minuten weiss man gar nicht, worauf man sich zuerst konzentrieren soll. Die 7″ ist da direkter, lässt einem keine Wahl. Kurze und prägnante Informationen. So muss das sein.”

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Elektronische Lebensaspekte.