Cisco Ferreira ist als "The Advent" eine der unerschütterlichsten Säulen im unbeirrbaren Geradeaus-Techno. Es ist ein schmutziger Peaktime-Job, aber einer muss ihn ja machen. Ferreira erledigt ihn seit einem Jahrzehnt mit ungebremster Begeisterung.
Text: Katja Hanke aus De:Bug 64

Energie, sonst nichts

Innovativ soll sie sein, neu und modern. Musik soll sich entwickeln. Unser Leitmedium, immer voraus. Bekanntes ist langweilig, darf nicht sein. Darauf achtet man. Manche Leute kümmern solche Kriterien aber überhaupt nicht. Sie kultivieren das Schon-da-Gewesene, treiben Bekanntes mit faszinierender Vehemenz immer wieder in alte, vorhersehbare Bahnen. Einmal entdeckt, bleiben sie ihrer Musik für immer treu. Konsequent und erfolgreich.
Cisco Ferreira ist so einer. Vor langer Zeit entdeckte er den Sound aus Detroit und Chicago für sich und seitdem rumpeln seine Beats durch kompromisslos kickende Techno-Tracks. Immer und immer wieder. The Advent heißt sein Projekt, mit dem Wumms als Grundlage einer unbeirrbar fortlaufenden Hommage an die alten Meister.
Sein neues Album ist vor kurzem auf Tresor erschienen. Und mit dem Label aus Berlin ist es ähnlich wie mit The Advent. Es ist nicht immer die Musik an sich, die fasziniert, sondern vielmehr die Hingabe und Konsequenz, mit der das eine Ziel verfolgt wird: Die Wurzeln weiter zu verbreiten, sie zu feiern, ganz ohne Schnickschnack. So wie damals.
”Sketched For Life“ heißt das neue Album. Der Sound ist – natürlich – bekannt: eine massive Wand aus Klängen, durch die sich eine 909 wühlt, mit viel Druck, mit Backspin- und gelegentlichen Acid-Effekten, dazu treibende Hihats. Packend, doch nicht überraschend. Nichts Neues eben. Darum geht es auch nicht. Worum es wirklich geht, erzählt ein gesprächiger und äußerst fröhlicher Cisco Ferreira.

CISCO: It’s all about energy. Elektronische Musik hat sich in so viele Sparten aufgeteilt, doch egal, in welchem Club du bist, es gibt immer den Moment, wenn ein DJ ganz oben angelangt ist, wenn er alles aus den Leuten rausholt. Und genau das ist die Zeit, für die ich Musik mache. Wenn die Leute richtig abgehen, dann ist es Advent-Zeit.

DEBUG: Wo kommt soviel Energie über so viele Jahre her?

CISCO: Immer noch von der überwältigenden ersten Erfahrung, die ich damals mit Clubmusik hatte. Ich habe 1988 in London mit einigen der alten Chicago-Leute wie Adonis oder Marshall Jefferson gearbeitet. Und wenn ich sie im Club gehört habe, dachte ich: Das will ich auch. Sie machten diese Musik für den Höhepunkt der Nacht. Das hat mir meine Inspiration gegeben. Genau diese Musik wollte ich machen und nichts anderes.

DEBUG: The Advent war lange Zeit ein Duo. Seit wann arbeitest du allein?

CISCO: Wir haben uns vor ungefähr dreieinhalb Jahren ohne viel Aufhebens getrennt. Mein Ex-Partner Collin bewegte sich in eine langsamere Richtung. House hat ihn schon immer mehr fasziniert. Ich bin aber viel mehr an der dunkleren Seite der Tanzmusik interessiert. Außerdem wollte er nicht mehr jedes Wochenende spielen. Ich finde aber, dass man einer hohen Nachfrage auch nachkommen muss. Man kann nicht sagen: Wir wissen zwar, dass alle uns buchen wollen, aber wir möchten nicht spielen, sondern bleiben lieber im Studio. Man muss auf den Parties sein. Und wenn man etwas veröffentlicht, spielt man eben live. Collin ist jetzt viel im Studio. Ich wollte einfach das gewohnte Tempo beibehalten.

DEBUG: Mit viel Tempo hast du in den letzten Jahren auf deinem eigenen Label, Kombination Research, Platten veröffentlicht. Das neue Album ist bei Tresor erschienen.

CISCO: Nach den Sound Sketches-EPs auf Tresor war ein Album dort jetzt ganz logisch. Aber es unterscheidet sich nicht groß von denen auf meinem eigenen Label. Die Musik, die man aus den letzten sieben, acht Jahren von mir kennt, ist Techno der schnelleren Gangart. Ganz egal, wo ich ihn veröffentliche. Er hat immer die spezielle Advent-Prägung: Energie.

DEBUG: Wo denkst du, hört man sich ein Album von dir an?

CISCO: Im Auto. Alle, die ich kenne, erzählen mir immer wieder, dass sie meine CDs gern beim Autofahren hören. Das passende Umfeld für meine Musik liegt anscheinend in der Bewegung. Meine Frau zum Beispiel hört sie beim Joggen gern. Findet sie perfekt dafür. 140 bpm entspricht ja auch dem Tempo, in dem man rennt.

DEBUG: Wie entspannst du dich nach soviel anstrengender Musik?

CISCO: (Lacht) Anstrengend, ja das kann man wirklich sagen. Sonst mache ich ganz normale Vater- und Familiensachen. Hole meine beiden Kinder vom Kindergarten ab, fahre mit ihnen auf den Rummel und solche Dinge. Die Kinder sind oft im Studio. Der Kleine ist zwei und mag alle Arten von Techno. Kinder stehen da besonders drauf: uncontrollable chaos.

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Elektronische Lebensaspekte.