Charles Bukowski, The Smiths, Freddie Krueger, aus diesen Quellen destilliert Andy Turner aka Aim aus Manchester seinen Leftfield-Hip Hop, bei dem selbst die Souls of Mischief und Diamond D begeistert kooperieren. "Hinterland" is the new Vorderland.
Text: andy greenman aus De:Bug 57

Grenzträume im Hinterland

AIM, das ist Andy Turner, der seit 1995 auf Manchesters Grand Central Label downbeatigen HipHop veröffentlicht. Ging es auf seinen frühen Releases vor allem um Groove in all seinen Ausformungen, ist “Hinterland” eher eine Collage, geprägt von Erfahrungen eines Menschen, der in Barrow-in-Furness aufgewachsen ist, einer kleinen Küstenstadt im Nordwesten Englands.
Es geht hier nicht darum, irgendwelche Schemata immer und immer wieder durchzubeten oder endgültig auszudefinieren. HipHop und ChillOut sind nur noch vorbeiziehende Referenzen, die in der deepen Welt von AIM ihren festen Platz einnehmen.

Hinterland ist ein sehr persönliches Album, und wenn es um die Inspirationsquellen geht, wird Charles Bukowski plötzlich mindestens genauso wichtig wie Musikernamen. “Der Name ‘Hinterland’ entstammt sogar einem Gedicht von Bukowski. Das Wort verlinkt meine Situation geradezu perfekt: Die kleine Stadt, in der ich lebe, meine Musik, die nichts mehr mit dem Mainstream zu tun hat, und meine restlichen Einflüsse.”

Seit “Cold Water Music”, AIMs letztem Album, hat sich Andy vor allem um sein neues Studio gekümmert. “Endlich habe ich den Sound, den ich immer wollte: deeper und organischer.” Das Album beginnt mit dem synkopisch poppigen “Intro”, inspiriert vom Beach Boy Brian Wilson, steuert dann direkt in das leicht entnervende “The Girl Who Fell Through The Ice”, einen Track, der einem die alten Schultage wieder in Erinnerung ruft. Die Platte pendelt zwischen chillig und melancholisch. Man fühlt sich sicher, aber immer ein bisschen nervös, ungefähr so, als ob man sich einen Horrorfilm anschaut. Ja, auch das seien Einflüsse, sagt Andy, zum Beispiel auf Tracks wie “Linctus” oder “Vipco”.

Von seinen Horrorfilmaffinitäten mal abgesehen, arbeitet AIM lieber mit Menschen als mit Monstern. Zum Beispiel mit Steve Jones von BabyBird, der “Good Disease” in den merkwürdigsten Track des Jahres transformiert. Soul kämpft gegen Cabaret. Baby don’t worry I am good disease.
Und bei jemandem, der tief im Inneren eine große Liebe für “The Smiths” und Indie im allgemeinen pflegt, war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Vocals auf einer Platte auftauchen.

Das Album gewinnt außerdem durch AIMs HipHop-Producer-Qualitäten.
“No Restriction” kündet von der Wiederkehr der “Souls of Mischief”. Auf “The Omen” bekommen wir eine Extraportion von Diamond D. “Als es um die Zusammenarbeit ging, setzten wir uns hin und überlegten, ob es jemanden gäbe, mit dem ich gern zusammenarbeiten würde? Ich liebe die Souls of Mischief, und zufällig waren sie gerade in Großbritanien auf Tour. Diamond D war der initiale Grund, warum ich begann, Beats zu schreiben.

Hinterland ist ein Juwel. Ein handwerklich ausgezeichnetes Album mit soviel Hits wie seltsamen Bits. Darüber hinaus ist Hinterland das Album eines Produzenten, der seine persönliche Vision umsetzt. In AIMs Fall heißt das, die Sounds des Hinterlands zu kanalisieren, dort wo Hell und Dunkel zusammentreffen und Schatten hervortreten, um im Abendlicht miteinander zu spielen. Fürchtet euch nicht, aber seid vorsichtig genug, um euch nicht zu verlieren!

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Elektronische Lebensaspekte.