Text: gregor wilderman aus De:Bug 07

Air – Die erträgliche Leichtigkeit des Daseins Gregor Wildermann gregorw@berlin.snafu.de Lebensqualität ist ein Faktor, der nur schwer zu messen ist. Ist das Bruttoeinkommen oder der Delikatessenladen entscheidend? Mag es die ISDN-Leitung (von T1 träumen wir ja nur) oder ein gutes dickes Vinyl von Simon at the Exchange sein? Und ist die Auswahl von sieben verschieden Frühstückscerialien in meinem Edeka wirklich auf einem vernünftigen europäischen Standart? Die erste Antwort kommt aus einem Land, in dem man sich nichts böses dabei denkt, wenn man seine Croissants im Kaffeepott ertränkt. Frankreich hat neben Baguette und Eifelturm noch Jean-Paul Belmondo sowie Alain Delon und genau letzterer wirkte für sein Land in 25 Dokumentarfilmen mit dem Obertitel “Best of France” mit, in denen Themen wie Gastronomie, Weine und Champagner, Mode und Sehenswürdigkeiten beackert werden und der ganzen Welt als Bespiel für Lebensqualität kurz vor dem Millenium angepriesen werden. Den inoffiziellen Soundtrack zu diesen Filmen machten Nicolas Godin (der größere von beiden) und Jean-Benoit Dunckel alias Air, die nach diversen EPs auf Mo’Wax und Source (gerade erst “Premiers Symptomes”) nun ihre erste LP “Moon Safari” fertig komponiert haben. Und wenn beide von französischen Frauen, dem Essen, der Kultur und überhaupt dem “plaisir de vivre” reden, dann ahnen wir, das Easy Listening bestimmt von einem Koch erfunden wurde, der für den Nachtisch zuständig war. Frisch aus New York eingeflogen erzählten uns in Berlin die beiden Lebemänner von Sexy Boys, praktischen Köchen und anderen Normalzuständen. Als Zugabe erklärt uns Nicolas dann noch seine Welt im Stiftung Häusertest! De:Bug: Ihr seit gerade aus New York zurück. Was habt ihr dort gemacht? NG: Da wurde unser Video zur ersten Single gedreht. Es ist von YYYYY , der auch das Artwork für das GrandRoyal-Magazin macht und auch schon ein Beastie-Boys-Video gedreht hat. De:Bug: Was ist da die Storyline Eures ersten eigenen Videos? JBD: Das Video erzählt die Geschichte eines Affen. Der Affe ist der Sexy Boy und das Video ist eine Mischung aus Live-Action und Grafik. Das klingt doch interessant, oder? De:Bug: Habt ihr ihn angesprochen oder ist er auf Euch zugegangen? JBD: Wir haben ihm die Platte geschickt; er fand sie gut und damit war alles OK. De:Bug: Wo lag für Euch bei diesem ersten eigenen Album das Hauptinteresse? War es das Konzept, waren es Einzelstücke oder habt ihr Euch darüber gar keine Gedanken gemacht? JBD: Das wichtigste war einfach unser Anliegen, daß es jedesmal richtige Songs waren. Sie sollten eine Struktur haben und möglichst perfekt klingen und sie sollten uns gefallen. Wenn sie uns gefielen, dann reichte das! NG: Wir haben auch nichts für den Mülleimer produziert. Auf den kommenden 12″ wird es noch einige Stücke geben, die auch von dem Albummaterial stammen, aber sonst haben wir einfach versucht, die 10 Songs so gut wie nur irgendwie möglich klingen zu lassen. Auf der ersten Single-Auskopplung wird noch ein Stück mit einem französischen Sänger namens Francois Alary drauf sein. De:Bug: Bei dem kürzlich gesendeten “Lost in Music”-Report war für einen kurzen Moment ein sehr aufwendiges Studio zu sehen und es entstand der Eindruck, dieses Studio stünde in dem kleinen Waldhäuschen… JBD: Oh, noooo….. Dieser Bericht kam ja mitten in der Nacht und in Frankreich hat den kein Mensch gesehen. Hier spricht uns aber jeder darauf an und wir fanden das gar nicht so gut. Wir sahen einfach schrecklich aus, waren völlig überarbeitet und man erfuhr über uns auch gar nichts. NG: Wir machen das auch nie mehr wieder. Man kann während der Arbeit an so einer Platte nicht irgendwelche Interviews geben. Wir waren völlig ausgelaugt und und konnten keinen vernünftigen Satz sagen. De:Bug: Und was hat es jetzt mit dem Studio auf sich? JBD: Das Studio war ein professionelles Studio, was Virgin für uns gemietet hatte. Wir selber wohnen in diesem kleinen Haus in der Nähe von Versailles, wo wir auch aufgewachsen sind. De:Bug: Was war für Euch der entscheidende Vorteil dieses Studio Plus XXX ? JBD: Man hat einfach unbegenzte Möglichkeiten und man kann sich auf das Musikmachen konzentrieren, da die Umsetzung der Sounds von Stepane (Briat) oder Alex (Gopher) erledigt wurde. Außerdem ist die Qualität der Produktion erst daduch so wie sie sich eben anhört. NG: Außerdem gibt es einen eigenen Koch, der einem alles zubereitet, was man essen will. Das spart Zeit und ist sehr angenehm. JBD: Die Arbeit in dem Studio hat aber auch dazu geführt, daß wir sehr faul geworden sind und kaum noch mehr etwas selber machen können, was natürlich auch wieder etwas übertrieben klingt. De:Bug: Wie sieht sonst Eure Arbeitsteilung aus? NG: Wir machen alles zusammen und irgendwie auch alles durcheinander. Wir wundern uns manchmal selbst, daß dabei noch etwas herauskommt. Wir schaffen es auch, ein Mikrophon völlig falsch herum zu benutzen oder spielen auf einem Keyboard ein wahnsinnig schöne Melodie und vergessen dabei, auf Aufnahme zu drücken. Wenn wir es dann bemerken, fällt es uns natürlich dann die Melodie nicht mehr ein. De:Bug: Auf der “Modulor”-12″ von Mo’Wax gab es einen Remix von Source Direct, was ja im Vergleich zu Eurem Style ein komplett anderes Sounderlebnis ist. Wer hatte die Idee zu diesem Remix? JBD: Die Idee kam von James Lavelll, da er einen guten Draht zu den Jungs hatte. Uns gefiel die Idee auch und der Track war einfach toll. Es ist natürlich ein ganz anderes Stück und das ist nicht so unser Ding. Wir haben für Alex Gopher jetzt einen Remix gemacht, der unser erster richtiger Dancefloortrack geworden ist. De:Bug: Wie würde denn eine Beschreibung der französischen Houseszene aus Eurem Blickwinkel klingen? NG: Erst einmal gibt es keine französische Houseszene. Es gibt eine Musikszene und das hat nichts mit Frankreich zu tun. Wenn man uns mit Daft Punk vergleicht, kann man ja nicht behaupten, daß wir irgendwie ähnlich klingen. De:Bug: Gibt es denn innerhalb dieser Musikszene schon Dinge, die Euch eher fremd sind und mit denen ihr nichts zu tun haben wollt? NG: Nein, das kann ich nicht sagen. In Paris sind wir eigentlich so etwas wie eine kleine Familie und wir tauschen eine Menge Ideen und Informationen aus. JBD: Die Industrie hat natürlich die ganze französische Housemusikszene sehr hochstilisiert und jetzt beruhigt sich ersteinmal wieder alles auf einen Normalzustand. De:Bug: Ihr habt beide eher klassische Berufe erlernt. War Euch das als Basis für das weitere Leben sehr wichtig oder habt ihr früher schon mit dem Gedanken gespielt, alleine nur von der Musik leben zu wollen? NG: Für mich hatte das nur Vorteile. Ich hatte keine komischen Musikerallüren, als ich selber mit der Musik anfing. Ich war so etwas wie eine Jungfrau. Ich mache zwar Musik, seit dem ich ein kleines Kind bin, aber wie man eine Platte aufnimmt, weiß ich eigentlich erst seit kurzem. JBD: Wenn man von der Schule kommt, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder erlernt man einen Beruf oder man beginnt das harte Leben eines Musikers. Wenn man aber einen Job macht, hat man keine Kraft und keine Zeit mehr für die Musik und deswegen machte ich eins nach dem anderen. De:Bug: Am Ende beeinflussen doch die Lebensumstände auch die Musik, die diese Person dann macht. Klingen Eure Songs deswegen so zufrieden und in gewisser Weise selbstsicher? JBD: Da mag sicherlich etwas dran sein. Aber manchmal machen die ärmsten Musiker auch die schönsten Melodien und erfolgreichsten Bands machen die deprimierenste Musik. Musik lebt doch von seinen Gegensätzen. De:Bug: Wie kamt ihr auf den Albumnamen “Moon Safari”? JBD: Es war der perfekte Titel! De:Bug: Wie erkennt man den perfekten Titel? JBD: Der Mond steht einfach für das, was auch unsere Musik sein sollte. Er bewegt viele(s) auf der Erde und hat eben etwas mystisches und geheimnisvolles! De:Bug: Glaubt ihr das mehr Jungen oder mehr Mädchen Eure Musik hören? JBD: Das ist eigentlich eine gute Frage! Vielleicht sind es genau gleich viele… De:Bug: Am Schluß noch eine Frage für Nicolas. Wo besteht für dich die Brücke zwischen Architektur und Musik? NG: Für mich ist Architektur eine Form von Ventil für den Körper und die Musik ist das Ventil für die Seele! 10 mal Architekturkritik von Tokio nach London hosting Nicolas Godin: 1) NC-Building (Peter Eisenman) ”Das hier mag ich gar nicht. Es steht alles auf dem Kopf und alles ist schief. Ich mag eher die Ausgewogenheit und die Balance.” 2) Asahi-Brauerei (Philippe Starck) ”Das ist eine große Skulptur, aber keine Architektur. Von Außen weiß man gar nicht, was einem im Inneren erwartet.” 3) Das neue Rathaus von Tokio (Kenzo Tange & Partner) ”Das hier mag ich schon viel mehr. Ich liebe ja Wolkenkratzer (O-Ton: Sskeeiscräpäär). Als ich in New York war, habe ich so viel Zeit damit verbracht, in die Luft zu schauen. Es war Wahnsinn. Generell ist es eine große Herausforderung, einen Wolkenkratzer zu bauen.” 4) Shonandaier Kulturzentrum (Itsuko Hasegawa) ”Tja, das ist eine Grundform, die jeder benutzt. Wenn man eine klassische, geometrische Form benutzt, macht man halt jeden glücklich und man macht auch nichts falsch. Das funktioniert immer. You know what I mean!” 5) Truss Wall Haus (Ushida Findlay Partnership) ”Oh, das sieht gut aus. Das eine ist kleiner und daneben das ist das Größere. Oh, jey. That sounds good! (Anmerk. d. Red.: Man bemerke, er sagt sounds good”) Es nicht nur ein Haus, es ist etwas organisches. Ich mag auch Architektur, die von der Natur inspieriert ist.” 6) The London Ark (Ralph Erskine) ”Das sieht schön aus. Und das Haus steht völlig leer? Was für eine Verschwendung. Genauso wie die Grande Arche in La Defense. Da will auch keiner arbeiten oder wohnen.” 7) Waterloo International Terminal (Nicholas Grimshaw & Partners) ”Wir lieben ja London, aber dieser Ort ist irgendwie seltsam. Ich weiß nicht ob es gut ist, wenn man denkt, man würde in einem Flughafen aussteigen. Dabei ist es ja ein Bahnhof, was bestimmt dann viele Leute verwirrt….” 8) Willesden Freight Depot (Architecture and Design Group) ”Was soll das für ein Gebäude sein? Es ist sehr simpel aufgebaut und ich mag Simplizietät. Ich mag alles, wo man die Struktur erkennt. Deswegen mag auch Knochen und Skelette.” 9) The Lisson Gallery (Tony Fretton Archtects) ”Das hier ist sehr gut, aber wenn man dort wohnen würde, muß man sich schon überlegen, wann man die Hosen runterläßt! 10) Stansted Airport (Norman Foster Associates) ”Das ist ein sehr schöner Flughafen, obwohl ich selber noch nicht dort war. Mein Bruder hat mal an einem Wettbewerb für den Frankfurter Flughafen mitgearbeitet und er gestalteten eine Halle, von der Glastunnel durch einen dichten Wald zu den Flugzeugen führte. Der Frankfurter Stadtrat lehnte diesen Vorschlag aber ab.”

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Elektronische Lebensaspekte.