Soziale Netzwerke werden mobil. Und Berlin spielt dabei eine Vorreiterrolle. Mit Aka-Aki wird aus den Bluetooth-Signalen ein Netzwerk aus Bewegungen und aus jeder Begegnung eine Spur des Virtuellen im Realen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 125


(Das Team von Aka-Aki)

Aka-Aki
Bluetooth-Buttons überall

Bei den meisten Kommunikations-Technologien geht es darum, Entfernungen zu überbrücken. Kleine Wurmlöcher der Kommunikation in den Raum zu drehen. Handys sind darin ganz groß. Stellenweise mit einem ganzen Arsenal an Funktechnologien bewaffnet (Handynetz, Bluetooth, Wifi, Infrarot, GPS, Radio, RFID), von denen man nur die wenigsten nutzt. So überbrückt man Distanzen der verschiedensten Art. Nähe wird im Allgemeinen eher als kommunikativer Raum begriffen. Dabei ist die Nähe im realen Raum eigentlich genau das, was Mobiles auszeichnet, denn mittlerweile gilt: Wo ein Mensch ist, da ist auch ein Handy. Genau an dieser Stelle setzt Aka-Aki ein. Die Grundlage ist denkbar einfach. Hat man Bluetooth eingeschaltet, sendet das Handy konstant eine ID in den Raum. Zehn Meter und gelegentlich etwas mehr um sich herum sendet man so eine Art digitaler Aura, die jeder andere Bluetoothempfänger (eigentlich also jedes Handy) sehen kann. Verbindet man auf der Aka-Aki-Seite die ID seines Telefons mit seinem Profil, werden all diese Begegnungen auf einmal sichtbar. Und der Weg durch die Stadt ist auf einmal eine Spur von Begegnungen.

Aka-Aki hat als Praxis-Projekt an der UDK Berlin im Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation begonnen. Die fünf Kerngründer hatten aber keine Lust als Agentur auf Zeit Werbung für ein beliebiges Produkt zu machen, sondern haben lieber ein eigenes Produkt erfunden und dafür eine Kampagne konzipiert. Dann erst kamen die Software-Entwickler dazu. Das Feedback im April 2007 war schon so überwältigend, dass die ersten Investoren vorsichtig angeklopft haben, und schon wurde die Firma gegründet. Nach dem ersten Private Beta Launch im letzten Sommer hat sich Aka-Aki dann Zeit für die Weiterentwicklung des Dienstes genommen. Seit April 2008 ist der Dienst nun für jedermann zugänglich. Aka-Aki lebt und ist mittlerweile ein Netzwerk, das seine Spuren um die ganze Welt zieht.

Im Grunde lässt sich Aka-Aki als soziales Netzwerk mit doppeltem Boden beschreiben. Man ist nicht einfach da, hat sein Profil und begegnet sich im virtuellen Raum, sondern im Zentrum stehen eben reale Begegnungen. Installiert man die Software, empfängt das Handy die Bluetooth-ID’s in der Nähe und gibt an den Server weiter, wem man begegnet ist. Die Verbindung wird über das mobile Internet mittels der eigenen Datenverbindung hergestellt. Aber es funktioniert auch, wenn nur einer der beiden (oder wie viele sich auch immer gerade die digitale Aura teilen) die Software laufen hat, denn dann meldet dem anderen der Server per SMS, dass man jemandem begegnet ist, der vielleicht einfach nur eine Ecke weiter war. Genau damit hat man die perfekte Balance getroffen aus Usern, die eher vorsichtig sind bei der Installation von Programmen (Java in diesem Fall), hat die Sicherheitsbedenken umschifft, die bei Bluetooth-Transaktionen von einem Gerät zum nächsten auftauchen könnten, und hat auch diejenigen mit im Boot, die noch keinen Datentarif für ihr Handy haben. So richtig geht der Spaß allerdings erst los, wenn man selber die Software installiert hat.

Bei sozialen Netzwerken sagt man gelegentlich sehr viel über sich. Etwas mehr als einem unter Umständen lieb sein kann. Wenn aus der Begegnung im Netz dann – wie bei Aka-Aki – sehr schnell eine reale werden kann, gelten andere Parameter. Um das eigene Profil privater zu halten, aber dennoch Gemeinsamkeiten klarzustellen, gibt es hier die Metapher der “Sticker”. Ein Sticker (immer mit einem Bild versehen) kann eine Eigenschaft sein, ein Ort, eine Vorliebe, ähnlich wie zu Punk-Zeiten “Buttons” funktionierten, als Fan-Bekundung, oder wie Sticker auf Telefonkästen, Ampeln und ähnlichem. Ein kleiner Raum öffentlicher Gemeinsamkeit, den man sich mit anderen teilt und der gleichzeitig wie ein Massenchat oder eine Mailingliste funktionieren kann (und klar kann man Sticker auch an andere verteilen). Unverfänglich und privat genug, aber eben doch ein Assoziationsraum, der einem mehr sagt über denjenigen, dem man begegnet. Genau das ist auch der Kern von Aka-Aki, Anknüpfungspunkte für Kommunikation “in echt” zu schaffen.
Der eigene Status funktioniert bei Aka-Aki ähnlich wie ein lokal orientiertes Twitter, die Nachrichten, die man an Freunde verschicken kann, sind ein perfekter (und billigerer) SMS-Ersatz, man sieht, wer sich mit wem befreundet, wer Sticker ausgetauscht oder neue angelegt hat, über wie viele Ecken man jemand kennt, wer zu einem passen könnte und noch vieles mehr.

Wenn irgendjemand die Versprechungen der sozialen Netzwerke perfekt in den mobilen Raum umgesetzt hat, dann Aka-Aki. Vorsichtig genug, um aus dem sozialen Raum keine Rundumüberwachung zu machen, nah genug, um reale Begegnungen zu fördern, systemübergreifend genug, um keinen auszuschließen, und vor allem so gut gemacht, dass man damit einfach Spaß hat und letztendlich doch erkennt, dass soziale Netzwerke mehr sein können als einfach nur ein weiterer Ort, an dem man täglich seine Freunde pflegen muss, ohne jemals wirklich viel mit ihnen zu tun zu haben.

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Elektronische Lebensaspekte.

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