Drum and Bass regeneriert sich sich. Aus der Londoner Umgebung planen Alaska und seine Freunde Photek, Digital, Klute und andere das längst überfällige nächste Level nach Two Step. Alaska, der schon auf fast allen Drum and Bass Labeln veröffentlicht hat, bringt jetzt sein erstes Album auf Vibez raus - ein Auftakt. Das zweite auf Reinforced ist bereits in Planung. Alles wird gut.
Text: sascha kösch [bleed@lebensaspekte.de] aus De:Bug 34

/drum and bass/no2step Taking the next Drum and Bass Level PARADOX ALASKA Sascha Kösch bleed@de-bug.de Es ist vielleicht schwer zu begreifen, wie jemand sich aus zwei Worten heraus bestimmen will. Vor allem wenn die Worte so weitschweifig, aber überraschend vielsprachig verwertbar sind wie Paradox und Alaska. Wie auch immer er heisst (im Netz z.B. devpandya@hotmail.com), jedenfalls schafft er sich eine eigene Struktur, in der er sich bewegt. Da fangen wir also an. Alaska ist Drum and Bass Producer. Schon immer. Ein Jahrzehnt. Ungefähr. Die erste Platte, die ich von ihm habe, ist ein WhiteLabel mit rotem Stempelaufdruck. Mix Race hiess es damals, das Label Moving Shadow. Das kannte noch so gut wie niemand. Er und sein früherer Partner produzierten Musik, die irgendwo zwischen Rave, Techno, Breakbeat, HipHop lag. (“Rave: The good old days” nennt er das, nicht ohne Ironie, sollte man nie ohne Ironie aussprechen.) Er hat gerappt, er gesteht es. Als sich Moving Shadow weiterentwickelte, blieb es nicht die Posse, bei der er sein wollte. Auch weil er die Professionalisierung vom 4-Trackravekid zum ständig umstrukturierten Hightech-Studio nicht mitmachen und sich das Studio nicht mit Befindlichkeiten und Labelpolitik teilen wollte. Er begann, eigene Label zu gründen wie Stronghold. Er verwarf es wieder, gründete ein neues Label – “Offset” – mit DJ Trax und ausserdem ein paar eigene wie “InterCity”. Von da ab wechselte er ständig die Plätze: Renegade Hardware 96, Metalheadz, Timeless, Reinforced, usw. Je nach dem, mit wem zu arbeiten grade am sympathischsten erschien – was immer auch eine Entscheidung für die Musik war. Wer seine Musik so sehr mochte, dass er unbedingt etwas von ihm releasen wollte, der bekam Tracks, und nie irgendwelche. Mittlerweile ist die Situation in Drum and Bass so, dass er nach lächerlich kurzen 10 Jahren und 66 12″es sein erstes Album veröffentlicht. Und natürlich ausgerechnet dort, wo ihn keiner erwartet hatte: auf Subject 13s Label Vibez. Sein nächstes folgt auf Reinforced im virtuellen Drum and Bass Spätsommer (Frühling2001), eine Tour mit ihm als Liveact (“for real”, “interactive”, “i put up my hole studio”, “it’s completely different to vinyl”, “intense two hour sets”, “no DAT there at all”, “I loose weight”) durch Schweiz, Deutschland, USA usw. auch. Er plant Videos für seine nächsten Releases, dokumentiert die Liveauftritte, startet wieder ein eigenes Label, Alaska Productions, visiert seine Webseite an (www.alaskaproductions.co.uk) und mittelfristig Filmmusik via einer Sony Japan Connection. Woher dieser Enthusiasmus auf einmal, nach langen Phasen der Ruhe? Es ist einfach genug. Mittlerweile ist es der Drum and Bass Fraktion um ihn, Photek, Digital, Spirit, Klute, Total Science, Blu Mar Ten usw. genug mit 2Step. “Das sind Tracks, die man in einer Stunde machen kann. Klar haben sie den Spirit der Ravezeit, irgendwie. Das ist auch gut so. Man kann das in einer Stunde machen, aber für uns ist das nicht mehr genug. Wir wollen mit Breaks arbeiten.” Time for a change. Zeit für Drum and Bass, wieder zu dem zu werden, was es war: Drums und Bass. “Ich bin ein virtueller Drummer, deshalb heisst mein Album auf Vibes auch Virtual Virtuosos. Ich versuche mich daran zu orientieren, was Drummer spielen könnten. Nicht, dass es dabei notwendigerweise so klingen müsste wie ein echter. Nicht, dass ich Drummern empfehlen wollte, das nachzuspielen. Aber diese Art des Flows will ich.” Die nicht ganz so technoide, leicht verschobene 4tothefloor Ästhetik, die viele Tracks der Bad Company Fraktion so berechenbar, so vorabsehbar erscheinen lässt. Schluss mit dieser Diskussion. Debug: Was verändert sich? Alaska: Ich habe ja nun jedes Label mitgemacht. Es wird langsam Zeit, dass das, was wir Drum and Bass nennen – was ja immer auch Breakbeat war – wieder mehr Raum bekommt, mehr Öffentlichkeit. Weshalb ich sogar toure, Interviews gebe und Photos machen lasse, was ich nun wirklich nicht gerne tue. Es wird auch eine Clubnacht geben. Wir werden Leute booken, die in unserer Gruppe sind, aber auch von draussen, damit es nicht so monoton bleibt. Die Zeit für eine Producers Night ist definitiv richtig. Wir werden keine Leute wie Fabio, Grooverider, Andy C usw. booken. Warum auch. Wir werden nur Leute fragen, die ihren eigenen Stil haben. Wir müssen das einfach tun. Es ist neu. Anders. Es könnte wieder Spass machen. Auf dem anderen Floor wird es dann Leute geben wie Autechre, die auch mit Breaks arbeiten, aber von einer anderen Seite her. Debug: Wie kommt es, dass du so oft Labels wechselst und jetzt dein erstes Album auf Vibez machst? Alaska: Intense von Good Looking hat mich ihnen vorgestellt, und sie stehen einfach auf das, was ich mache. Vibez hatten ja lange Zeit Probleme mit ihrer Distribution und all dem. Das Album sollte schon im September kommen, doch dann wollte ich noch einmal einige Tracks auswechseln… Also verzögerte es sich immer wieder. Aber mir war es am wichtigsten, dass sie hinter mir stehen, hinter der Musik. Bukem zum Beispiel, den ich immer schon verfolgt habe, immer sehr wichtig fand und seine Musik auch oft genug gut, hat mit seinem Label eine Attitude entwickelt, die mir nicht passt, weshalb ich es auch nicht bei ihm machen würde. Ich finde, Blame hat Good Looking gerettet, weshalb ich auch gerne Tracks für sein Sublabel 720¡ mache. Ich bin sehr loyal irgendwie und habe Subject 13 mit meinem Vertrauen bezahlt. Sie haben auch ein Sony Backing in Japan, was mich freut, weil ich Freunde wie Makoto in Japan habe und das Album dort auch gleich releast wird. Die 12″, die vorweg kam, ist eigentlich eher ein Paradox Track. “Paradoxical” heisst der also nicht ohne Grund. So deep und dark, weil ich ihn extra für Grooverider gemacht habe. Die Samples sind fast alle aus “Shining”. Es sollte die Spannbreite zeigen. Es gibt ja auch Tracks ohne Drums. Debug: Du spielst gerne mit diesen Spiegelungen. Auf der 720¡ Revolutions gibt es z.B. einen Track von Paradox & Alaska… Alaska: Ja, er hiess 2000, weil ich wusste, dass sie ihn eh nicht vor 2000 rausbringen würden. Er vermischt die beiden Sounds. Etwas, das ich gerne noch mehr machen würde, weil es immer zu soviel führt. Blame, mit dem ich schon ewig befreundet bin, hat zum Beispiel mit seiner Idee von Detroit Sounds auch eine ganz andere Richtung für die Good Looking Sublabel eingeführt. Debug: Es erinnerte mich stark an DJ Crystals Meditation. Alaska: Ja, das sind alles Klassiker, was er gemacht hat. Mit solchen Tracks wird man gross. Ich wollte eine Nische auf 720¡ aufmachen, in der man sich auf Drums konzentrieren kann. Es sollte nicht zu technologisch klingen, aber dennoch neu. Nicht reiner Editierwahn sein, aber trotzdem weitergehen, Breaks weiterentwickeln. Ich bin kein Drummer, aber so etwas macht mich beim Programmieren glücklich. Ich bin unabhängig. Weshalb es wichtiger wird, auf anderen Labeln Aussagen zu treffen. Das Album für Reinforced soll noch einen Schritt weitergehen, aber eben nicht, ohne Bezug zu nehmen. Reinforced wollen glücklicherweise wieder hin zu einer Labelpolitik, die sie in die Plattencases zurückbringt. Nicht mehr nur Alben. Und das, ohne Kompromisse einzugehen. Ich werde noch 3 EPs für sie machen, bevor das Album kommt, und Digital hat auch grade eine produziert. Debug: Wie kommst du auf die indischen Sounds auf “Bhuddisatva”? Alaska: Ich bin Inder, meine Grossmutter will mir immer diesen Tablarsound näherbringen. Also hab ich das Stück für sie gemacht. Mein Onkel spielt Bongos auf dem Track. Ich musste mich erst bei Makoto erkundigen, ob der Name, den er für den Track ausgewählt hat und der die höchste From des Buddhismus bezeichnet, nicht irgendwem auf die Füsse tritt. Kurdischen, türkischen Hörern. Meine Grossmutter mag es. Good Looking auch. Es gibt einen Hinweis, woher ich bin. Ich mag diesen Track mittlerweile. Debug: Was sind die Pläne für Alaska Produktions? Alaska: Zu tun, worauf ich Lust habe, nicht nur Drum and Bass. Es gibt zur Zeit immer mehr neue Label in der Szene, und das braucht es auch dringend. Mein Plan ist, Split-Releases zu machen, auf denen immer ein nichtenglischer Act ist. Und die werde ich jetzt erst mal suchen. Ich habe ja lange Zeit auch einige Leute produziert, Newcleus, Volcov, einen Freund meiner Schwester, der R’n’B machtÉ Aber ich werde das wohl einschränken müssen. Label, Webseiten, Alben, Filme, Liveauftritte, das wird alles viel Zeit kosten, vor allem weil ich unabhängig bleiben will.

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Elektronische Lebensaspekte.