St. Louis verschafft sich Gehör. Butanes Alphahousemusic schleicht sich konzeptuell an, um dann die Welt vor den Künstler-EPs erstarren zu lassen: Geheimtipp.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 99


Rocken mit Konzept

Eine der Überraschungen unter den neuen US-Labeln dieses Jahr war Alphahousemusic. Das Konzept der bislang releasten zwei EPs ist so einfach wie klar. Man nehme ein paar Sounds, beauftrage ein paar Bekannte, damit ins Studio zu gehen, und release dann die Ergebnisse, die weder ein Remix sind noch einfach Versions, sondern eigenständige Tracks, in denen man ein paar Elemente wiederfindet. Die EP als quasiautistisches Kommunikationsfeld und Forschung in einer handvoll prädefinierter Ideologeme. Und am Ende kickt das alles, weil die Freunde, die man beauftragt hat, seltenst etwas falsch machen. Zum Teil aus dem Umfeld der Foundsound/Unfoundsound-Posse rekrutiert und mit Butane aka Andrew Rasse aus St. Louis als Mastermind gestartet, sind die Alphahousemusic-EPs klar definierte minimale Musik, die zwar einen konzeptionellen Urspung hat, aber trotzdem den Dancefloor mit ihren magischen Subbässen und filigranen Grooves umpflügen kann. Butane, der über jeden Track des Labels entscheidet, ist nämlich kein Minimalist mit Scheuklappen, sondern möchte, dass Alphahousemusic Dubtechnofans ebenso gefallen kann wie Detroitfanatikern, was man auch in seinen DJ-Sets nachhören kann, die – ebenso wie die Partys, die die Crew rings um Andrew in St. Louis veranstaltet – sich nicht auf einen Stil eingrenzen lassen und sogar schon die Mos-Ferry-Posse überzeugt hat, einen seiner Mixe auf ihre Webseite zu nehmen. Nach der Konzept-Phase geht Alphahousemusic nächstes Jahr den Weg eines klassischen Labels, Artist-EPs werden kommen und wir werden sicher einigen bekannten Namen begegnen, aber durch den Filter Butane bewahrt sich trotzdem das Profil eines Labels, das nicht jeden Monat eine Platte rausbringen muss, wenn, dann aber immer eine, die von vielen als Geheimtipp gehandelt werden muss, so wie die bisherigen EPs. Den ersten Schritt macht natürlich Butane selber, und dann wird auch endlich sein Wunsch in voller Breite verwirklicht, der ihn – wie vermutlich die Hälfte aller Labelmacher – überhaupt zur Gründung des Labels getrieben hat. Nämlich endlich mal die eigenen Tracks als Vinyl zu haben.

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Elektronische Lebensaspekte.