Text: Jan Joswig aus De:Bug 61

Alltag mit Fehlern
Angelika Köhlermann

Erstmal muss ich klarstellen, Angelika Köhlermann ist mitnichten mein Name, das ist Künstlerquatsch. So eine konzeptuelle Verwirrung, um Schlaumeier aufs Glatteis zu führen, die mit dem Namen das Wiener Label von Potuznik verbinden. Tja, ausgerutscht. Aus Stuttgart stamme ich, aber die Liebe hat mich nach Amerika verführt, ach ja, mein wirklicher Name ist Andi Wolff, oder Andi Bullit? Mein Computerfreund heißt Anton, verliebt habe ich mich in eine Frau. Das ist das ganze Abenteuer der Normalität.

Wie in so einem französischen Alltagsfilm mit Dialogüberhang, der den Nachbarn mit Digicam in die Brasserie und ins Internetcafé hinterherwackelt. Und ich habe eine musikalische Roadmap meines glücklichen Um-, Irr-, und Ausweges angelegt. Verführung zu Um-, Irr- und Auswegen, genau so klingt die Roadmap. Sie heißt “Care”. Okay, sie ist vielleicht sehr versponnen geraten, sehr privat und so gar nicht an Kaschmirkrisen und Antisemitismusdebatten interessiert. Aber das Wort “Care” stimmt schon. Wenn man Stuttgart der Liebe wegen nach Amerika verlässt, dann taket man Care, nur auf eine grundsätzlichere Weise, als es alle Alltagspolitik je begreifen könnte.

Und plötzlich stimmt es wieder, dass Folk mit Gitarre und Rüschenbluse und selbstbewusster Verträumtheit und Küchenbesteckperkussion und provinzieller On the Road-Romantik den Mittelpunkt der Welt ausmacht, wo ihn Novalis, Tieck, Kleist gefunden hatten. “Wenn populäre Musik ein romantisches Versprechen macht, dann liegt es in den Akkorden und Melodien. Die fallen für gewöhnlich recht simpel aus.” “Ich stehe auf leichte Musik fürs Volk. Aber mit kitzligen Fehlern, damit man sich nicht zu mühelos aufgehoben fühlt.” Und jetzt ein großer Applaus für die Begleitung an der Orgel: Michiko Kusaki. Und an der Tonbandschere: Anne Laplantine.

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Elektronische Lebensaspekte.