Text: Sascha Kösch aus De:Bug 06

Animals On Wheels collect to protect Sascha Kösch bleed@de-bug.de Ihr kennt das. Die Platte läuft oder die CD, jedenfalls: es dreht sich und was man hört: klingt irgendwie bekannt, irgendwie klingt es wie ein altes Ravetape. Aber auch wiederum gar nicht, zu merkwürdig. Es könnte das Freejazztape von….nein, auch nicht, zu modern. Die Beats klingen wie Drum & Bass, nur daß die Beats nicht wie perlenförmiges Gift von der Leine tropfen, sondern knarzen wie ein mit Zahnrädern gefütterter Zigarettenautomat. Willkommen zu (mit mehreren Anführungsstrichen versehenem) experimentellem Drum & Bass. Ein Genre mittlerweile, keine Randerscheinung mehr, Aphex Twin und Squarepusher konnten nicht ohne Folgen bleiben und auch wenn sich die Vertriebe noch etwas quer stellen, das mit Sicherheit erfolgreichste Genre der letzten Jahre hat eine Kinderecke bekommen. Stellt euch das vor wie bei Ikea. Die Großen geben die Kleinen an der Tür ab und machen Business, während die Kids mit den gleichen Bausteinen in bunt folgenlos aber beaufsichtigt Unfug treiben dürfen. So etwas hat es immer gegeben, vermuten wir und so folgenlos, wie es zunächst scheint, wird es nicht lange bleiben. Die Kids öffnen fremden Mächten die Tür und verbrüdern sich mit anderen gegen andere andere. Und wenn es für die Großen gerade keinen Vorrat mehr an brauchbarem Fichtenholz gibt, schauen sie durchs Fenster zurück in eine Welt, in der plötzlich sogar Tiere mitspielen dürfen, die doch eigentlich strikt verboten waren. Ein paar Erwachsene lungern zwischen den Wellen aus Plastikbällen auch noch herum und ziehen aus dem für andere unübersichtlichen Haufen unstrukturierter Materie das ein oder andere Ding heraus und nennen es Design! Yo! Unsere Besetzung für dieses kleine allzu menschliche alltägliche Drama diesen Monat: Andy Coleman aka Animals On Wheels, die Taschen voller Tokens, den Kopf voller Bonmots und ein Business hat er auch, Bovinyl, sein Label. (Zu anderen Zeiten hätte hier auch die Spymania Posse stehen können oder eine gerade in jedem Postindustriegebiet dies und jenseits des Kanals sprießende Gesellschaft von Abtrünnigen) Und Ninja Tunes, als Turtels verkleidet, eingeschleust in den Glaskäfig der Wilden. Das Objekt, das sie rausholen: “Designs and Mistakes” Ninjas und Animals On Wheels’s (AOW) erste LP, die sich voll und ganz einem Thema widmet: Wie mache ich Musik, die sowohl ich, als auch mein Plüschhund, als auch meine Transformermodelle, auf jeden Fall aber alle Japaner verstehen. Sonst aber ,und besser auf keinen Fall, keiner. Experimenteller (zur Erinnerung: “””””””) Drum & Bass kann die Hölle sein oder eben irre funky. Das jeweils herauszufinden ist nicht schwer. Aber herauszufinden, wann man nun jahrelange Forschung nach dem besten Beat aufs Spiel setzt und wann man doch lieber wieder ein straighter Head sein möchte, der genau weiß, warum er in minimalen Gebieten nach minimalen Verschiebungen sucht, das kann einem Kopfzerbrechen machen. Gut, daß es Menschen gibt wie Animals On Wheels, die es einem leicht machen, Design und Fehler vor die Tür legen, wie die Hauskatze die Maus (tot, meistens) und dabei auch noch ergiebig schnurren, als könnte die Welt einfach nicht besser laufen. DE:BUG: Ich mag Animals On Wheels. Die Attitude und die Musik. Kommen beide aus dem gleichen Geist? AOW: Ja, Animals On Wheels, das bin nur ich… Naja und Roy natürlich. DE:BUG: In was für einem Zustand befindet sich das? AOW: Die meiste Zeit verwirrt und viel zu besessen von Musik. DE:BUG: AOW müssen einfach eine freundliche Spezies sein, was man daran merkt, daß sie auf ihrer CD erstmal jeden als Ladies & Gentlemen grüßen. Aber ist es auch eine kindische? AOW: Wie bitte? Kindisch? Nun ja, auf jeden Fall ist das besser, als als reif beschrieben zu werden. DE:BUG: Was haben Menschen und Tiere gemeinsam? Nur die Räder? AOW: Menschen sind Tiere. DE:BUG: Vielleicht lieber ein paar seriöse Fragen stellen. Versucht man AOW innerhalb eines musikalischen Genres zu positionieren, dann ergibt sich, hoffentlich für jeden, folgendes Dilemma: Gibt es wirklich eine Szene, die man als “experimental drum & bass” beschreibt? Wenn ja, wie reagiert man, wenn man selber dieser Szene zugerechnet wird, auf die Anschuldigung, daß man nur von Leuten als “experimentell” wahrgenommen werden kann, die sich in der Geschichte von Drum and Bass nicht auskennen, da jede Art von experimentellem Feld, in dem innerhalb dieser Szene etwas geschieht, schon von Hardcore, Breakbeat und Drum and Bass bearbeitet worden ist und aus bestimmten Gründen wieder verlassen wurde. AOW: Ich kümmere mich einfach nicht drum. Ich mache Musik, weil ich es liebe, Musik zu machen. Ich kann so mit anderen Menschen/Tieren kommunizieren. Falls jemand meint, ich halte mich nicht an das Drum and Bass Gesetzbuch, dann ist mir das egal. Viel zu viele Leute folgen dem eh schon. Ich bin von vielen anderen Dingen beeinflußt als nur von Drum and Bass. Genres sind dumm. Leider ist das eine grundlegende Frage. Ich habe neulich in einem Club gespielt, der hauptsächlich HipHop war. Die Headz, die mit mir aufgelegt haben, haben mich angesehen, als wäre ich Dreck. Verdammt schade. Ich wurde schon sauer. Und als ich aufgelegt habe, war natürlich die Tanzfläche leer. Immerhin ein Ergebnis. Das kommt davon. Ich denke, daß die Leute die in einer “Szene” stecken, vermutlich etwas unsicher sind und Regeln suchen, die man befolgen kann, um Teil dieser Gruppe zu sein. Aber ob ich das wirklich weiß? DE:BUG: Was ist deine Lieblings-Medientheorie? AOW: Hm…Medien, Theorie….vielleicht, ich weiß nicht, Acrylfarben oder, tja, Collage. DE:BUG: Du scheinst zu den Leuten zu gehören, die sich denken, daß es höchste Zeit ist, daß Musik wieder lustig wird, am besten gleich. Für was für eine Art von Spaß steht AOW? AOW: Spaß ist gut. Ernsthaftigkeit ist gut. Widersprüche sind das beste. Es geht alles darum, ein Element gegen das andere auszuspielen. Ich verbringe eigentlich all meine Zeit vor meinem Computer, um Musik zu machen. Das ist schon irgendwie eine ernsthafte Verpflichtung, aber ich mag es dann auch ab und an, mit etwas Humor um mich zu werfen. Vielleicht einfach, um meinen Geisteszustand nicht zu ruinieren. DE:BUG: Es gibt in deiner Musik auch melancholische Teile. Würdest du zustimmen, wenn jemand sagt: Oh, Animals On Wheels, das sind diverse Leute. AOW: Ja, Diversifikation ist ein wichtiger Teil. Mein Leben geht auf und ab. Ich denke, das Leben der meisten ist so. Und meine Musik auch. DE:BUG: Hast du vorher in einer Band gepielt? AOW: Ja, Gitarre, vor ein paar Jahren, aber nichts besonders ernsthaftes. Ich bin ein beschissener Rock-Star. Viel zu selbstbewußt auf der Bühne. DE:BUG: Arbeitest du ab und an mit anderen Leuten zusammen? AOW: Ich habe einen Track mit meinem Freund Pete gemacht, der singt und vielleicht kommt das auf einer Compilation raus. Machmal mache ich was mit den anderen Leuten von Bovinyl, Vert (Adam Butler) und Milky Boy/Terry Ping (Tim Gould), aber nichts davon wird veröffentlicht. DE:BUG: Was ist für dich das wichtige an Fehlern? AOW: Ich glaube, wenn Leute denken, sie könnten ohne Fehler leben, dann leben sie sehr gefährlich. Fehler sind ein Teil des Lebens und bei Musik gehören sie genauso dazu wie alles andere. Zu wissen, daß ich Fehler mache, hilft mir, mich zu konzentrieren. DE:BUG: Wie geht es Bovinyl? Und warum sieht man die Platten nie in Deutschland? Wer kümmert sich darum? AOW: Vital Distribution haben sich darum gekümmert, aber die haben uns rausgeschmissen, weil wir keine Platten verkaufen. Wir verkaufen natürlich nichts, weil Vital uns nicht pushed und die Shops dann auch nichts kaufen. Eigentlich müßten alle 5 Bovinyls in Deutschland zu haben sein, aber du siehst es ja: wo sind sie? DE:BUG: Arbeitest du noch an anderen Dingen? AOW: Ich mache nur Musik. Die ganze Zeit. Für einen Job habe ich keine Zeit. DE:BUG: Wie findest du die UK Musik Szene? Was sollte da passieren? AOW: Es gibt gute und schlechte Musik. Ich höre mir eigentlich nur Dinge an, die irgendwie meine Aufmerksamkeit gereizt haben. Die englische Musikszene ist unglaublich straight, also hab ich mit ihr auch nicht soviel zu tun, besonders mit HipHop und Drum and Bass. Ich wünschte, die Leute, die in Clubs gehen, wären etwas offener und würden sich nicht so viele Sorgen um ihr Genre machen. DE:BUG: Wie ändert man die Welt? AOW: Finde Aliens. Gewinne Superkräfte jenseits der menschlichen Möglichkeiten. Trage schicke Hosen und Capes. Schmelze Knarren und Panzer und natürlich straighte Jungleheadz mit Röntgenaugen. DE:BUG: Wie fallen einem Titel ein wie: “Fall like Dandruff” oder “Nodding Dogs”? AOW: Werd ich nicht verraten. Obwohl. “Nodding Dogs” das sind ärgerliche Verzierungen an Autos, die ihre Köpfe mit der Bewegung des Autos wabern lassen. Das reine Böse. DE:BUG: Was ist für dich innerhalb von Musik am wichtigsten? AOW: Hey, jetzt auf einmal mit den großen Fragen kommen. Nunja. Musik ist sehr abstrakt. Sie macht das Leben interessant. DE:BUG: Wer um alles in der Welt ist Roy? (Wie in Roy Token?) AOW: Roy ist Roy. DE:BUG: Wie alt bist du? AOW: Nicht zu alt, nicht zu jung…..durchschnittlich. Man kann AOW mailen und Bovinyl Records in so ungefähr keinem Plattenladen kaufen. “Designs and Mistakes” ist allerdings draußen und eine EP dazu auch, beide auf Ninja Tunes. Zitate: Finde Aliens. Gewinne Superkräfte jenseits der menschlichen Möglichkeiten. Trage schicke Hosen und Capes. Schmelze Knarren und Panzer und natürlich straighte Jungleheadz mit Röntgenaugen. Ich glaube, wenn Leute denken, sie könnten ohne Fehler leben, dann leben sie sehr gefährlich. Zu wissen, daß ich Fehler mache, hilft mir, mich zu konzentrieren.

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Elektronische Lebensaspekte.