Es könnte ein gutes Jahr für Anti-Pop Consortium werden. Ihr Reunion-Album “Fluorescent Black“ fällt nach sechs Jahren Absenz und diversen Soloprojekten der einzelnen Mitglieder in eine Zeit, in der sich HipHop einerseits elektrifiziert und wieder anderen Einflüssen geöffnet hat, als auch in eine, in der sich Hipster gerne wieder ab und zu anrappen lassen.
Text: Jan Kage aus De:Bug 136

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Bild:Timothy Saccent

Das ist die Sicht von außen. Und drinnen im Consortium scheint man sich wiedergefunden zu haben. Der Textflow ist flüssiger als zu Beginn der Nuller Jahre, die Beats zugänglicher, ohne allerdings ihre klare Kante verloren zu haben. Widerspenstigkeit, Cutting Edge und das Spiel mit Images gehören seit jeher zum Phänomen Anti-Pop, wie die Erneuerung des Popsounds von den Rändern her. Und dieser Rand, von dem die New Yorker Ende der 90er kommen, lief zwischen den Punkten Poetry, HipHop und Kunstszene genau durch die Lower East Side Manhattans.


Wahrscheinlich gab es diese konkrete Verbindung von Rapmusik und der Galerieszene seit den Tagen der frühen 80er nicht mehr in dieser Form. Damals als Fab Five Freddy die Underground MCs und DJs der Bronx in die Downtown Clubs der Punks brachte – Grandmaster Flash and the Furious Five, Afrika Bambaataa und die Zulu Nation, die Rocksteady Crew und all die ganzen anderen HipHop-Pioniere, die plötzlich en vogue waren, und sowohl die Band Blondie zu “Rapture“ animierten, als auch Malcolm McLaren zu “Buffalo Gals“.

“Wir sind keine typische HipHop-Band”, meint Beans im Interview. “Wir haben früher viel in Galerien gespielt – etwa in New York bei Exit Art. In dieser Stadt kennen sich eh alle untereinander, die irgendwie kreativ arbeiten. Wenn du wirklich etwas machst, dann kannst du in eine Bar gehen und triffst dort auf Brian von Gang Gang Dance, die Battles, den Drummer von TV On The Radio oder Wilder von Chin Chin. Es ist ein wilder Stilmix.

Alle machen ihr kreatives Ding und kennen sich untereinander: “Ah, er ist ein Künstler und macht dies und das!” Es ist in diesem Sinne wirklich wie in einer Kleinstadt.”Und diese Provinzialität des Urbanen hat sich das Quartett auch für die Produktion des neuen Albums urbar gemacht: Man zog zusammen:

Beans: “Wir leben immer noch in New York. Priest und ich wohnen mit Earl zusammen, im gleichen Haus. Das war eine extrem gute Entscheidung. Ich war echt runter, als wir uns damals getrennt haben, aber jetzt hat sich alles zum Guten gewendet. Wir spielen besser zusammen, sind erwachsener geworden. Weißt du: Ich war 30, als wir uns getrennt haben. Da ging es um unsere Egos. Heute, acht Jahren später, rollt die Kiste einfach, alles ist entspannt.”

Anti-Pop Consortium, Flourescent Black, ist auf Big Dada / Rought Trade erschienen.
www. bigdada.com

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