Text: tjoss may aus De:Bug 22

Aphex Twin ãWindowlickerã Am Beginn des Begehrens zwischen Mann und Frau in einer Stadt mit viel zu breiten Straßen und drumherum viel Sonnenschein steht immer erst die Autogeschichte. Im vorliegenden Fall wird das mit dem Begehren zwar ein wenig anders als gewohnt gehandhabt, aber die Autogeschichte darf auch hier den Anfang machen: zwei Männer fahren also im Sonnenschein und in einem Cabriolet durch die viel zu breiten Straßen einer Stadt, etwa so wie man das tut, wenn das Begehren auf der Rückbank sitzt. Für Gewöhnlich führt das dazu, daß man, so man zu zweit unterwegs, das Begehren mal vernachlässigt, zwei durchaus schicke Frauen trifft, die da so am Straßenrand herumstehen. Und weil das in diesem Fall nicht anders ist, spricht im Grunde nichts dagegen, die beiden schicken Frauen in das Auto steigen zu lassen, unter der Sonne und zu den beiden Männern. Eigentlich. Aber eigentlich auch nicht. Denn irgendwie steht bereits an dieser Stelle fest, daß das mit der Autogeschichte so nicht funktionieren kann, weil das mit den zwei Männern (nicht flott genug in bezug auf die beiden Frauen?) und den beiden Frauen (letztendlich doch zu knapp bekleidet?) einfach nicht zusammenpassen will, worin deutlich wird, daß man das Begehren keinesfalls unbeachtet auf der Rückbank sitzen lassen darf. Und also muß denn Er auftauchen. Und Er kommt in einer Limousine, die so lang ist wie ein schlecht gemeinter Scherz, mit einem Schirm, der, weil ja drumherum viel Sonnenschein, allein dazu zu gebrauchen ist, um ihn von hinten treffsicher zwischen den Beinen zu plazieren (an was erinnert das doch gleich?). Daß das natürlich Eindruck auf die Frauen macht, ist klar. Aber als der Frauen immer mehr werden und sie Ihn alle auch noch so sehr haben wollen, daß ihre Gesichter zu dem Seinen werden, kippt das, was sich anfangs noch als Parodie ausnimmt, über die Grenze dessen, was einfach nur lustig ist, und wird – nicht zuletzt weil Chris Cunningham, der bei ãWindowlickerã die Regie geführt hat, das mit dem Morphing ganz gut kann – zu einer eigenen Variante darüber, was passiert, wenn ein Begehren, das sowieso nie Carbrioletfahren wollte, von der Rückbank aus dem Auto stürzt.

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Elektronische Lebensaspekte.