Der Apfel der Versuchung. Unsere Redaktion ist ihm komplett erlegen.
Text: Stefan Becht aus De:Bug 44

Der Apfel fiel sehr weit vom Stamm
“Apple – streng vertraulich”, jetzt zum Nachlesen

Das Design der bunten iMacs und iBooks von Apple ist heute stilbildend für die gesamte Branche. Doch das war nicht immer so. Der Journalist Owen W. Linzmayer erzählt in seinem Buch “Apple – Streng vertraulich. Die Tops und Flops der Macintosh-Geschichte” die 24jährige Unternehmensgeschichte. Vor allem aber ist das Buch mit Zitaten, Listen, Dokumenten und Fotos bestückt, die oft eindrucksvoller sind als die Geschichten. Und weil sich das alles im “richtigen Leben” abgespielt hat, wimmelt es von genialen Jungs (natürlich, leider), verzweifelten Programmierern, durchgeknallten Marketingfuzzis, Abzockern und fiesen Profiteuren. Owen beschönigt, obwohl er seit den 80er Jahren über Apple schreibt, wenig, räumt mit den gängigen Vorurteilen auf und schildert besonders die berühmten zwei der drei Gründer, Steve Wozniak und Steve Jobs, äußerst präzise und wertfrei. Doch er würdigt auch Jef Raskin, den Vater des Mac-Projekts, Alan Kay, Mitarbeiter der ersten Stunde, das Software-Genie Andy Hertzfeld, Bill Atkinson (schrieb QuickDraw und Mac Paint), Bruce Horn und Steve Caps (haben den Finder erfunden) und viele andere. Vor allem aber erzählt er sehr schöne Geschichten von Apple. Die Firma begann, nein, nicht in einer Garage, sondern in Steve Jobs Schlafzimmer. Erst später zog man in die Garage um. Jobs verkaufte für das erste Firmengeld seinen rot-weißen VW-Bus für 1500 Dollar, Wozniak vertickte seinen HP 65 Taschenrechner, was weitere 250 Dollar brachte. Heute führt Jobs immer noch die Firma, und sie gehört sicherlich zu den erstaunlichsten Unternehmen, die das Silicon Valley hervorgebracht hat. Als geradezu winziges Unternehmen ging Apple 1980, vor gerade mal 20 Jahren, an die Börse, machte die Beteiligten über Nacht zu Millionären und entband sie doch nie ihrer eigentlichen Aufgabe, der permanenten digitalen Innovation. Oder wie Steve Jobs, der CEO von Apple, am Ende seiner Reden zu sagen pflegt, um weitere Innovationen anzukündigen: “Just one last thing…!”
Einfach war es nicht, Kult zu werden. Nur ein kurzes Beispiel: die Durchsetzung des legendären Werbespots, der zur Einführung des Macintosh “1984” von “Blade Runner”-Regisseur Ridley Scott gedreht wurde. Als der Spot beim wichtigsten amerikanischen Sportereignis, dem “Super Bowl”, gezeigt werden sollte, wurde er vom Firmen-Vorstand abgelehnt. Jobs suchte daraufhin die Unterstützung von Wozniak und führte ihm den Spot vor. Zusammen übernahm man dann kurzerhand die Hälfte der Ausstrahlungskosten (800 000 Dollar) von “1984”. Der Rest ist Geschichte.

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Elektronische Lebensaspekte.