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Text: thaddeus herrmann aus De:Bug 31

/elektronika/dänemark Wallpaper und 4/4 April Records, Kopenhagen: Hier hat alles Platz ”Wenn ich ein Pferd hätte oder Golf spielen würde, wäre das ein viel teureres Hobby als Platten zu pressen”, erzählt Thomas Knak. So läuft das im dänischen Königreich, einem Land, in dem es noch genau drei Fachhandlungen für Vinylschallplatten gibt und Techno-DJs für Grammys nominiert werden. Kein Wunder also, dass Dänemark im allgemeinen und Kopenhagen im besonderen bislang nicht wirklich auf der Landkarte der elektronsichen Musik auftaucht und ein Label wie April Records mal so eben über 50 Releases innerhalb weniger Jahre veröfentlichen. April Records ist als Subunternehmen von Voices Of Wonder, dem einzigen Vertrieb für Labels wie Warp und Rephlex in Dänemark, das definitive Hauptquartier für alle Spielarten elektronischer Musik. Auch Thomas Knak, der mit seiner eigenen Musik derzeit unter dem Namen Opiate unterwegs ist, veröffentlicht, natürlich, bei April und ist gerade dabei, weil er eben kein Golf spielt, mit seinem eigene Label “Hobby Industries” neuen Produzenten eine Plattform aufzubauen. “Ich spiele seit Jahren in Kopenhagener Clubs, die Leute zahlen Geld, um meine Musik zu hören…da finde ich es nur fair, das Geld, das ich verdient habe, wieder in die Szene zu investieren.” Und die ist klein. Rund 400 Menschen sind in Kopenhagener Clubs, die sich nicht dem traditionellen Rave verschrieben haben, unterwegs. Minimale Einfachheit… …scheint das Motto in Dänemark zu sein. Hört man Opiates Album “Objects For An Ideal Home” wird man konfrontiert mit der vielleicht lockersten Melange ausangedrummandbasster Beatfrickelei und fröhlich gesprenkelten Melodien, die der nördliche Polarkreis so bislang gehört hat. “Wir mögen es simpel in Dänemark. Minimal Art und Ambient haben hier immer Hand in Hand funktioniert. Komplexität und Einfachheit müssen sich meiner Meinung nach nicht ausschliessen”, erzählt Thomas, der leicht grippös in seinem Kopenhagener Bett liegt. Nur verkaufen muss man diese sonische Einfachheit dann noch, und genau da fangen die Probleme an. “Dänemark ist ziemlich absurd”, berichtet Jesper J¯rgensen, der Boss von April. “Wir haben viele wahnsinnig gute DJs. Noize zum Beispiel wird zu DMC Championships schon gar nicht mehr eingeladen, weil er einfach zu gut ist. In der elektronischen Musik ist es aber schwierig, sich als DJ einen Namen zu machen, wenn man parallel zum Auflegen keine Platten macht. Diesen Schritt gehen hier aber wenige…zu wenige. Niemand lädt einen dänischen DJ ins Ausland ein, wenn er noch nichts veröffentlicht hat, warum auch! Gleichzeitg bleibt aber DJs und Musikern von vornherein nichts anderes übrig, als sich international zu orientieren. In Dänemark kann man kaum Platten verkaufen. April Records funktioniert als Sammelbecken. Drum and Bass hat hier genauso Platz wie die unwiderstehlichen Housetracks von Jet oder die postrockigen Improvisationen von Future 3. …und die gerade Bassdrum Trifft man in Kopenhagen sein Lieblingsmitglied der Olsen Bande auf der Strasse und fragt nach Techno, würde der wahrscheinlich anfangen, den aktuellen Hit von Aqua zu pfeiffen. Traurige Realität. Aber wenn man etwas in Kopenhagen immer konnte, war es Platten kaufen. Gemacht hat das zum Beispiel Bj¯rn Svin, der heute das Aushängeschild der dänischen Technoszene ist, sich seine Gigs inzwischen locker aussuchen kann, mittlerweile auch in Deutschland unterwegs ist und mit seiner experimentellen Mischung aus Techno und Electro genauso gut auf April passt wie Thomas Knak. Und der hofft, dass die gute Vorarbeit, die April in den letzten fünf Jahren geleistet hat, sich mehr und mehr in einer grösseren Szene niederschlagen wird. Ein neuer Plattenladen, Science Fiction, hat kürzlich in Kopenhagen sehr erfolgreich eröffnet, und auch die Medien interessieren sich langsam für die neue Musik aus der dänischen Hauptstadt. Thomas Knak jedenfalls ist im Moment dabei, gemeinsam mit Mouse On Mars Musik für eine gross angelegte Werbekampagne für Badewannen zu schreiben. Klar, mit Opiate badet man ja auch viel lieber.

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Elektronische Lebensaspekte.