Aril Brikha stellt alle Zeichen auf Mastersound. In seiner schwedischen Kleinstadt produzierte er Tracks, die Minimalness und Deepness als Sanftheit zusammendenken. Drei Tage später brach im Transmat Büro in Detroit der Begeisterungssturm aus.
Text: aljoscha weskott & alexis waltz alexis@classlibrary.net aus De:Bug 49

Die Einsamkeit des Long-Distance Keyboard-Players
Aril Brikha

Vielleicht darf mit den sich überschneidenden Zeitebenen der Tracks Aril Brikhas wieder von “Ereignis” gesprochen werden. Und das nicht in einem rein elektronischen Kontext. Sein Hit “Groove La Chord” löst die allzutypische Dramaturgie von Technoproduktionen in eine klassisch futuristische Wiederholungsschleife auf, in der die Wiederholung genau das präsentiert, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat. Aril Brikhas Tracks verleihen Detroit eine Sanftheit, die sich als reduziert melodiöses Überschreiten der Zeit- und Raumkoordinaten von Orten vollzieht. Doch angefangen hat alles ganz anders.

DEBUG: Wie bist du mit Techno in Berührung gekommen?

Aril Brikha: Es war nicht einmal Techno. Ich machte Techno, bevor ich wusste, was Techno ist. Freunde brachten mir Platten aus Detroit und sagten: ‘Das klingt wie die Musik, die du machst.’ Basic Channel waren die erste Orientierung für mich. Ich bin in einer Kleinstadt in der Nähe von Stockholm aufgewachsen und hatte keine Freunde, die Musik produzierten. Ich habe alles allein gemacht, ich wusste nicht einmal, was eine 909 ist. Dann hat mich die Szene infiziert.

DEBUG: Gibt es mittlerweile Kontakte zu schwedischen Musiker- und Clubszenen?

Aril: Ich traf sie später, als ich nach Stockholm zog. Adam Beyer, Cari Leckebusch usw. Wir reden kaum miteinander, auf jeden Fall nicht über Musik. Es gibt keine Clubszene in Stockholm, es gibt Discos, aber das ist nicht interessant für mich. Ich gehe lieber in Bars, in denen deepe, mellowe Musik spielt. Rave-Partys interessieren mich überhaupt nicht.

DEBUG: Stimmt es, dass kein schwedisches Label deine Tracks haben wollte? Lag dir etwas daran, sie gerade auf Transmat zu veröffentlichen, oder war das eher Zufall?

Aril: Das verlief sehr unromantisch. Ich besaß keine einzige Platte von Transmat. Ich besuchte Freunde mit Platten, um die Adressen der Labels herauszufinden. Nur bei den großen sind die Adressen auf die Cover gedruckt, auf den White Labels stehen keine Adressen, sonst hätte ich die Tracks vielleicht an Basic Channel geschickt. So schickte ich sie an 430 West und Transmat, und beide haben nach drei Tagen geantwortet.

DEBUG: Warst du mittlerweile in Detroit?

Aril: Ja. Anfangs empfand ich Detroit als unheimlich, ich hasste die Stadt. Es gibt keine Menschen auf der Straße wie in Stockholm, es wirkt wie eine Gespensterstadt, nicht wie eine Technometropole. Aber als ich das erste Mal nach Detroit kam, sagten einige: Ah, wir haben von dir gehört, wohnst du nicht im arabischen Viertel? Nein, eigentlich komme ich aus Schweden, sagte ich dann. Wegen der besonderen Leute bin ich nicht mehr von dort weggekommen. Deshalb liebe ich diese Stadt.

DEBUG: Drückt sich diese Nähe zu Detroit auch im Sound aus?

Aril: Ich mag minimale Sachen wie Rob Hoods ‘Internal Empire’. In Detroit und sogar in Deutschland gibt es Minimal Techno. Minimal Techno ist ein Takt, der sich immer wiederholt. Wenn man von Detroit spricht, meint man Melodien und Geigen. Das ist nicht das, was ich mache. Ich mag es mit einem Groove und einer Melodie, normalerweise macht man aber entweder Beats oder House-Tracks mit Arrangements, ich will Melodien, aber es soll trotzdem minimal sein. Ich bin Keyboarder, ich habe den ersten Synthesizer bekommen, als ich sieben war. Ich bin kein DJ, der einen Sampler gekauft hat. Ich mache keine Arrangements, alles ist live aufgenommen. Es ist nur ein Loop, der immer weiterläuft. And I like to do this little stuff that makes it come up a bit and then back – but not too much.

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Elektronische Lebensaspekte.