Text: ekrem aydin aus De:Bug 26

Wer kennt es nicht, das Problem etwas bestimmtes im Internet zu suchen, jedoch keine wirkliche Vorstellung davon zu haben, geschweige denn eine Webadresse. Die Lösung? Na klar, “Search-Engines” Ð Denkste. Im Falle Arsonists (engl. für Brandstifter), einer fünfköpfigen Band mit Latinowurzeln aus New York, wird einem mit einem Klick die Überflüssigkeit der Suchmaschinen bewusst. Die angegebenen Resultate verweisen fast alle auf irgendwelche Militia-Verbände, eben jenen paramilitärisch veranlagten “Bürgerinitiativen” der USA, die sich stets damit brüsten, dass ihr Kampf tagtäglich beginnen kann. Also müssen doch wieder die eigenen Repertoirkenntnisse herhalten. Zwei 12″es haben D-Stroy, Freestyle, Swel, Q-Unique und Jise One Ð zusammen “Arsonists” Ð bisher herausgebracht und damit hierzulande als auch in ihrer Heimat unmittelbaren Kultstatus erreicht. Kürzlich erschien ihre dritte Single “Pyromaniacs”, ihr erstes Album, “As The World Burns”, ist auf dem Weg. Dieses 21 Stücke beinhaltende Ding wird einschlagen wie eine Bombe, was dem Namen der Fünf ja entsprechen würde. Beats, wie man sie sich dreckiger kaum wünschen kann und denen man den Spass am Produzieren anmerkt. Seit Black MoonÔs Debüt “Enta Da Stage” klang nichts aus N.Y. mehr so böse wie dieses Brett. Dafür muss zu recht Werbung gemacht werden. Das hat nun auch das letzte kleine Ami-Label bemerkt. Fünf Amerikaner in Europa Wie verhält es sich, wenn man als Amerikaner auf einem europäischen Label ist? Egal, die Arsonists schwimmen ehÔ nicht in diesem Strom. Schliesslich sind sie bereits mehrfach in Deutschland gewesen und das nicht um irgendwelche Platten zu promoten. Nein, vielmehr weil sie von dem Vibe gehört hatten, der in Deutschland im Hip Hop passiert und diesen auch erleben durften. Gerade in Süddeutschland wird der Gruppe soviel Respekt gezollt, dass es für den Rest der Republik reicht. Es kam eine Kollaboration mit den Massiven Tönen zustande, die auf ihrem Album “Überfall” die New Yorker zu Gast haben. “Es tut gut zu sehen, dass wir mit drei Independent-Veröffentlichungen die Möglichkeit bekommen haben auf Reisen zu gehen und neue Menschen kennenzulernen.”, sagt D-Stroy und fügt hinzu: “Es ist überwältigend wieviel Anerkennung uns gerade in Deutschland zukommt.” This is how the story goes Aus Enttäuschung darüber, dass sich keine Plattenfirma für ihre Demos interessiert, pressen viele Gruppen ihre Platten selbst auf Vinyl und versuchen dann über einen guten Vertrieb in die Regale der Läden zu kommen. Gerade Fat Beats in New York ist in dieser Beziehung allen anderen voraus. Fast wie im Märchen begab es sich dann eines Tages, dass sich ein Mitarbeiter des UK-Alternative-Labels “Matador” im Fat Beats Store in Downtown-Manhattan mit neuem Vinyl eindeckte und auch “Seed” von den Arsonists mitnahm. Wieder zurück in Europa blieb er bei dieser 12″ hängen und entdeckte darauf die Privatnummer von Freestyle. Einen Anruf und ein Treffen später war der Deal perfekt. In erster Linie versprechen sich die Arsonists davon natürlich einen besseren Promoeffekt. Früher blieb alles an ihnen selbst hängen, und es ist nicht leicht, auf der einen Seite Musik zu produzieren und sich dann noch um Werbemittel und Presse kümmern zu müssen. Freestyle und D-Stroy sind sichtbar stolz auf ihre Arbeit und betonen immer wieder, auch als Inspiration für andere Gruppen dienen zu wollen. Und selbst wenn es den Leuten nicht gefällt, so sollten sie wenigstens anerkennen, dass es die Gruppe mit zwei Singles zu drei Europatourneen gebracht hat. Seitdem interessieren sich die Medien ebenfalls verstärkt für sie. Raus aus den Schubladen Man merkt es den Jungs aber an, dass es ihnen darum geht, ihre Leidenschaft zum Ausdruck zu bringen und vor allem ihren Sound zu promoten. Auch wenn Köln (der Ort des Interviews bei 280 Grad) oder der Hotelpool zu anderem verlocken, nehmen sie ihre Sache sehr ernst. Es gibt noch soviel zu tun für sie: So wollen sie definitiv damit aufräumen, dass sie ein Underground-Act sind. Nichts ist schlimmer für sie, als in Schubladen abgelegt zu werden. Deshalb können sie auch nicht mehr die Frage hören, ob sie sich als Vertreter der Afrolatino Szene New Yorks verstehen. Natürlich haben sie etwas gemeinsam mit den bekannteren Namen der Szene wie z.B. Big Punisher, jedoch ist es das gleiche, was sie auch mit afroamerikanischen und deutschen Bands gemeinsam haben Ð Hip Hop. D-Stroy vergleicht den Umstand, dass Menschen zu Kategorisierungen neigen mit dem Kennenlernen einer Frau. “Wenn du eine Frau triffst, dann versuchst du als erstes, sie nach ihren äusseren Kriterien zu bewerten, doch darum geht es nicht. Auf die inneren Werte kommt es an (Woher kenne ich das bloss? Unnötige Anm. d. Verf.), genauso wie bei unserer Musik. Bewertet uns nicht nach unserem Auftreten oder unserem Style, bewertet uns nach unserer Musik und unserem Vibe!” (Anm.d.Korrektors: Läuft das beim Treffen mit einem Mann anders?) Sorgfältige Kollaborationen Ein weiterer Beweis für die Vielseitigkeit ist eine gerade aufgenommene Kollaboration mit “Atari Teenage Riot”, die die Arsonists in Berlin live gesehen haben. Der gemeinsame Nenner war die Energie. Das heisst jetzt jedoch nicht, dass man die Arsonists bald als Gast auf jeder neuen Veröffentlichung hören wird. Bewusst verzichten sie bei ihrem Album auf den üblichen hippen Hiphop-Gast, es geht um die Leistung der Band, um die Anerkennung ihrer Musik, nicht ihrer Beziehungen. Jedes einzelne Mitglied der Gruppe hat sich vorher bereits bewährt, sei es als Breaker, MC, Produzent, DJ oder Writer. Vor knapp acht Jahren bündelten die Fünf dann ihre Kräfte, um vereint und gestärkt der Musik treu bleiben zu können. Die Rechnung scheint aufzugehen. Als die Massiven Töne letztes Jahr in New York bei Freestyle vorbeischauten und ihm die Idee eines gemeinsamen Tracks unterbreiteten, rief dieser direkt die ganze Truppe zusammen und da sass man dann einer völlig fremden, weil deutschen Sprache gegenüber, von der man kein Wort verstand und sich jede Silbe übersetzen lassen musste. Doch was die musikalische Produktion betraf, so bedurfte es keiner Übersetzung, denn da war er wieder, der Vibe, der den Arsonists so wichtig ist und sich aufgrund der Vielzahl der Gruppenmitglieder so unterschiedlich zusammensetzt. Auch wenn man gemeinsam der Leidenschaft Hip Hop frönt, so findet man in den Regalen der einzelnen Mitglieder verschiedenes, von DAF über Hardrock und Alternative bis hin zu Reggae und RÔnÔB alles, was die musikalische Seele begehrt. All das fliesst auch in ihre Produktionen ein, und darüber hinaus sogar noch Zeichentrick-, Film-, Tier- und Game-Sounds. Sie haben Spass an ihrer Sache. Das merkt man ihnen an ihren Gesichtern und der Art wie sie von ihren Erfahrungen berichten sofort an. Wetware und Software Netze Vor allem schätzen sie den Umstand, dass sich im HipHop ein Netzwerk etabliert hat, über das Erfahrungen verbreitet und ausgetauscht werden können. Deshalb liegt bei den Arsonists auch nach wie vor Priorität auf ihren eigenen Dingen. Das Etablieren ihrer eigenen Internet-Domäne, über die sie neben Infos vor allem die Produkte vertreiben möchten, die nicht im direkten Zusammenhang zu ihrem Album stehen, steht an oberster Stelle. Da gibt es natürlich vor allem Merchandise, aber auch ihre eigenen Mixtapes. Wer das Glück hat, eines davon sein Eigen zu nennen, der weiss, dass es bei einem Arsonists-Mixtape nicht einfach nur um die Aneinanderreihung von Stücken geht, sondern um viel Spass. Gleichzeitig nehmen sie die Höhrer und Fans sehr ernst. Ihnen schuldet man was. War es bisher so, dass die Produktionen (nach eigener Aussage) mehr Schulbandcharakter hatten, so ist es nun soweit, dass die Arsonists ein Optimum an Machbarem erreichen wollen. Sie wollen ihren Fans, welche sie als Pyromaniacs bezeichnen, den Wert ihres Geldes in Musik wiedergeben. Mit dem Album ist ihnen dies in jedem Falle gelungen.

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Elektronische Lebensaspekte.