Zombie Nation, Modernist, Jimi Tenor oder Michael Mayer, sie alle wurden von Maral Salmassi eingeladen, Musik zum Fantasyspiel "Warhammer 40K" zu produzieren. Wie klingt das Flugschiff der Eldar, ein Ork oder eine Blood Angel-Gang? Dank Maral Salmassi mit ihrem Label "Art of Perception" wie ein Gegenstatement zu Enya beim "Herrn der Ringe".
Text: heiko gogolin aus De:Bug 59

Auf der sonischen Seite von Fantasy-Games und -Filmen regiert der Konservatismus. Beim Thema Mittelalter fällt den Machern vom Herrn der Ringe leider wieder nur Enya kombiniert mit Pathos-Klassik ein. Und: So detailliert und schlau manche Science Fiction in ihren Settings sein mag, in der Schilderung von Zukunftsmusik geht man wenig Experimente ein und lässt Commander Riker auf der Enterprise lieber gleich Jazz Standards nachspielen. Gähn. Hier kann man einen Schritt weiter gehen, dachte sich die Kölnerin Maral Salmassi of “Konsequent”- Fame und gründete 1999 ihr zweites Label “Art of Perception”. Art of Perception ist eine Konzeptplattform-Soundtrackagentur für elektronische Klänge. Dieser Tage wurde nun die erste Werkschau auf einem Silberling präsentiert.

Musik begleitet Flugschiffe
“Warhammer 40K” ist ein sogenanntes Table Top, ein recht martialisches Strategiespiel mit Armeen aus Zinn-Figuren, die man selbst kolorieren muss. Es wird auf Tischen gespielt, denn geschichtlich erblickten Table Tops ungefähr Anfang des 19. Jahrhunderts das Licht der Welt und markierten damals den Schritt vom nur im Symbolischen operierenden Spiel zur konkreten visuellen Simulation: Aus dem Turm wurde fortan eine nachgebaute Festung, auf das Pferd kam z.B. ein Habsburger Reiter.
Heute gehören die beiden Warhammer Spiele der Firma “Games Workshop” aus Nottingham zu den beliebtesten und zugleich umstrittensten ihrer Zunft. Zwei oder mehr meist jüngere Spieler battlen sich mit ihren teuer erworbenen Armeen in Schutt und Asche, manchmal garniert durch eine epische Hintergrundgeschichte, die einzelne Kampf-Szenarien als Kampagne verknüpft.
Nun Musik also dazu: Vorgabe für alle beteiligten Musiker war es, jeweils zwei Stücke Musik zu einem Thema der Welt, meist einer Rasse zu produzieren. So lässt John Starlight aka Zombie Nation einen brachialen Smasher für die Blood Angels vom Deck oder Michael Mayer vertont sehr dezent, aber doch majestätisch die erhabenen Flugschiffe der Eldar. Weiter gibt es Musik von Alter Ego, Johannes Heil, Jimi Tenor, Bochum Welt oder Modernist. Kompiliert ist auf “The Sound of Warhammer 40.000 Chapter 1″ eine Auswahl von Tracks aus den insgesamt zwölf 12″es. Die CD ist die erste von insgesamt drei Folgen, die alle Stücke der Maxis samt Bonusmaterial und dicken Booklets enthalten werden. Die Vinylsammler freuen sich ab diesem Moment auf eine schmucke Box, die zusammen mit der finalen 12” im Handel stehen wird.

DEBUG: Wie kamt ihr auf die Idee, eine Plattform wie Art of Perception zu gründen?

MARAL: Nun ja, normale Labelarbeit wurde für mich schnell langweilig. Fantasy war früher mal eine Leidenschaft von mir und Soundtracks fand ich auch schon immer cool.

DEBUG: Was haben die Musiker von dir als Vorlage bekommen?

MARAL: Jeder eine Mappe mit Bildern, Storyboards und den jeweiligen Codex Band. Ich habe auch persönlich versucht, den Leuten eine Einführung zu geben.

DEBUG: Wie kam der Kontakt zu den Künstlern, wie z.B. bei Jimi Tenor zustande?
MARAL: Das war reiner Zufall. Ich wollte eigentlich Wagon Christ haben. Der hat bei uns in Köln als Luke Vibert gespielt, war aber busy inmitten seiner Album-Geschichten. Jimi war zur Popkomm da, dort habe ich vom Projekt erzählt und er hatte Lust.

DEBUG: Was kommt nach Warhammer?

MARAL: Ich bin mir noch nicht sicher. Warhammer läuft noch mindestens bis Ende des Jahres. Jedes zukünftige Projekt wird immer konzeptuell laufen, immer eine themengerechte, abgeschlossene Reihe an Maxis. Den Bereich Comic finde ich sehr spannend, so Sachen wie Sin City oder Frank Miller. Ich kann mich da noch nicht entscheiden.

DEBUG: Wie sieht das mit Musik zu Videospielen aus? Sony hat sich mit der ersten PlayStation bei einigen Games durch elektronische Soundtracks sehr erfolgreich subkulturelle Hipness eingekauft. Meistens sind es aber lizensierte, beatlastige Tracks, die einfach kompiliert wurden. Ich denke mir, da könnte im Bezug auf spezifisch programmierte Soundtracks noch eine ganze Menge mehr gehen.

MARAL: Das Warhammer Projekt ist ein Stein in die richtige Richtung, auch um neue Märkte für elektronische Musik zu erschließen und neue Hörer zu gewinnen. Ich glaube, man kann gerade momentan auch nicht anders, als die Aufmerksamkeit der Firmen durch solche Projekte zu erregen. Die Majors in der Spieleindustrie machen eine inzestuöse Sache. Das ist aber ein Riesenmarkt für uns. Wenn wir jetzt nicht schnell und vor allem effektiv genug arbeiten, haben wir da als Undergroundkünstler keinen Erfolg. Dann sind es wieder die Chemical Brothers oder Leftfield, die zum Zuge kommen. Ich will eine Plattform sowohl für Künstler als auch für die Firmen bieten. Eine Möglichkeit, es übersichtlicher und fairer zu machen, dabei aber noch unabhängig bleiben. Diese Plattform ist der Sinn von Art of Perception, ein Katalog, einer der ersten, vielleicht das erste Soundtrack-Label für elektronische Musik.

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Elektronische Lebensaspekte.