Arturia aus Frankreich nehmen sich einem analogen Monster an. Ihre Version des Yamaha-Schlachtschiffes CS 80 biete alle Möglichkeiten des Original und noch einige Extras obendrauf. Nur einen schnellen Rechner braucht man. Kein Wunder, hatte das Original der späten 70er-Jahre auch schon zwei fette Lüfter
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 80

Arturia CS 80v
Yamahas altes Prungstück emuliert

Okay, ein weiterer Analogsynth im neuen Digitalkleid: Der Arturia CS80v emuliert ein Monster von Yamaha aus den späten Siebzigern. Der Yamaha CS 80 wog stolze 100 Kilo und wurde 1977 das erste Mal gebaut. Seine Spezialität war vor allem die Möglichkeit, bis zu acht Stimmen gleichzeitig spielen zu können. Hinzu kamen umfangreiche Layermöglichkeiten und Anschlagsdynamik. Die weniger geschätzten Features waren zum Teil erhebliche Wärmeprobleme trotz zweier Lüfter und die unzureichende Stimmstabilität der Oszillatoren.

Übersicht
Die weitestgehend naturidentische Oberfläche ist vielleicht ein wenig groß geraten, bietet dafür aber die Übersicht über alle Funktionen. Wie beim Original gibt es zwei Oszillatoren, die mit modulierbarer Pulswelle, Dreieck und Rauschen gefahren werden können. Die Filtersektion besteht aus je einem Hoch- und Tiefpass-Filter, wahlweise mit 12 oder 24 db Flankensteilheit. Der Zugriff der Filter kann per ADR-Hüllkurve geregelt werden, für die Lautstärke gibt es je eine ADSR-Hüllkurve. Jedem Oszillator ist ein LFO zugeordnet, der die üblichen Wellenformen bereitstellt und zur MIDI-Clock synchronisierbar ist. Schließlich ist da noch die relativ einfach gehaltene Ringmodulatorsektion mit eigenem Modulations-Oszillator. Anders als beim Original wurde noch eine umfangreiche Modulationsmatrix hinzugefügt, über die sich mit zwölf Modulationsquellen 38 Modulationsziele ansteuern lassen, was die Bandbreite der Modulationen erheblich erweitert und ziemlich interessante neue Möglichkeiten eröffnet. Neu dazu gekommen ist auch der Arpeggiator, der im Original nicht zu finden war. Er ist realtiv einfach gehalten und bietet die Richtungen Up/ Down/ Up & Down/ Random und Notes On, die in vier Oktaven bis zu viermal wiederholt werden können. Eine Spezialität des CS 80 ist die komfortable Stimmenverteilung. So kann jeder Stimme ein eigener Sound zugeordnet werden, dazu kann sie separate getunt und im Panorama verteilt werden, was zu sehr spacig-dreidimensionalen Ergebnissen führen kann. Auch ein paar einfache Effekte werden noch beigesteuert, hier gibts ein Stereo Delay, Tremolo und einen Chorus.

Performance, Bedienung und Sound
Performanceseitig ist der CS 80 durchaus anspruchsvoll, unter einem G4 733 braucht man, wenn mehr als eine Instanz gefahren werden soll, schon ein bisschen viel Geduld und Glück. Der Sound aber ist sehr charkteristisch, vor allem vielschichtige Flächen und FX machen Spaß, angenehm weich klingen die Filter. Die Bedienung braucht, wie beim Original ein wenig Einarbeitungszeit; wer sich einmal auf die ein wenig verschrobene Begrifflichkeit der damaligen Yamaha-Ingenieure eingelassen hat (der LFO heisst hier zum Beispiel Sub-Oszillator) sollte aber zurechtkommen. Ein bisschen preiswerter hätte der CS 80 aber sein dürfen, ansonsten gibt’s nichts zu meckern.

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Elektronische Lebensaspekte.