Nach den Tierrobotern für den Haushalt kommt jetzt der menschliche Astronautenroboter für die Empfangstreppe. Oberkörper gerade, Knie nach vorn, und schon schreitet einem Hondas "Asimo" zum Gruß entgegen.
Text: A. Kreissl, D. Kerber, M. Hauer aus De:Bug 55

Es kann laufen!
Asimo

“AAAAshiiiiimoooooo”, bewunderndes A, hohes, lautes, zischendes shi, abgerundet von einem tiefen, stimmhaften mo. Ein Name, bis in den letzten Winkel Japans bekannt, der ein verzücktes Lächeln auf alle Gesichter zaubert, und die Abkürzung für “Advanced Step in Innovative Mobility”. Ein Superstar mit hochdotierten Werbeverträgen, mit einem Tagessatz von 16.000 Dollar und engem Terminplan. Ein Roboter im Kosmonautenanzug mit menschlichen Zügen. Er begrüßt vor einem Kaufhaus Kunden, läßt sich bei Fototerminen fotografieren und ist Hauptgast in vielen Fersehshows. Deshalb konnte “Honda”, die ihn entwickelt haben, es sich auch leisten, aus den vierzig Bewerbern, die Interesse an Asimo bekundeten, die drei wichtigsten mit einem Jahresabo für 166.000 Dollar auszuwählen. Unter ihnen “IBM”, die ihn als Empfangsdame in ihrer japanischen Zentrale sitzen bzw. stehen haben.
Nicht auf der Leinwand, wie “C3PO”, dem “Star Wars” Charakter, sondern im selben Realitätslevel steht uns eine Maschine gegenüber, die uns ähnlich sieht und uns imitiert, zwei animierte Beine, zwei Arme, Kopf und Rumpf, mehr braucht es nicht, eine Lawine an Sympathie und Mitgefühl auszulösen. Das “Honda” es geschafft hat, “Asimo” von einem Riesenrucksack tragenden 2 Meter-Giganten, der ersten Version “P3” auf niedliche 1.20 m zu schrumpfen, brachte den emotionalen Durchbruch. Begonnen hatte die Automarke “Honda” bereits 1986 mit der Forschung, und 1996 folgte dann mit “P2” der erste Prototyp, der im folgenden Jahr gleich von “P3” abgelöst wurde.
Höhepunkt seiner neuen Show ist die Treppennummer. Treppen sind in Japan Hauptbestandteil der Infrastruktur, Rolltreppen sucht man oft vergebens, könnte unser Asimo also keine Treppen benutzen, wäre er völlig alltagsungeeignet und da wünschen wir ihn ja hin, möglichst bald. Er kann, und wie, dank seiner neuen “i-Walk” Technologie. Ein kurzes Zögern am Absatz, dann zügig nach unten, die Schultern bleiben parallel zur Treppe, der Abstieg wird aus der Hüfte und den Knien heraus geleistet. Kein Wunder, die allerersten Prototypen bestanden ja auch nur aus zwei Beinchen mit einem Riesenkasten drauf. Der Oberkörper kam erst viel später und spielt für alle Laufbewegungen keine Rolle, er bewegt sich auch noch nicht auf und ab.Versuchen wir es, Blick geradeaus, Ärmchen hängen nach unten, Knie leicht nach vorne, dann Schultern und Hüfte auf einer geraden Linie durch den Raum projiziert und los geht’s in kleinen Schrittchen. Vorwärts, Rückwärts, Vorwärts, dann: gleichzeitig den Kopf drehen, langsam einen Arm heben, winken, auch mit beiden Armen, Kopf drehen, dabei eine Kurve laufen, Arme senken und energisch wie ein Wanderer vor und zurückbewegen, dabei immer im gleichen Tempo leicht schwankend laufen, denn der Schwerpunkt muss ja immer über dem Standbein sein, aber immer soft und smooth, wie auf Wolken, mit viel Eleganz. Wir sind Asimo, Asimo ist wir. Wir sind ein Ding, Asimo ist jemand. Jemand Sympathisch-Sinnloses mit dem ultra-groovigen Gang.
Verkaufen will Honda den “Asimo” erst, wenn er seinen Besitzer verstehen und somit auch so praktische Dinge wie den Tisch decken, Getränke kaufen oder Platten auflegen kann. Vorläufig muss man sich also mit Hunden wie “Aibo” und Katzen wie “Necor” vergnügen.

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Elektronische Lebensaspekte.