Dem Düsseldorfer Projekt "A Certain Frank" macht es "Nichts" aus, sich Popmusik anzunähern, ohne auf die soulig-jazzigen Aspekte des Elektronischen zu verzichten. Kerstin Schäfer über das zwanglose Arbeitsprinzip der Sound-Vorkämpfer Frank Fenstermacher und Kurt Dahlke.
Text: kerstin schäfer | kerstin@debug-digital.de aus De:Bug 49

Ein Groove aus Nichts

A Certain Frank

Die deutschen Elektronik-Avantgardisten Kurt “Pyrolator” Dahlke und Frank Fenstermacher halten nichts von langen Winterschlafperioden. Im Gegenteil. Seit über zwanzig Jahren wird sehr wach mit ihrem Düsseldorfer Traditionslabel “Ata Tak” das Ohr abseits der genormten Klänge gefüttert. So ist ihr Weg, ausgehend von den Veröffentlichungen von Pyrolator, Der Plan und bis zuletzt auch “A Certain Frank”, immer einen Schritt davon entfernt, sich im sicheren Boot des Populismus niederzulassen, dabei zu gähnen und die Augen und Ohren der Welt gegenüber zu verschließen. Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher feilen einfach, im Gegensatz zu den Düsseldorfer Heroen Kraftwerk, immer noch stetig an ihrer Vision von “Elektronischer Musik aus Deutschland”. Dabei nach außen eher ruhig. Nach Aufmerksamkeit wird nicht zwingend geheischt. Es bleibt zudem nichts still stehen, und so gehen auch Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher letztendlich nur mit dem Schritt der Zeit. Mit ihrem gemeinsamen Projekt “A Certain Frank” und dem zuletzt erschienenen Album “Nothing” nähern sich die beiden jetzt angenehm charmant und frei dem Thema Popmusik, das ja schon immer bei nahezu allen Veröffentlichungen den kleinen roten Faden bildet. Und Popmusik muss eben nicht immer versuchen die Gunst der Massen zu gewinnen.

Ata Tak betreibt natürlich auch gerade Traditionspflege in eigener Sache. Mit den Wiederveröffentlichungen von “Der Plan” wird im gleichen Maße das musikalische Erbe von Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher verwaltet. Auch an fast allen anderen Veröffentlichungen auf Ata Tak ist man selbst beteiligt, was bedeutet, dass man auch stark Anteil nimmt. Die Bezüge zur Vergangenheit werden so zwar immer noch ausgelebt, die Prioritäten verschieben sich allerdings schon seit einer Weile. Denn, zwanzig Jahre sind dann doch irgendwie eine lange Zeit. Und mit A Certain Frank wird die konsequente Arbeit an Sounds, die eben auch Spaß machen, versinnbildlicht. “Nothing” bewegt sich irgendwie auch schwimmend zwischen Elektronik, Jazz als Produktionsprinzip und natürlich Soul. Aber alles so frei zusammengemischt, dass zuletzt nur der Groove zählt. Frank Fenstermacher empfindet diese Suche nach dem Groove als etwas eher Undeutsches. So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn A Certain Frank außerhalb der deutschen Lande wesentlich bekannter sind. Ein kleines Karibikflair macht sich zudem noch breit, wenn man “Nothing” hört. Das dann aber so voller Seele, daß Pop als Wort eigentlich viel zu künstlich und aufgeblasen erscheint. Das Thema des Albums ist dennoch das Wort “Nichts”. Und das kann hier mal ganz locker als These über Popmusik im Ganzen verstanden werden. Nichts meint aber nicht nur die (Inhalts-)Leere, sondern auch den kreativen Prozess, der aus diesem schwarzen Loch entstehen kann. Das haben sich A Certain Frank faktisch auf das Banner geschrieben. Das alltägliche Musikmachen von Frank Fenstermacher plus die aufwendigeren Produktionen von Kurt Dahlke bilden den Kern von A Certain Frank. Elektronische Musik wird von beiden auch als leichtes Umsetzungsmittel für die eigene Kreativität verstanden, von Wissenschaftszwang keine Spur. So folgen A Certain Frank auch bei ihren Liveacts dem Prinzip des Zwanglosen. Und wer die beiden Initiatoren noch nicht kennt, der sollte spätestens jetzt damit anfangen.

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Elektronische Lebensaspekte.