Das Duo hat sich 1999 auf einer Plattenbörse in Augsburg kennen gelernt und nutzen, auf Grund der räumlichen Distanz zwischen ihnen, das Internet zur Produktion. Nun ist ihr Album "Surface To Surface" auf Kompakt erschienen.
Text: Marco Metternich aus De:Bug 136

Audision

Augsburg, 1999: Auf einer Plattenbörse begegnen sich Tobias Schmid und Niko Tzoukmanis zum ersten Mal. Der eine versucht, für eine Boytronic-Platte einen besseren Preis zu bekommen, der andere springt in die Bresche. Zwar konnten sie die überzogenen Forderungen des Verkäufers nicht durchbrechen, aber immerhin hatten sich zwei Freunde elektronischer Musik gefunden. Die Schnittstellen waren schnell klar: Beide begeisterten sich für den Detroit Techno und fanden mit Robert Hood, dem Wegbereiter des Minimal-Techno, schnell ihren gemeinsamen Nenner.

Das Duo war und ist sich einig über die Wirkung und Kraft elektronischer Klänge. ”Audision ist eine Herzenssache. Dabei ist es egal, ob die Musik allein am Rechner oder ausschließlich in einer Hardware-Umgebung entsteht. Wichtig ist uns vor allem, dass wir den Sound immer so verändern können, dass er in unsere Vorstellungen passt und unsere Auffassung von Musik widerspiegelt.“ Damit entmystifizieren Audision für sich die ewige Diskussion um Echtheit und Wahrheit von Soft- und Hardware-Elementen. ”Anders wäre eine Zusammenarbeit auch gar nicht möglich“, so der promovierte Mathematiker Niko Tzoukmanis, “da wir in verschiedenen Städten leben.

In Frankfurt am Main und in Hamburg.“ Im musikalischen Leben von Audision herrscht Demokratie. Studioalltag im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Die Möglichkeiten des Netzes stehen für die beiden Produzenten auch nicht zur Debatte, da sie ein vis-a-vis und räumliche Nähe zum Produzieren benötigen. Der Standort ist variabel. ”Unsere Stücke entstehen in Sessions, entweder in Frankfurt oder in Hamburg. Wir sind da flexibel. Drei Tracks der Platte sind in fünf Tagen entstanden. Manchmal fangen wir an und denken: Heute lassen wir mal die Maschine entscheiden!“ Das hört man den Stücken auf dem Debütalbum “Surface To Surface” deutlich an.

Audision bewegen ihre Sounds, lassen sie rollen und wirken. Ausschlaggebend für die Entfaltung sind nur dezente Richtungsanweisungen. Auf diesem Weg erwecken sie ihre Tracks zum Leben. Keine Bassdrum-Ungeheuer, keine losgelösten Sampleschlachten, schon gar kein Funktionstechno. Die Quintessenz des Albums besteht aus einer ausgefeilten Flächenarbeit à la Claude Young oder Kevin Saunderson, gepaart mit Elementen des aktuellen Minimal-Techno, filigran angerichtet, sauber eingearbeitet und auf den Punkt arrangiert. Stetigkeit, Abwechslung und vor allem Deepness geben den Ton an. ”Man soll es durchhören können, einfach durchhören. Das ist das Konzept.“

Audision, Surface To Surface, ist auf &nd / Kompakt erschienen.

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Elektronische Lebensaspekte.