Keith Kenniff alias Helios lässt das Schrauben an Effekten sein und verbindet unter dem Pseudonym Goldmund rührend traurigen Piano-Minimalismus mit Geschichtsbewusstsein und einem Händchen für die subtilen Möglichkeiten schlechter Aufnahmetechniken.
Text: Hendrik Lakeberg aus De:Bug 91

Goldmund
Aussichtslose Hoffnung

Was hat dich persönlich angetrieben “Curduroy Road” zu machen?

Keith Kenniff:
Ich versuche in erster Linie einfach nur Musik zu machen und denke erst später darüber nach, was das dann bedeutet. Oft entstehen beim Schreiben von Musik Dinge, denen ich anders gar nicht begegnet wäre. “Corduroy Road” war vielleicht mein Weg ein Tagebuch zu schreiben, und weil ich nicht wirklich gut mit Worten bin und viel mehr mit Musik sagen kann, habe ich eben diese Platte gemacht. Ich hätte eigentlich niemals gedacht, dass dabei ein ganzes Album entstehen würde.

Du hast den Bürgerkriegssong “Marching through Georgia” gecovert. Woher kommt deine Vorliebe für Traditionals?

KK:
Ich bin Geschichtsfan und wie so viele in den Staaten hat mich eine Dokumentation von Ken Burns in die Bürgerkriegszeit versetzt. Als ich mich näher mit der damaligen Musik beschäftigt habe, fing ich an, die einfachen und vorhersehbaren Strukturen der Musik zu mögen und auch die intensive Verzweiflung und die irgendwie aussichtslose Hoffnung, die in vielen der Stücke steckt.

Was diesen leicht nostalgischen Grundton der Platte verstärkt oder sie so ein wenig traummäßig verschleiert wirken lässt, ist die rohe Aufnahmequalität …

KK:
Die Aufnahme ist roh, aber genau so klang das auch in der Aufnahmesituation. Ich mag diesen Sound. Besonders bei Solo-Instrumenten. Es gibt so viele Tricks, um Aufnahmen gut klingen zu lassen, Fehler zu korrigieren und Kleinigkeiten mit minimalem Aufwand zu verändern. Ich wollte die Fehler aber so stehen lassen. Eine Aufnahme ist auch immer ein Dokument, vielleicht eben so was wie ein Tagebuch.

Dieses Rohe hat einen sehr persönlichen Aspekt. Man hat fast das Gefühl, man würde neben dir sitzen, während du spielst. War das so intendiert?

KK:
Also grundsätzlich bevorzuge ich wie gesagt rohe Aufnahmen, aber saubere können in einem bestimmten Kontext auch gut sein. Einige meiner Lieblingsaufnahmen kommen aus den vierziger und fünfziger Jahren, Patsy Cline, Nat King Cole, all die Blue-Note-Alben. Bei denen waren natürlich immer die enormen Fähigkeiten der Musiker ausschlaggebend, aber was man auf den Platten hört, ist fast das Gleiche wie im Moment der Aufnahme, so als ob man anwesend ist.

Kannst du eigentlich richtig Klavierspielen?

KK:
Ich habe ein wenig Klavierunterricht genommen, aber technisch gesehen bin ich eher schlecht.

Du machst ja auch elektronische Musik als Helios. Erforderte es nicht eine Menge Disziplin, auf die ganzen technischen Möglichkeiten zu verzichten?

KK:
Ja, das war eine richtige Herausforderung. Natürlich wollte ich Spuren hinzufügen und ein wenig Hall auf die Aufnahme legen, den Sound polieren … fast zwanghaft. Mir ist das irgendwann bewusst geworden und ich habe mich dagegengestemmt. Natürlich habe ich im Nachhinein dann noch Sachen ergänzt, aber nur dann, wenn das Stück das wirklich brauchte. Ich denke, die besten Komponisten und Musiker sind meistens die, die wissen, was man weglassen sollte.

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Elektronische Lebensaspekte.