Das Düsseldorfer Label Background Records sammelt unter Andy Vaz' Ägide die unterschiedlichen Stimmen des internationalen Minimalismus und gibt ihnen einen unverwechselbaren Corporate Identity-Klang. Terrence Dixon, Jeff Milligan, Rhythm Maker und der Sound of Background.
Text: kerstin schäfer | kerstin@debug-digital.de aus De:Bug 53

Minimalismus in D
Background Records

Braucht Techno Statute? Unter dieser Fragestellung hat sich der Fokus von elektronischer Musik nicht nur von UR bis Force Inc. vom rein Musikalischen zum ebenfalls Konzeptuellen verlagert. Um ein eigenes, haarscharfes Profil zu entwickeln, gehört somit auch die Ausdifferenzierung und in Vordergrundstellung des persönlichen Anspruches dazu. Das Düsseldorfer Label Background Records hebt in diesem Kontext mit seinen Veröffentlichungen den technoiden Minimalimus auf die Stufe eines Manifests; Parallelen zu anderen deutschen Techno-Labeln nahezu ausgeschlossen. Die starke Vision von Labelinitiator Andy Vaz wird seit 1997 von zahlreichen Artists wie Rhythm Maker, Submania, Terrence Dixon, Akufen oder Jeff Milligan geteilt – Background Records dokumentiert deren Ansätze und fasst sie dabei unter dem Anspruch an Internationalität zusammen, ohne dabei den roten Faden des Minimalen zu verlieren. Für Deutschland einmalig im Klang, und das nicht nur durch die präzise Definition der eigenen Ideen im Zusammenhang von minimal und Techno, führt Background Rec. den Hörer zu einer Welt, die Zukünftiges erahnen will und doch die Ursprünge von Techno nicht leugnen möchte und kann. Andy Vaz konkretisiert im Folgenden seine Sicht und hat dabei einige Überraschungen parat.

De:Bug: Wie wichtig ist dir der Bezug zur Geschichte des Minimalen in Techno, um die Sprache deines eigenen Labels ausdifferenzieren zu können?

Andy Vaz: Ich komme eigentlich vom frühen Hip Hop und habe mit 13 Jahren auch meine ersten Platten gekauft. Im selben Jahr passierte es dann während eines New York Urlaubes mit meinen Eltern: Ich fand die Boogie Down Productions “By all means Necessary”, die bis dato – und vielleicht sogar bis heute – die wichtigste Platte ever für mich war. Was ich intensiv in meiner Jugend hörte, sind heute Classics: Grandmaster Flash, Whodini, Eric B. & Rakim, Doug E. Fresh. Die Parallelen zu dem heutigen Sound von Background und dem Thema “Minimal Music” liegen für mich auf der Hand. Früher HipHop bedeutet vor allem minimale Beats & Samples und repetitive Raps, die in ihrer Wirkung roh und monoton rüberkommen, wie ja Minimal Techno oder Techno im allgemeinen später eben auch. Meine musikalischen Präferenzen haben sich so nicht grundlegend verändert, sich aber stets in Verhältnis zu den musikalischen Zeitströmen gesetzt. So war der Übergang von black Hip Hop zu Detroit Techno für mich nur ein kleiner Schritt. Innerhalb von Techno, also damals Detroit, haben mich schon eher die monotoneren Sachen gepackt. Dann kamen Leute wie Terrence Dixon mit seiner Platte “Minimalism” (Untensil 005) und Rob Hoods “Minimal Nation” und Platten von Sähkö (wie Röntgen und Kvanti) und alles war klar. Techno und Minimalismus gingen noch stärker als bisher gewohnt eine feste Allianz ein. Daher habe ich Minimalismus im Techno niemals als ein Genre oder eine spezifische Spielart empfunden, sondern eher als Grundvoraussetzung für elektronische Tanzmusik im Ganzen interpretiert, die ich bis heute einfach als gesetzmäßig betrachte.

De:Bug: Wo knüpfst du da an und wo distanzierst du dich und Background musikalisch? Ist minimale Musik immer gleich Techno nach deiner Vorstellung?

A. V.: Ich würde Minimal und Techno nicht trennen wollen, was im Umkehrschluss natürlich nicht bedeutet, dass elektronische Musik, die nicht minimal ist, nicht gut sein kann, oder jede Form von minimaler Musik automatisch durch das Attribut ‘minimal’ immer gut sein muss. Man kann für Musik keine mathematischen Regeln aufstellen, nach denen man schematisiert. Es gibt gerade heute so viel gute und interessante elektronische Musik. Minimal Techno ist nur eine Sparte innerhalb dieses Spektrums. Mich interessiert aber genau das. Und für Background gilt das Ziel, die unterschiedlichen Strömungen und ihre jeweils unterschiedlichen Interpretationen je nach Herkunft, Zeit und Sozialisation der Künstler aufzufangen und anhand meiner Labeltätigkeit zu dokumentieren. Dass es dabei vordergründig verstärkt um Minimalismus geht, liegt angesichts der bisherigen Veröffentlichungspolitik auf der Hand, ist aber wie z.B. bei der Futuristic Experiments-12″-Serie nicht ausschließlich alles, wofür Background steht. Background versucht einen ernsthaften Minimalismus mit Dancefloorkompatibilität auf einen Nenner zu bringen und will sowohl erwachsen und left-of-center sein als auch Spaß und ein Gefühl von Funkyness, die dabei sehr wichtig sind, stets im Auge behalten wie z.B bei Akufens Dada EP. Nach 2001, als auf Background viele unterschiedliche, extrem radikale minimale Ansätze verfolgt wurden (Jeff Milligan, Deadbeat, Rhythm Maker etc), theoretische Dancefloortracks mit IQ-Images spielten (Kit Clayton, Sutekh, Gramm) und mit Platten wie mit Terrence Dixons “Minimalism II” (Background 011 / Neuton) sehr viel in Punkto “downstrippen” gesagt werden konnte, werde ich mich 2002 eher, aber auch wieder nicht ausschließlich, einem Minimalismus, der funky oder wahlweise auch humorhaft ist, widmen.

De:Bug: Dein Label hat einen für Deutschland sehr einmaligen Klang. Wie fühlst du dich in dieser Position?

A.V.: Ich sehe Background ganz klar als globales Label. Es geht mir um einen globalen Sound, insbesondere um die jeweilige Deutung bzw. Auslegung einer bestimmten musikalischen Ästhetik, die je nach Blickwinkel ganz individuell im Detail verarbeitet wird. Terrence Dixons Detroit Minimalismus ist ein anderer als der von Sutekh oder Kit Clayton, und auch zwischen Submania und Rhythm Maker liegen Welten – und doch geht das alles aus meiner Sicht sehr gut zusammen. Letztlich geht es immer um eine Ästhetik, um das Detail – im Sinne eines Soundgefühls, was alle über Landesgrenzen und Herkunft hinaus weitestgehend miteinander vereint. Am Ende entsteht der “Sound of Background”, der durch jede einzelne Veröffentlichung ergänzt wird und der innerhalb einer gezielten Ausarbeitung von Kleinigkeiten stets wächst und sich weiter verschiebt.

De:Bug: Wie unterscheiden sich deine Produktionen auf [–] vom Konzeptionellen her von Background?

A. V.: Auch wenn bei der [–] Serie mein Hang zum Minimalismus durchkommt und auch das Design konzeptionell keinen Labelnamen und auch sonst, außer meinem Namen, keine weiteren Informationen zulässt, so soll es eine musikalisch offene Plattform für unterschiedliche Musik und Stimmungen bilden, die sehr persönlich sind und die sich in Zukunft auch außerhalb einer Minimal Techno Ästhetik bewegen soll. Die erste [–] Veröffentlichung (Andy Vaz / Sounds_Variation 1-1) basiert auf dem Konzept eines festen Pools von Sounds, wobei aus den gleichen Sounds mittels Toneshifting, Verschiebung und Effekten drei jeweils unterschiedliche Ergebnisse konstruiert werden. Das bedeutet konkret zwar erst einmal auch Minimalismus. Aber auch das “Spielen” mit dem Minimalismus und seiner geistigen Kopflastigkeit.

Andy Vazs Alltime Favourites:

Boogie Down Productions – By all means Necessary (Criminal Minded) / Doug E. Fresh – the Greatest Entertainer / Juan Atkins – NO U.F.O (Metroplex) / Terrence Dixon – Minimalism (Utensil 05), Two sides to Everystory (Metroplex) / Robert Hood – Minimal Nation / Röntgen, Kvanti (SÄKHÖ) / DBX- alles auf Accellerate / Larry Heard – The Walls (Trax) / Rhythim is Rhythim – kao-tic harmony (transmat) / Mike Inc. (Studio 1 )

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.