Headbanger haben immer noch schwer trotz Gel-Style Elektroclash Frisurentrash als Hip durchzugehen. Vielleicht kann ihnen das MAX/MSP Headbang-to-Music System der Aachener Uni dabei helfen ihre Karmapunkte aufzubessern.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 94

BANGARAMA – Genugtuung für Headbanger

Stumpfe Fans dreckiger Rockmusik haben irgendwann gemerkt, dass ein Lebensstil mit zwei Gesten nicht wirklich befriedigend ist: Zum Eierkratzen und Bierreinschütten kamen deshalb die inzwischen klassischen Kulturtechniken Luftgitarrespielen und Headbangen. Aber während die Luftgitarre in den letzten Jahren durch zahlreiche Festivals und eigene Weltmeisterschaften zu neuen Ehren kam, leidet das Headbangen immer noch an seinem notorisch schlechten Ruf und Headbanger gelten als besonders beknackte Plastikbecher, die wegen ihrer legendären Kurzatmigkeit nicht mal in Nachmittags-Talkshows eingeladen werden. Unter modernen Jugendforschern steht das Headbanger-Problem sogar für das Henne-Ei-Paradox der eigenen Disziplin: Zieht das Headbanging unweigerlich die jeweils dämlichsten eines Jahrgangs unwillkürlich an? Oder werden durchschnittlich begabte Jugendliche durch das permanente Blutgeschlacker im Kopf und den chronischen Nackenmuskelkater mieselsüchtig und dumm? Es dürfte kein Zufall sein, dass zwei Studenten aus Aachen jetzt das Headbanger-Image völlig umkrempeln wollen: In der Stadt gelten die “Feucht-fröhliche Kinderdisco in der Südhalle” und “Riesiger Stein aus römischer Zeit gefunden” als Breaking News und für TU-Studenten ist das Nagen am Selbstwert ein natürlicher Zustand. Die Lösung für diese unerfreuliche Melange soll jetzt “Bangarama” bringen: Ein Helm mit Sensoren soll die Bewegungen des Bangers registrieren, in Musik umsetzen und so auf die gleiche superkreative Stufe wie den arroganten Luftgitarristen nebenan heben. “Bangarama” ist allerdings noch im Entwicklungsstadium und die Jungs aus Aachen basteln noch mächtig an Funktionen wie einer größeren Sampleauswahl durch die Messung der Querschüttler oder einen Gitarrenfake mit drei Knöpfen. Unklar ist derzeit zwar auch noch, ob “der Bangarama”-Helm eine Langhaarperücke für den authentischen Klassik-Look erhalten soll und wo zur Hölle ein bestimmter Beschleunigungsmesser herzukriegen ist. Klar ist dagegen, dass dem Headbanging eine neue Blütezeit bevorsteht. Nach den post-popkulturellen Aufmotzaktionen für Luftgitarre und Headbanging bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die klassischen Werte stumpfer Fans dreckiger Rockmusik nicht endgültig in Vergessenheit geraten: Also Eierkratzen und Bierreinschütten nicht vergessen!

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Elektronische Lebensaspekte.