Text: Sascha Kösch aus De:Bug 10

BARNEY DER LILA SAURIER Poltergeist in Plüsch Sascha Kösch bleed@de-bug.de Bislang war der Bildschirm eine Grenze, mit der man nicht nur gut leben konnte, sondern über die sich in Horrorfilmen gut spekulieren ließ. Man hatte sich fein arrangiert. Die Mythen waren schachmatt. Der Okkultismus hatte nur noch eine Chance, zum Serial zu werden. Die Realität hier, der immer eher undefinierte Rest dort. Dazwischen waren die Interfaces. Jetzt dürfte es langsam Zeit werden, sich selber ab und an über den Rücken zu schauen, wenn man fernsieht oder an seinem Computer sitzt. Und das wegen Verona Feldbusch? Nein, das andere Übel. Bill Gates, diesmal in der Form von Microsofts Actimatesª. Actimates, derPlüschdino, das Bill Gates Look-Alike und das selbstgestricktem Quotenmädchen sitzen in den Kinderzimmern und warten auf unter das Fernsehsignal geschmuggelte Information während der gleichnamigen Fernsehsehrie “Barney” (von der wir hier in Europa glücklicherweise noch verschont worden sind, denn selbst mit Tiffy ist die Sesamstrasse wohl noch, wie man an der großen Barney Jihad im Netz feststellen kann, das coolere Erziehungsprogramm). Die Signale sind in den Bilddaten der Sendung versteckt, ob Aufzeichnung, Video oder nicht. Die Sensoren in den tiefblauen Augen der Plüschpuppe Barney. Da fragt man sich doch: Was war da eigentlich bislang auf dem Bildschirm an Information, die man nicht sehen konnte, wenn jetzt plötzlich ohne Kabel und alles ein kleiner Plüschdinosaurier durchs Kinderzimmer marschieren kann und Fernsehsendungen mit einem Wortschatz von 2000 Wörtern kommentiert. Bzw. seinen Dinokollegen im Fernsehn kräftigst unterstützt und die Pointen pointierter macht. Mit CD ROMs kann es natürlich auch kommunizieren, und wie lange es dauern wird, bis Barney, der Kumpel neben dir, besser weiß wie dein TCP/IP funktioniert als du, ist wohl eher eine Fangfrage. Wenn es dunkel wird jedenfalls, regt sich ab jetzt das Endoskelett hinter dem lila waschfesten Überzug, der Controller im Dino erwacht, er bewegt sich, singt seine 17 Songs, erklärt dem Kind (oder uns, denn wer sagt uns, daß man Barneys Software nicht bald in todechten Feldbuschreplikas benutzt) was es tun soll, spielt verstecken und kommuniziert womöglich andere Daten irgendwohin. Für Überwachungs-, Kontrollstaat- und andere Paranoia- und Demokratiematerialistenfreaks ist Barney vermutlich das cyborgfleisch gewordene Böse. Für mich eine blendende Möglichkeit, endlich die Metaphern des Bildschirms, die längst zur Metapher des Schreibtischs, des Menschen und allem anderen geworden sind, zu vergessen. Euer Sascha.

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Elektronische Lebensaspekte.