Stefan Heidenreich über Piktorialisten
Text: Stefan Heidenreich aus De:Bug 109


Claude Monet. Foto: Baron Adolphe de Meyer, 1921, reprint Vanity Fair Dec 2006

Baron Meyer ist ein Schüler Monets. Auf eine Art jedenfalls, nämlich als Anhänger der Piktorialisten, die das malerische Moment der frühen Avantgarde fotografisch umsetzen wollten.

Als er Monet 1921 ablichtet, sind seit den großen Tagen des Impressionismus vier Jahrzehnte vergangen. Monet hat sich in seinen Garten zurückgezogen. Er sieht zusehends schlechter, arbeitet an großformatigen Gemälden seiner Seerosen, die derart verschwommen geraten, dass sie schon einen weiteren Zeitsprung zum Ende der Avantgarde in der Abstraktion vorbereiten. Bis es so weit ist, würden beinahe weitere vierzig Jahre vergehen.

Monet ist eine amerikanische Erfindung. Deshalb in der Vanity Fair gut aufgehoben. Ohne die amerikanischen Sammler, die sein Galerist im Londoner Exil – er war mit vielen seiner Maler vor den einrückenden Deutschen 1870 geflohen – kennen gelernt hatte, hätte die Salonmalerei womöglich überdauert. Keine Moderne. Oder zumindest eine ganz andere. Eine fiktive Geschichte à la Philip K Dick “The man in the high castle“. Und ein anderes Porträt eines anderen Malers in einem anderen Stil.

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