Zwischen Philly-Soul, Folk- und Sunshine-Pop
Text: Markus Schwerin aus De:Bug 128


Bei der letzten Kings-Of-Convenience-Tour stahl der Kalifornier den norwegischen Gastgebern fast die Show, mit den Electro-Funkern Honeycut punktete er beim HipHop-Label Quannum Projects und lieferte die Musik zum jüngsten iMac-Werbespot. Auf seiner vierten Soloplatte ”Palaces“ zieht das inkarnierte (Soft-)Rocklexikon nun wieder alle Register zwischen Philly-Soul, Folk- und Sunshine-Pop.

”I’ve got no money / But the juke box in my head“ tröstete sich Bart Davenport 2005 im Ausklangslied seines dritten Albums ”Maroon Cocoon“. Inzwischen hat ihm der Tantiemenregen, welcher ihn dank des besagten iMacs-Stücks ”Exodus Honey“ vom Honeycut-Debüt (”The Day I Turned To Glass“; 2006) erreichte, bei der Instrumentierung seiner aktuellen Platte mehr Handlungsspielraum gegeben.

Wobei einige (der noch nicht allzu zahlreichen) Kenner des Davenport-Œuvres gerade in der Reduktion des Vorgängers die Faszination seiner emphatischen Bühnenpersönlichkeit am treffendsten widergespiegelt sehen: Nur wenigen angloamerikanischen Musikern glückt es so überzeugend, die mit Nylonsaiten bespannte Akustikgitarre gleichsam druckvoll und brasilianisch-elegant zu spielen wie jenem Mann mit dem McCartney-Timbre, dessen Ballade ”Clara“ zu den schönsten Caetano-Veloso-Hommagen zählt.

Zugleich boten die ”Maroon Cocoon“-Stücke, die mit manuell eingespielten Drumcomputer-Beats und schelmischen Synthie-Soli versehen waren, bereits einen Ausblick auf die Arbeit mit Honeycut, deren Gnarls-Barkley-artige Genialitäten es sonderbarerweise noch nicht über den Teich geschafft haben. Die Honeycut-Kollegen Tony Sevener und RV Salters sind nun auch auf ”Palaces“ zu hören, hier jedoch am traditionellen Drumkit bzw. klassischen Klavier. Denn allen Klängen, die auf eine Zeit nach, sagen wir, 1973 schließen ließen, gewährte Davenport diesmal – sozusagen aus Wärmeschutzgründen – keinen Einlass. Vielmehr gönnte er sich den Luxus, ausschließlich auf analogem Equipment aufzunehmen, wohlwissend, dass dies anno 2008 ähnlich waghalsig ist, ”wie mit einem kostbaren Oldtimer über jede rote Ampel zu fahren“.

Nun hat der Enddreißiger aus San Francisco bereits auf seinen ersten zwei Solowerken bewiesen, wie sehr er die Gesangsharmonien und Arrangements des klassischen Westcoast-Sounds verinnerlicht hat. Auf ”Palaces“ tritt jetzt zudem noch eine Passion für Soft-Soul-Combos wie Gladys Knight & The Pips oder The Stylistics zutage, deren glockenspielverzierter Wohlfühl-Sound seinerzeit oft als Zugeständnis an das weiße Publikum empfunden wurde.

Doch spätestens wenn im Video zu ”A Young One“ drei bleiche College Girls solche Entertainer (und Gay-Koryphäen) ungelenk nachahmen und die Lippen zu den Männerchören bewegen, dürfte jedem aufgehen, dass Davenport trotz aller Liebe zu den Originalen weit davon entfernt ist, mit kunstgewerblichen Retro-Soulern an einem Strang zu ziehen. Und wer genau zuhört, wird zudem erkennen, dass es in besagtem Slow-Tempo-Ohrwurm mitnichten um die Glorifzierung generationsübergreifender Liebschaften geht, sondern vielmehr um deren kurze Lebensdauer:

”A young one like you/cuts right through/ A young one like you / so unlikely (…) to stay beside me“. Dass sich dieses Stück nebst den übrigen elf Ausflügen in die Gefilde des Piano-Boogies (”Strangelife“), Barock-Pops (”Yoshi“) und der Balladenkunst eines Al Green (“Freeway Flowers“) bei Freunden der Rubies (Bart widmete Rubie-Hälfte Terri Loewenthal bereits einen Song …) und anderen Gralshütern des Softrock zum Dauerbrenner entwickelt, ist dagegen umso wahrscheinlicher.

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Elektronische Lebensaspekte.