Es gibt Dinge und elektronische Lebensaspekte, ohne die unsere De:Bug-Welt nicht funktionieren würde. Jeden Monat gibt es ein neues Basic mit seinen Facetten und Aspekten. Diesmal: die Nebelmaschine, der Dunstproduzent, der den Stroboskop-Rave erst ermöglicht hat.
Text: Ji-Hun Kim aus De:Bug 134

Eine Nebelmaschine stellt künstlichen Nebel her, indem sie Nebelfluid verdampft. Daher lautet der vollständige Name Verdampfer-Nebelmaschine.

Ein süßlich zellophaner Geruch macht sich breit. Staubtrocken, vermischt mit Nikotinrauch, zuckend, klaustrophobisch, lungenverengend, zerstreuend. Licht-Spaghetti schießen durch den Raum zwischen Stroboskop-Gewittern. Nebel gibt der schnellsten Substanz der Welt, dem Licht, die nötige Tiefe. Was würde der Club ohne die Nebelmaschine sein? Was wäre die Heck‘sche Hitparade ohne Aerosol-Teppich gewesen, wo die Gildos, Kaisers und Blacks der Schlagerwelt ihre Schlaghosenfalten mit Hackentrick in den Dunst des Trockeneis kickten? Die Nebelmaschine ist die Möglichkeit der Erweiterung von Zeit und Raum in isolierten Event-Orten.

Nicht nur dass Licht förmlich fassbar wird, auch basiert ein Großteil der Veranstaltungstechnik auf dem Phänomen des Hydrometeoren, was in der Meteorologie all das bezeichnet, was für alle Formen kondensierten Wassers, die in der Atmosphäre beobachtet werden, also alle flüssigen und gefrorenen Teilchen aus Wasser steht. Der Nebel ist ein romantisches Abziehbild: “Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag; Vergolden, ja vergolden!”, schrieb bereits Theodor Storm in seinem Oktoberlied.

Den Nebel verbindet man mit Wagnerianischen Szenarien, der oftmals in Hollywoodstreifen zerstörten Golden Gate Bridge in San Francisco, Impressionismus, aber auch der Schlechtgeburt der Industrialisierung, dem Smog. Vor exakt 30 Jahren kam das Kofferwort aus Smoke und Fog zum ersten Mal in Deutschland auf, passend, dass das im Ruhrgebiet war, der nationalen Kohlegrube, der letzten Loveparade-Ortschaft, der Zelle der Mayday, dem letzten Relikt der 90er-Großravekultur.

In den 80ern wurde Smog ein Massenphänomen, Metropolen verhüllten sich hinter Atemmasken, New Wave wurde das nebulöse Dystopie-Bild einer No-Future-Generation. Seitdem gibt es auch den kalifornischen Sommer-Smog, eine riesige permanente Dunstglocke über L.A. und Umfeld. Sterne gibt es dort nicht zu sehen und bereits Steven Spielberg hat bald erkannt, dass der beste Sternenhimmel in Hollywood dann auf Zelluloid zu bannen ist, wenn man das städtische Lichtermeer der Stadt einfach umdreht. Wer hätte dabei gedacht, dass der nebelreichste Ort der Welt Namib an der Westküste Afrikas ist. Ganze 200 Tage im Jahr ist es zwischen Namibia und Angola in der Trockenwüste nebelig, also sehr weit weg von Wald und Wiesen, Bergen und Tälern.

Lange Zeit wurden Nebelmaschinen von den 30ern aus mit Paraffinen und anderen verdampfenden Ölen betrieben. Die leichte Brennbarkeit machte das jedoch feuerschutztechnisch und gesundheitlich äußerst riskant. Auch ist in der Vergangenheit der Trockeneisnebel aus dem Fokus gerückt. Für viele ist der noch immer das Nonplusultra der artifiziellen Nebelkultur. Schwer, brillant weiß und träge verdampfte das tiefgekühlte CO2 über den Bühnen der Welt, quasi das Vinyl der Nebelkonstrukte. Die Trockeneismaschinen erlebten ihre Blüte im Discoboom der 1970er, leider wurden diese in den 1990ern zunehmend seltener, als Transportfahrzeuge von Trockeneiskühlung auf Kompressorkühlung umgebaut wurden und das bis dahin preiswerte Trockeneis äußerst schwierig zu bekommen war.

Das Prinzip Nebelmaschine konnte indes aber auch Fortschritte verbuchen. 1973 war es, als in Deutschland Günther Schaidt die moderne Nebelmaschine erfand. Daraus entstand die Firma Safex, und noch immer werden ein Großteil der Nebelmaschinen nach jener Idee produziert, wo ein Gemisch aus bidestilliertem Wasser und Glykolen mithilfe einer Kolbenpumpe durch ein Ventil in ein rohrförmiges, auf ca. 300°C erhitztes Heizelement gejagt wird. Durch diese Idee konnte gar ein Technik-Oscar durch die norddeutsche Firma in Empfang genommen werden.

Als vor zehn Jahren das VJing in die Clubs kam, war der klassische Nebel natürlich ein bisschen hinderlich, der dicke Dampf wurde durch den dünnen Dunst der Hazer ersetzt. Diese arbeiten zwar ähnlich wie die klassischen Modelle, jedoch ist hier der Dunst eher auf Unsichtbarkeit ausgelegt, das Licht bleibt weiterhin von der Seite sichtbar, der Nebel selber tritt in den Hintergrund. Die neueste Errungenschaft sind jedoch die CO2-Cooling-Guns. Hier geht es gar nicht mehr um optische Effekte.

Zum Preis einer Abwrackprämie schießen diese kalte Luft in den Raum, so dass sich die Temperatur schlagartig senkt. Ähnlich effektiv wie Jalousien in der Panoramabar, Großraumclubs in Ibiza sind bereits üppig mit denen bestückt, die mögen es sich auch leisten können. In Zeiten der reanimierten Techno-Zeitmaschinen und Oldschool-Raves werden jedoch die Basics nie ganz in Vergessenheit geraten. Bassdrum, Stroboskop und Nebelmaschine. Mehr braucht es doch nicht, oder?

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Elektronische Lebensaspekte.

One Response

  1. Muss

    Kohlenstoffdioxid-Cooling? Ähm. Der Sauerstoffgehalt in Clubs ist sowieso schon nicht so prall…