Bassbin Records ist Label und Künstlerpool für Drum and Bass aus Irland. Smooth federn sie über das green, green Grass of Home und sorgen mit ihren Tracks dafür, dass der Weg nach London immer kürzer wird.
Text: sascha kösch aus De:Bug 46

drum and bass | dublin

Irland holt auf
Bassbin Records

Drum and Bass aus Dublin. Was soll das sein, werden sich die meisten fragen. Ebenso wie sich Amerikaner darüber wundern würden, dass es in Deutschland eine aktive Szene gibt, kennt man hier grade noch die eigene und natürlich England. Die Situation in Drum and Bass ist zwar immer mehr darauf eingeschwenkt, überall sehr aktive lokale Szenen zu bilden, die aber wiederum kennen sich untereinander kaum. Alle Wege gehen nach wie vor über London. Und Dublin ist eben nicht in England.
Erst bei ihrem dritten Release haben “Bassbin” es nach jahrelanger Arbeit an eigener Infrastruktur geschafft, dennoch einen Vertrieb zu bekommen. Sie bauen mitten im Oldschool-vs.-2Stepbasslines-Gewitter ganz relaxt auf Breaks und Melodien und zeigen eine überraschende Losgelöstheit von den gängigen Formeln, die leicht an einige smoothere Reinforced Platten erinnern können. Das hat ihnen gleich auch einen sehr guten Ruf und den Kontakt mit Reinforced eingebracht.
Rohan, der Hauptlabelmacher, war einer der ersten Iren überhaupt, die ein Drum and Bass Release veröffentlicht haben. Lustigerweise auf einer 4AD-Platte von “Ajax Disco Spanner”. Mit kommenden Releases auf Reinforced, der Mutter aller Breakbeat/Drumandbass/Jungle Label, und einem ständig wachsenden eigenen Rooster aus DJs, Producern und Vinyl gehört Bassbin mit Sicherheit zu einer der vielversprechendsten Neuentdeckungen der weltweiten Szene.

De:Bug: Wie fühlt man sich in Dublin als Drum and Bass Producer, wenn ganz England immer nur an London denkt und Irland für einen Teil des Empires hält?

Rohan: Da sich eigentlich bislang keine Musikszene von Dublin aus entwickelt hat, haben wir wohl die gleichen Vor- und Nachteile wie jeder andere. Bei Bassbin ging es zunächst darum, ein Outlet für Gigs von Naphta und mir zu haben. Wir hatten zwar eine Radioshow, aber bei den Promotern kamen wir als DJs einfach nicht durch. Also haben wir einen Clubabend gemacht, der jetzt zweiwöchentlich läuft und dazu führte, dass wir viele neue Drum and Bass DJs featuren könnten.

De:Bug: Wer ist involviert in Bassbin?

Rohan: Ich natürlich, Don Rosco, Nivard, Naphta, Droid und seit einiger Zeit auch Triple A übernehmen den Part des alltäglichen Labelbusiness. Wir haben mittlerweile einen ziemlich großen Pool von Acts, in dem alle sind, die am Label mitarbeiten. Leute wie Kenny und Keevo, Zero Tolerance, Elmo, Indica und Con. Bassbin war für die meisten dieser DJs ihr erster Gig in einem Club. Der einzige, der nicht vom Auflegen zum Produzieren gekommen ist in unserer Posse, ist Beta 2.

De:Bug: Wie hat sich Drum and Bass in Dublin entwickelt?

Rohan: Es explodierte in Dublin so um 1996. Alle Magazine haben Drum and Bass Coverstorys gemacht, und die Promoter zogen ab, was ging. Als der Hype vorbei war, gingen die Fashion Victims. Ich würde sagen, dass erst in den letzten zwei Jahren so etwas wie eine Szene entstehen und wachsen konnte. Damals waren wir Residents im Funnel. Und wenn man damals keinen Major UK Namen auf dem Flyer hatte, dann hatte man auch keine Gäste. Als wir ins Switch gezogen sind, hatten wir aber schon 14 lokale Residents. Und eineinhalb Jahre später ist der Club jedesmal voll und die Community wirklich gut. Es ist sehr vielversprechend und aufregend zur Zeit. Das dritte Release ist draußen und wir bekommen Feedback aus aller Welt. Es gibt mittlerweile für Zero Tolerance und Beta 2 auch ein starkes Interesse aus der UK Szene, das ihnen sogar schon ein kommendes Release auf Reinforced gebracht hat. Naphta arbeitet an Tracks, als gäbe es kein Morgen, und unsere neue Geheimwaffe Polska auch. Mit 5 Studios unter unseren Residents sieht die Zukunft wirklich gut aus.

De:Bug: Wo steht ihr in der Oldschool Debatte?

Rohan: Wir machen Musik, die aufregend für uns ist, verschieden von anderen, musikalisch und mit vielen Drums. Wir brauchen keine Trends, die sterben eh nur. Es ist zwar eine kleine Szene, aber wir wollen so viele Styles wie mögliche haben, um den Club frisch zu halten.

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Elektronische Lebensaspekte.