Text: Ariane Müller, Gunnar Reski aus De:Bug 16

Nicht akkumulatives Handeln? Baustop.randstadt, Berlin. Neue Gesellschaft für Bildende Kunst Ariane Müller, Gunnar Reski acmueller@vossnet.de, reski@vossnet.de Die Ausstellung Baustop.randstadt wird bei der Frage “Wo war Kunst?”, die oben auf dieser Seite steht, nicht viel weiter helfen. Und auch wieder umgekehrt: Möglicherweise will die Ausstellung vor allem die Frage nach ?Kunst? stellen. Was Stadtentwicklung und angrenzende Bereiche in Berlin angeht, läßt sich darin viel entdecken. Zentral und gleich rechts im Eingang steht jedoch: “Wenn Ausstellungen etwas verändern würden, wären …” ; und damit ist das Wort Veränderung in die Diskussion geschmissen und ein Ziel gesetzt, daß in der Ausstellung sonst nicht mehr angesprochen wird. Die Frage, die sich bei Baustop.randstadt meines Erachtens eher stellt ist: Wenn man durch Ausstellungen etwas erfahren könnte, wären …. Mit Hilfe der Ausstellung Baustop.randstadt soll Information von A nach B transportiert werden, die bisher in verschiedenen anderen Medien bereits vorlag, so aber noch nicht zusammengestellt wurde. Bei den Zeitungen, Büchern, Filmen und Fernsehen, die hier miteinander in Beziehung gesetzt werden, handelt es sich um Medien, die selbst Informationen transportieren, Konkurrenzprodukte zu Ausstellungen. Welchem Medium glauben wir am ehesten? Es heißt, daß in Deutschland 80% aller LeserInnen das glauben, was in der Zeitung steht, (in Italien sind das zum Beispiel nur 30%). Wieviele Leute glauben, was sie in den Reality Shows des Fernsehens sehen, wieviele Leute glauben einer Ausstellung im NGBK? Glauben mehr Leute der FAZ als der BILD? Obwohl die FAZ durch die Vorgabe von seriösem Design ihre Informationen aufzuwerten versucht, glauben wahrscheinlich mehr Leute der BILD. Bei BILD funktioniert der Informationstransfer aber nach dem alten Prinzip: Es bleibt immer etwas hängen. Ein Prinzip, nach dem Verleumdungen nie mehr ganz aufgehoben werden können. Die Ausstellung Baustop.randstadt versucht spektakulär geführte Diskurse, die genau in dem Grenzbereich von Verleumdung, Zurücknahme und Wissen darum, daß sich nun etwas im Bewußtsein festgesetzt hat, geführt werden, durch betont nüchterne Entgegnung zu entkräften. Solche Diskurse gehen zum Beispiel um die sogenannten gefährlichen Orte: etwa Zonen in Berlin, an denen de facto der Ausnahmezustand herrscht. Oder breit gesellschaftlich geführt, um den Wert von Arbeit. Um Information und den Transport von Information in der Ausstellung glaubwürdig zu machen, ist das, was als breite Suppe “Pop” genannt wird, und mit dem viele Ausstellungen arbeiten, aus Baustop.randstadt herausgenommen worden. Die AusstellungsmacherInnen produzieren im ungefähren das Erscheinungsbild von Information, dem sie auch selbst die Information glauben würden. Dadurch wird ein bestimmtes Bild seriöser Information geschaffen (z.B. fremdsprachige Texttafeln als Angebot). Die Fiktionalität der Information Daß Information etwas verändern kann, ist ein Grundgedanke westlicher Demokratie und geistert als Aufklärung durch die Geschichte. Und daß Ausstellungen von jeher ein Mittel sind, Informationen zu vermitteln, kann auch nicht die Frage sein. Vor allem für Leute, die nicht im Besitz eines Senders oder eines Verlags sind. Die Folgerung, daß Menschen richtig handeln, wenn sie alles wissen: Diese Fiktionalität von Information als Wert bleibt hier jedoch unangetastet. Es gibt Medientheoretiker, die behaupten, alles würde in der Zeitung stehen, und man müsse es eben dort heraus lesen. Was den Themenbereich der Ausstellung Baustop.randstadt angeht, würde ich dem zustimmen. Die Fragen, warum es nicht herausgelesen wird, warum die Zuspitzung rassistischer, “sozialhygienischer” und ökonomistischer Diskurse in den Zeitungen nicht auf Widerstand stoßen, wie weit sich demokratische Verfaßtheit aus städtischen Gefügen herausdiskutieren läßt, ist damit aber noch nicht geklärt. Und gerade diese Fragen stellen den Wert von Information in Frage. Was in der Ausstellung zusammengesucht und “ausgestellt” wird, ist alles wichtig. Aber der Grundgedanke, warum überhaupt informieren, bleibt unberücksichtigt. Der Vorteil einer Ausstellung, nach der am Eingang gefragt wird, liegt da auf der Hand: Sie “stellt die Verhältnisse aus”. 28.8.-11.10.1998, täglich 12.00-18.30, Berlin, Oranienstraße 25 Begleitprogramm und Informationsraum im Berlin-Caré am Alexanderplatz/Markthalle Berlin-Caré do-so 16.00-20.00 So 27. 9. 14-18 Uhr: Marodierende Mädchengangs Workshop mit Ayse Caglar, Franziska Roller, Sue Ruddick Mi 30.9. 21 Uhr Cool Berlin? Kulturbetrieb im Nationalen Wettbewerb Sabeth Buchmann, Helmut Draxler, Simon Ford, Harald Fricke Mo 5. 10. 20 Uhr Gesellschaftsumbau – Stadtumbau – Ostabwicklung Simone Hain, Dirk Kaden, Wolfgang Kil Fr 9.10. 20 Uhr Umkämpfte Räume Britta Grell, Dirk Hauer, Pia Peddinghaus zusätzlich vom 17.-29.9. Filme zu den Themen im fsk-Kino am Oranienplatz ZITAT: Wieviele Leute glauben einer Ausstellung?

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Elektronische Lebensaspekte.