Zum dritten Mal fand in Berlin der BerlinBETA Kongress statt, der die Medienbranche zum kreativen Schulterschluss einlädt. Wie das Selbstverständnis der vortragenden Designbüros aussieht, hat Marcus Hauer ihnen abgelauscht.
Text: Marcus Hauer & ANNE PASCUAL aus De:Bug 40

BERLIN BETA SPECIAL
Ordentlich kreativ sein in Berlin

Das Medienfestival BerlinBeta ging in Runde drei und hatte sich dieses Jahr mit den Stars der Szene recht gut bestückt. David Linderman von Fork Unstable Media aus Hamburg kuratierte u.a. den ersten Tag. Und so konnte man eine geballte Ladung aller Helden von The Designers Republic, I/O/D, Plumbdesign, smartmoney.com, Netbabyworld aka ACNE, etoy-Ableger ubermorgen.com, Volume One und entropy8zuper.org bekommen.

META CONTRA SIEBEN
Wohin geht es mit den Interfaces, den Konvergenzen und den Konsequenzen im Medienbusiness? Alles nur eine Frage der Sichtweise auf die eigene
Kreativität und den Umgang mit der Ordnung. Genau! Erster Punkt, der zur ganz eigenen Kreativität führt, ist ja sowieso das halbe Leben, und warum nicht dann auch gleich die Philosophie zum Design des Designs. So durfte dann Erik “MetaDesign” Spiekermann die Keynote für den ersten Tag halten und gab sich auch wirklich Mühe, das Publikum zu entertainen. Als er uns vorrechnete, dass das ideale Designbüro 49 Mitarbeiter (basierend auf der
ausgeklügelten Formel 7×7=49) bräuchte und dann Kreativität zu ihrer freien Entfaltung kommen würde, konnte man merken, dass nicht alles meta ist, wo meta drauf steht. Da Design nur Gutes im Menschen hervorruft, konnte er uns am Beispiel des Leitsystems für die Berliner Verkehrsbetriebe auch eindrucksvoll vorstellen, wie das funktioniert. O-Ton Prof. Spiekermann “…da pinkelt keiner mehr in die Ecken…”. Wir werden es überprüfen.

0% WORK, 0% GAME, 100% HOBBY
Design ist heute für Informatiker ein Gebiet, von dem sie sich nicht fern halten wollen und deshalb ihr Hobby zum Beruf machen. Während also bei den Unprofessionellen eine Professionalisierung festzustellen ist, machen sich die Professionellen daran, ihr gesamtes Tun als Hobby zu bewerten. Das macht dann auch den Umgang mit den Start-Ups einfacher, bzw. mit sich selbst als Start-Up. Dick Hansen erklärte dann auch für ACNE aus Schweden, die Bastelburg von Netbabyworld (hierfür präsentierte er eine neue 3D-Engine, mit der das erste Spiel im Oktober online sein wird), dass ihre zwanzig Unterfirmen alle nur aus Spaß am Branding gegründet wurden. Der Kreativität freien Lauf lassen ist manchmal einfacher als man denkt. Und nebenbei entsteht so ein Modelabel, eine Clipproduktion und ein Online-Gameportal, wofür professionalisierte Informatiker, respektive Betriebswirtschaftler, mindestens fünf Pleiten erlebt haben müssen. Und selbst dann dürfte nicht mehr dabei rauskommen als ein boo.com – letztes Jahr noch in Leuchtreklame bei Beta 2 angepriesen, wie Sabine Fischer von It’s Immaterial anmerkte.

ÜBERMORGEN WIRD ALLES GUT
Hätte boo.com mal besser bei ubermorgen angerufen und gefragt, ob sie nicht mal eben ihre Kreativität für ihren eCommerce-Renner zur Verfügung stellen. Zumindest hatte LIZVLX (so heißt die Chefin von ubermorgen.com) die markigsten Sprüche parat. Von Dramamarketing bis Hoax-Mailings, also Mails, die falsche Meldungen in die Welt streuen, gibt es die volle Consultingschiene für etoy-Anhänger, aus derem Umfeld ubermorgen.com kommt. Ob das nun als Kulturprojekt gefördert wird, oder ob sich damit wirklich digitales Geld machen lässt, war allerdings nicht zu klären. Doch bei Kunden wie skim.com, micromusic.net und anderen kann durchaus auch was hängen bleiben.
Ian Anderson von Designers Republic war etwas müde vom vielen Jetlag, das machte seiner kleinen Präsentation aber nichts aus. Man konnte sehen, aus welchem Fundus sich derzeitiges Design bedient – alles ist tDR.
Matt Owens von Volume One, kam dann diesbezüglich eher wie ein kleiner Nerd daher, der seine neuesten Flashfilmchen durchklickte und dessen Kopf man hinter seinem Powerbook gar nicht sehen konnte.
Von Plumbdesign bekam man eine Betaversion des Thinkmap Studio (glaube, so hieß das) zu sehen. Damit kann sich jetzt jeder aus seiner Datenbank eine Thinkmap bauen, mit ein paar Klicks ist man am Ziel. Vielleicht gibt es bald eine Flut an Thinkmap-Sites, besser als Reiter wär’s doch?

COLA TRINKEN IST GESCHMACKSSACHE
Als ausgemachte Sache galt es, noch eine Agentur in die Runde zu holen, die dann für all die schlechten Websites herhalten musste, sich aber auch wirklich mit dieser Rolle perfekt auskannte. So machte Elephant Seven aus Hamburg das wirklich Schrägste, was man bei einer Präsentation machen kann. Sie boten ein vorformuliertes Streitgespräch zwischen einer mit Oxford-English ausgestatteten jungen Dame und einem jungen, braven Mann mit bestem Nuschel-Angeldireinen-Slang über das Branding von Coke dar. Mit ihnen, die sich für ihre Kreativität allerdings nicht motivieren brauchen, hatte dieser Tag noch seinen Devil gefunden. Und alle waren erleichtert…

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Elektronische Lebensaspekte.