Text: Heiko Behr aus De:Bug 87

HipHop

Kein Status Quo!
Beans

Die personifizierte Zukunft des HipHop ist müde. Ex-Mitglied des jetzt schon legendären “Antipop Consortium”, eher Poet als MC, Onemanshow, stylisher Futuristic-B-Boy, kurzum Beans fragt, ob es mir was ausmacht, wenn er sich ein bisschen hinlegen könnte. In dem erstarrten Genre HipHop trägt er eine schwere Erwartungslast auf seinen schmalen Schultern – die Zukunft.
Mit seinem ersten Album “Tomorrow Right Now“ und der EP “Now, Soon, Someday“ hat er sich eine Nische geschaffen, die er nun mit seiner neusten Veröffentlichung “Shock City Maverick“ weiter ausdehnen könnte. Fast im Alleingang hat er sich ein eigenes Universum erschaffen mit rasend-schnellen Rhyme-Patterns, abstrakt-technoiden Beats, schrägen Synthie-Einlagen und dissonanten Soundsprengseln. Ist das eigentlich noch HipHop? “Es sind Beats and Rhymes at the end of the day. Es ist in der Tradition von HipHop, wie ich es sehe. Es gab eine Richtung, die daraus bestand, eigene Musik zu erschaffen aus Fremdmaterial, also durch Samplen. Aber es gab eben auch die Phase, seinen eigenen Stil zu entwickeln durch Programmieren.“ Offensichtlich hört er diese Vorwürfe nicht zum ersten Mal: “Keeping it real is keeping it stagnant! Da werden Definitionen auf eine Musik anwandt, die zuerst überhaupt nicht festgelegt war in ihrem Ansatz!“ Dieses lähmende Polarierungsgerede um Authentizität und Fake wischt er allein schon mit seinen musikalischen Inspirationen vom Tisch: Beck, Marvin Gaye, P.J. Harvey, Ghostface, Autechre, Sun Ra, Rick James, Kiss.
Äh, Kiss? “Als ich jünger war, wollte ich wie Kiss sein oder wie Rick James. Ich hab da immer mit Tennisschläger posiert und ‘Superfreak’ gesungen. Manchmal zieh ich noch ‘Destroyer’ hervor. Wenn ich mal eine Coverversion machen sollte, dann wird sie wohl von Kiss sein …“
Auch wenn man ihn bei seinen Liveauftritten wohl kaum geschminkt erleben wird, sein Image, sein Artwork sind ihm sehr wichtig. Schließlich hat er in New York an der Kunsthochschule Design studiert: “Irgendwann wurde es schwer, Musik und Malerei auszubalancieren. Ich habe mich dann eher der Musik zugewandt.“ Seine Entscheidung erwies sich schon bald als richtig. Mit seinen beiden Studienfreunden Sayyid und High Priest gründete er das Antipop Consortium, das aufgrund seines akademischen, intellektuellen Ansatzes gerade bei den Kritikern gut ankam. Doch der Split war schon bald unausweichlich. Heute zeigt sich Beans komplett zufrieden: “Ich bin sehr individualistisch in meinem Anspruch. Bei der Arbeit in der Band musste ich ständig Zugeständnisse machen und außerdem war ich kaum an der Produktion beteiligt. Deswegen mache ich heute fast alles alleine und sample auch nur ganz wenig – es geht um meine eigene Stimme, es soll nicht auf dem Gedankengut anderer basieren.“
Diese Individualität hat ihren Preis. Beans ist eben nicht in den üblichen Underground-Rapper-Kontext einzuordnen. “Pedal to the floor straight past you“ heißt eine der Catchphrases auf “Shock City Maverick“ und das drückt das Hörerlebnis passend aus. Beans Wortkaskaden, sein Vokabular können ein Gefühl der Überwältigung auslösen. Er zuckt die Schultern: “Ich denke, HipHop ist im Moment ziemlich reaktionär. Der Großteil ist limitiert auf Meinungen des Status Quo, einfach um Musik zu verkaufen. Alle fokussieren sich sehr auf einen Aspekt, auf Unterhaltung. Die Rolle des Künstlers sehe ich allerdings so, zu beobachten und sich selbst durch seine Musik auszudrücken, basierend auf seinen eigenen Erfahrungen. Nicht nur Bekanntes zu reproduzieren.“

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Elektronische Lebensaspekte.