Eine Millionen Downloads, das muss ein Indie für Dancefloor-Tracks als MP3-Shop erst mal schaffen. Beatport hat die magische Grenze durchbrochen, und wartet zum Jahreswechsel nicht nur mit einer Integration in die dominante DJ-Software Traktor auf, sondern auch mit WAV-Downloads und dem breitesten und schnellstwachsenden Programm für alle DJs, die Vinyl verlassen wollen. Grund für uns, Ronny Krieger von Beatport ein paar Fragen zum Downloadjahr 2005 und der Entwicklung bei Beatport zu stellen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 99


Thanks a million
Beatport durchbricht die Schallmauer

Was genau ist deine Aufgabe bei Beatport?

RK: Meine Visitenkarte sagt “Director of European Sales”. Ich bin im Berliner Büro Ansprechpartner für alle europäischen Labels und auch von hier für die Koordination von Marketing und Promotion für den europäischen Markt verantwortlich.

Hast du die Erfahrung gemacht, dass sich Downloads essentiell von Vertrieben unterscheiden?

RK: Im Grunde gibt es für mich kaum Unterschiede zu meinem Job beim Vertrieb Mitte bis Ende der Neunziger. Im Grunde ist das Downloadbusiness aber einfach ein weiteres Format für die Verbreitung von Musik, nur ohne die bisherigen Limits. Der einzig klare Unterschied aus Sicht der Labels ist sicher, dass man als erfolgreiches Label eigentlich recht bald an den Punkt kommt, direkte Vertriebsdeals mit Partnern in allen Kernmärkten zu schließen. Im Online-Bereich ist das nicht nötig.

Was macht Beatport speziell?

RK: Die Qualität unserer Files ist von Anfang an mit 320 kbps MP3s und MP4s auf dem bestmöglichen Level gewesen und seit dieser Woche gibt es bei Beatport auch WAV-Files zum Download. Wir unterstützen bewusst kein DRM. Und wir wollen möglichst flächendeckend alle Genres elektronischer Tanzmusik abdecken. Wer hat schon die Zeit, seine Houseplatten bei X, seine Technoplatten bei Y und vielleicht noch Electronica bei Z zu kaufen. Alle bei Beatport sind Musikliebhaber, haben bei einem Label gearbeitet oder ähnliches. Daher wissen wir alle (mittlerweile 20 in Denver und Berlin) auch genau, woher die Musik kommt und freuen uns auf neue Veröffentlichungen. Wir sind auch viel mehr hinterher, wenn es darum geht, neue Veröffentlichungen wirklich zum VÖ oder früher online zu haben, als jemand für den neue Releases zehnstellige Nummern sind. Wir versuchen, die “heißen” neuen Labels dann zu signen, wenn sie gerade im Entstehen sind und nicht zu warten, bis jeder darüber spricht. Hunderte Labels arbeiten aus freier Entscheidung exklusiv mit uns, was uns sehr freut.

Hat sich die Einstellung der Label (die ja immer noch fast alle Vinyl-basiert sind) im letzten Jahr grundlegend geändert?

RK: Absolut. Am Anfang hat es unglaublich viel Zeit gekostet, Labels davon zu überzeugen mit uns einen Vertrag zu unterschreiben. Wir haben zu über 90% unserer Labels ganz bewusst direkten Kontakt und beziehen die Musik nicht über Zwischenvertriebe. Uns ist der direkte Austausch mit den Labels enorm wichtig. Der wesentliche Punkt, den viele Labels lange nicht verstanden haben, ist doch, dass sie alle digital stattfinden. Die Option, sich dem Online-Markt zu verschließen, gibt es überhaupt nicht. Als Label kann man User nicht verurteilen, wenn sie Files online beziehen wollen und das illegal tun, solange es überhaupt keine Möglichkeit gibt, selbige zu kaufen. Beatport gilt allgemein als das Nr.1-Portal weltweit für elektronische (Tanz-)Musik und wir haben im Moment automatisch jede Woche zwischen 100 bis 500 Labelanfragen.

Was verkauft sich bei Beatport am besten?

RK: Ich glaube, das ist analog zum Vinylbusiness. Im Moment verkaufen bei Beatport die Electro-House-Sachen wie Get Physical, Pryda etc. am besten, außerdem aber auch Trentemöller, Tomas Andersson, John Dahlbäck und, um ein paar deutsche Labels zu nennen, Bpitch Control, Pokerflat, Playhouse, Traum & Trapez etc. Unsere Hits in diesem Jahr liegen auch im Vergleich mit Vinylverkäufen schon in wirklich ernstzunehmenden Bereichen und das wöchentliche Wachstum ist noch immer unaufhörlich gut.

Welche Länder liegen vorne?

RK: Wir breiten uns derzeit über die USA und UK nach Europa aus. Für uns war es einfach wichtig, für Europa bereit zu sein. Mittlerweile haben wir so unglaublich viel Repertoire, dass wir auch in Europa den öffentlichkeitswirksamen Startschuss abgeben können. Es ist auch immer wieder erstaunlich, wirklich Territorien abdecken zu können, zu denen Vinyl niemals gelangt. So werden zum Beispiel immer mehr Beatport Tracks nach Südamerika, Osteuropa etc. verkauft.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.