Beatprogrammierung aus dem Handgelenk und mit erwünschten Überraschungen ist keine Utopie mehr: Guru macht's easy.
Text: Ludwig Coenen aus De:Bug 103

Gegen dieses Tool wirkt eine klassische Drummachine wie eine Schuhschachtel aus dem vorletzten Jahrhundert. Derart kinderleicht und raffiniert lassen sich mit diesem Beatslicer namens Guru bestehende Loops zu neuen Grooves zerhäckseln. Die Engine erkennt automatisch Samples und Struktur von bestehendem Material, und schneller, als man das Wort Guru buchstabiert hat, sind schon die Samples gemappt und ein neuer Beat zurechtgebogen.

Raffinierte DSP-Breaks, rasante Pitches und metallische Repeat-Effekte sind mit dieser Software nun wirklich ohne jede mühsame Frickelei zu haben. Egal ob der Loop tight geschnitten ist oder nicht, Deephouse-Groove mit Bongos oder Minimal-House-Loop mit Chords – egal womit ich den Guru gefüttert habe, er hat es klaglos und in Echtzeit analysiert und in 16 Samples (vier Kick, vier Snares, vier HiHats und vier Percussion-Sounds ) zerlegt. Die Beatstruktur inklusive Quantisierung liest er auf Wunsch auch noch aus. Nur die Samples? Auch kein Problem. Oder nur die Noten? Beides mischen? Easy.

Dabei ist man alles andere als auf fertige Loops als Ausgangsmaterial festgelegt. Einzelne Sampels kann man auch laden, und den Beat auf die klassische Art im integrierten Sequenzer programmieren, geht natürlich auch. Das Interface erschließt sich – hat man sich einmal an die Grundelemente gewöhnt – extrem schnell. Wobei ein klitzekleiner Blick ins Handbuch nicht schaden kann, sonst steht man etwas ahnungslos vor diesem innovativen Ding. Der Rest läuft dann wie geschmiert, alle Bedienungselemente sind extrem durchdacht und das GUI reagiert extrem schnell, alles in Butter.

Und so macht das Herumjammen mit Guru von der ersten Sekunde an so richtig Spaß. Der Klang ist klar und druckvoll, dazu steht noch eine gute 4-Gigabyte-Library an Loops und Sounds zur Verfügung, so dass man direkt loslegen kann. Klar, es hakt auch mal etwas, wenn ein Loop verquer eingelesen wird. Guru versucht zwar an Hand von Struktur und Frequenzanalyse die einzelnen Schnippsel so tight wie möglich zu schneiden und korrekt als Kick, Snare etc. zu klassifizieren, liegt dabei jedoch natürlich nicht immer richtig. Doch genau diese Fehlerquote (die erschreckend gering ist) entpuppt sich wiederum als heimliche Stärke, spuckt sie doch gerne die ein oder andere Beatvariation aus, auf die man im Leben nie gekommen wäre. Und wenn es mal knackst, für jeden Schnippsel stehen ein Filter, zwei Hüllkurven und drei globale Sendeffekte zur Verfügung. Zusätzlich zur komfortablen Automatisierung von Lautstärke, Panning, Repeat und Pitch.

Ob als PlugIn oder als Standalone, für den Liveeinsatz oder im Studio: Die Verwendungszwecke für dieses unglaubliche Tool sind kaum abzuschätzen. Clevere Ideen, guter Klang, einfache Bedienung und ein hoher Spaßfaktor sprechen für sich. So eine erfrischende Herangehensweise tut einfach gut. So funky kann Beatprogrammierung sein. Microtonic, ReDrum, Limelight und Co: Nehmt euch in acht.

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Elektronische Lebensaspekte.