embodiment – Kontext und Mode von Regina Möller auf der 3. Berlin Biennale, 2004.
Text: Stefan Heidenreich aus De:Bug 79

Embodiment

Die Kontexte kollidieren: Regina Möller macht Mode aus derbem Grubentuch und opakem Papiertextilstoff. Kleidung aus ihrem Label embodiment, zu sehen in den Kunst Werken, konterkariert Verwertungsstrategien der Modeindustrie und Trenddiskurse, die Trägerinnen von Mode ausblenden. Als Kulturproduzentin stellt Regina Möller zusätzlich im Hub MODEN UND SZENEN eine Installation zum Thema Nahtstelle / Umbruch vor. Auf Schneiderbüsten als Informationsträgern reflektiert die Ausstellung modisch-gesellschaftliche Dimensionen der Wendezeit zwischen Trends, Uniformierung und Dekonstruktion.
Stefan Heidenreich hat beim Catwalk durch Regina Möllers Modekosmos Protokoll geführt.

Kunst und Mode
Ich bin nicht in der Modeindustrie tätig. Meine Arbeit liegt nicht in dem Bereich.
embodiment bezieht sich auf einen Kontext, und zwar vor allem dadurch, dass ich bestimmte Stoffe auswähle. Sie transportieren das Thema.

Schnitt
Meine Schnitte sehen bisher relativ einfach aus, sind es aber nicht. Bei der Arbeit “Still Live” folgte der Schnitt der Webkante des verwendeten Grubentuchs, er bestimmte zum Beispiel den Ansatz des Raglanärmels.

Verkörperung
Alle Prototypen von embodiment sind meiner Körpergröße angepasst. Deshalb auch der Labelname embodiment. Es heißt mehr als Verkörperung. In meiner Arbeit gehört auch das Interior dazu, also Tapeten, Möbelstücke, usw. – Bekleidung in einem erweiterten Sinn.

Identifikation
Im Modediskurs wird oft vergessen, dass ein Kleid auch zu einer Trägerin gehört. Es wurde immer viel über Dresscodes gesprochen, die den Körper symbolisch besetzen. Aber der lebende Körper wurde ignoriert. Das holen die Herausgeberinnen Elisabeth Wilson und Joanne Entwistle in ihrem Buch “Body Dressing” nach. Sicher ist der Körper nach wie vor auch Zeichenträger. Aber die Perspektive berücksichtigt stärker, dass die Leute die Kleider beleben.

Labels
Der Labelkult unterschlägt diesen Zusammenhang, er verschleiert diese Art von Identifikation. Es gibt heute wieder ganz starke Dresscodes und darüber auch gesellschaftliche Zuordnungen. Nicht in Reichen-, Mittel- und Arbeiterschicht. Sondern ganz bewusst gemixt. Auch Gegenstatements gehören dazu, zum Beispiel absichtlich auf Billiglabels zurückzugreifen. Das sind schon Strategien und Formulierungen von einzelnen Trägerinnen.

Distinktion oder Bedeutung
Es passiert oft, dass sich ein Trend als eine kleine Rebellion gegen etwas durchsetzt. Ich versuche, Bedeutungen zu finden. Aber wenn du dich irgendwo abgrenzen willst, hast du noch lange keine Bedeutung gesetzt. Das kann eine rein emotionale Geschichte sein, der andere erst eine Bedeutung geben.

Über Mode
Ich bin im gewissen Sinn als Kulturproduzentin von der 3. Berlin Biennale beauftragt, zu dem Hub “Moden und Szenen” zu arbeiten. Das ist ein sehr weites Gebiet. Ich habe es dadurch eingegrenzt, dass ich ihm den Untertitel „Nahtstelle / Umbruch” gegeben habe. Ich untersuche die Wendezeit, die Ost-West-Situation. DDR und Mode, viele Leute lachen darüber, aber es gab dort Mode. Das war für mich interessant. Wie in einem Staat, der sich offiziell als Arbeiterstaat verstand, mit Kleidung/ Mode umgegangen wurde.

Arbeit, Stoff, Mode
Bei dem Outfit “Stillleben” von embodiment LineTwo wählte ich das Grubentuch als Stoff, mit dem sich Kohlearbeiter reinigen, und “Tyvek II” ist aus dem Papiertextilstoff, genannt Tyvek, der heute im Bekleidungsbereich vielen nur noch als Maleroverall bekannt ist.

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Elektronische Lebensaspekte.