Christiane F heißt jetzt Paul Kalkbrenner
Text: Ji-Hun Kim aus De:Bug 125


Nach Christiane F von 1981 bekommt Berlin seinen zweiten Film zum Komplex Nachtleben, Drogen, Großstadt: Berlin Calling. Und der Hauptdarsteller ist viel authentischer als Natja Brunckhorst. Die BPitch-Techno-Instanz Paul Kalkbrenner spielt unter der Regie von Hannes Stöhr den DJ und Producer Ickarus (sprechender Name, wir hören dir trapsen), der in schwer glaubwürdigem Setting schwer pädagogisch wertvoll die Hölle des hängen gebliebenen Pillen-Fressers durchläuft.

So reißbrettartig die Nachlebensszenen sind, so überzeugend spielt Kalkbrenner auch in Großaufnahmen den zerrissenen, getriebenen Künstler am Klippenrand. Denn DJ Ickarus fällt tief: Fame, Fremdfick, Albumproduktion und Drogenolympiade mit Hochdruck gehen selten gut aus. Nach dem heftigen High der Absturz. Hier endet es zuerst beim Sonntagsbrunch im 4-Sternehotel mit Joghurtperücke und unkontrolliertem Grunzen und dann in der Klinik.

Berlin Calling führt Techno als Einzelschicksal vor, Ickarus könnte genauso gut Blues-Barde sein, das Spezifische am Gesellschaftsmodell Techno bleibt weitestgehend ausgeklammert. Aber der sensationelle Kalkbrenner-Track mit dem Männergesang im Abspann lässt die ganze Rave-Romantik doch noch aufschimmern.

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Elektronische Lebensaspekte.

2 Responses

  1. lupus

    der film hat mich aufgerüttelt !

  2. lupus

    nicht einmal wegen den drogen ,sondern endlich was aus meiner kunst zu machen !