Ein ganzer Gentleman, dieser Bernhard Fleischmann. Mit nur drei Platten hat er sich mit fusseligem Clickerpop die Herzen all derjenigen erobert, denen der Milchkaffe am Nachmittag wichtiger ist als die Formel 1. Mit nur einem Gerät und viel Wiener Charme
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 39

Groovebox Rocker
Bernhard Fleischmann

“Bevor ich angefangen habe, elektronische Musik zu machen, habe ich in verschiedenen Bands Schlagzeug gespielt. Teilweise auch gesungen. Das war eher so härtere, melodische Gitarrenmusik, Hardcore und Indierock,” erzählt Bernahrd Fleischmann gut gelaunt auf einem Muffin kauend. Ein weiterer Rocker, der in den äusserst virulenten Elektronika/Indietronics Netzwerken, die sich in den letzten zwei Jahren überall gespannt haben ein neues Zuhause gefunden hat. Da wundert es nicht, dass er durch die freundliche Unterstützung von Markus Acher (Notwist, Console, Tied & Tickled Trio) zu seinem Plattendeal mit dem Berliner Label ‘Morr Music’ kam. Während einer Sendung im Wiener Radio, die sich den Klängen aus dem Weilheim/Landsberg/Hausmusik Koordinatensystem widmete, und zu der Valerie von Lali Puna und eben Markus Acher geladen waren, hörte letzterer Bernhard Fleischmanns erste CD. Ihm gefiel sie so gut, dass er sie mitnahm und einem Freund in Berlin schickte, der gerade dabei war, sein eigenes Label auf die Beine zu stellen. Zwei Wochen später waren sich Bernhard und Thomas Morr einig und die erste Veröffentlichung auf Morr Music nahm eine konkrete Form an. So schnell kann das gehen.

Life moves pretty fast…
Das letzte Jahr war ein ereignissreiches für Bernhard Fleischmann. Innerhalb von knapp zwölf Monaten hat er drei Platten fertiggestellt – neben der Katalognummer 001 von Morr Music dort noch ein weiteres Minialbum und jetzt das Album für Fuzzybox. Er war mit Lali Puna auf Tour und hat mehr Feedback auf seine Platten bekommen, als er je erwartet hätte. Wer hätte gedacht, dass seine erste Begegnung mit der Groovebox solch wunderschön warme, musikalische Blüten treiben würde. Denn alle Songs von Bernhard Fleischmann sind allein mit diesem freundlichen Gerät aus dem Hause Roland zusammengeschustert worden. Ein Groovebox-Rocker sozusagen. “Bei einer befreundeten Band im Proberaum habe ich zum ersten mal gesehen, wie jemand mit einer Groovebox herumgemacht hat. Es gab bei mir vorher schon Überlegungen, irgendetwas in die Richtung Elektronik zu machen, aber ich wusste nicht genau wie und womit. Ich hab mir dann im Proberaum die Groovebox ein wenig erklären lassen und dachte mir, dass das ein guter Einstieg wäre. Und seitdem ich sie habe, komme ich vollkommen ohne anderes Equipment aus.” Wegen seiner lupenreinen Rocksozialisation frei von angetriggerten, stressenden Soundvorstellungen begab sich Bernahrd also auf seine ganz persönliche Entdeckungsreise und frickelte sich so langsam durch die technischen Möglichkeiten im Groovebox-Land. Was er dort vor allem entdeckte, waren Harmonien. Jeder seiner Songs schwebt, von langezogenen, warmen Harmonien getragen, durch eine Landschaft, in der die Beats eher für die nötige Fülle sorgen, also unten rum wichtig sind, als dass sie voranmarschieren. Mal verspielt und etwas kleinteiliger, mal mit fröhlicher Melancholie kokettierend, umkurven Bernhard Fleischmanns Songs das Kinderzimmer Bermudadreieck und haben trotzdem dessen leuchtende Augen. Leicht und luftig von Takt zu Takt. “Ich mag Musik, die sehr langsam und looporientiert ist. Loops, die sich kaum verändern. Mir war immer wichtig, dass der Rhythmus nicht vor, sondern irgendwie in der Musik steht. Dass man meine Platten auch hören kann, ohne dem Rhythmus folgen zu müssen. Tanzmusik war nie mein Ziel. Das ist für mich ganz einfach auch ein vollkommen anderer Umgang mit Rhythmus, als wenn ich in einer Band Schlagzeug spiele,” sagt Bernhard, fügt aber den Blick auf die musikalische Zukunft gerichtet hinzu: “Am Anfang war meine Musik wirklich eine Sache, die, wie man so schön sagt, aus dem Bauch kam. Jetzt, nach drei Veröffentlichungen, will ich schon etwas Neues machen. Vielleicht ein wenig mehr mit Geräuschen arbeiten. Zwar auch noch mit Harmonien, aber nicht mehr so hauptsachlich. Ich denke, ich werde meine Musik noch ein wenig mehr reduzieren und auch ein bisschen feiner arbeiten. Ausserdem werde ich mir neues Equipment kaufen. Das ist die Vorraussetzung dafür, dass ich wirklich etwas Neues machen kann, weil der Klang meiner Musik schon sehr stark von der Groovebox bestimmt wird. Man hat halt nur begrenzte Ressourcen.”
PS: Bei Live Auftritten kann es schon mal vorkommen, dass sich Bernhard Fleischmann an seinem Schlagzeug selbst begleitet. Ein echter Groovebox Rocker eben.

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Elektronische Lebensaspekte.