Das Miami-Label Beta Bodega ist eine kämpferische Zelle für elektronische Musik, die genau so zwischen realistisch und aktivistisch unterscheidet wie zwischen berechtigten und unberechtigen Soundexperimenten. Jetzt haben sie mit Botanica del Jibaro ein HipHop Sublabel gegründet.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 64

Plattenläden können die Hölle sein. Da ist die Geldbörse voll, die Motivation hoch, der Lieblingsverkäufer anwesend und dann: “Ich glaube, du kennst alles, Thaddi.” Grmmpffh. “Es sei denn …” Ja? “Es gibt da so ein paar HipHop-Platten, die solltest du dir mal anhören.” Gesagt, getan. ”African Elephants” von Cyne dreht sich auf dem Plattenteller und die Tür zu einer ganz neuen Welt geht auf. Einfach so. Erschienen ist diese 12″ auf “Rice & Beans”, einem Beta Bodega-Sublabel. Die Vernetzung dieser elektronischen Experimentalschmiede mit anderen HipHop-Labels wie Counterflow geschah fast im Dunkeln, plötzlich da: stark, kraftvoll und auf den Punkt. Ein paar Wochen später kam die nächste Cyne 12″, diesmal auf einem neuen Sublabel von Beta Bodega: Botanica del Jibaro. Was geht da vor?, fragt man sich.
Beta Bodega funktionierte nie über die Musik allein. Artwork und vor allem eindeutige politische Statements auf den Covern erzählten Geschichten, die es wert waren, auch im Umfeld der elektronischen Musik thematisiert zu werden. Die Menschen dahinter hielten sich zurück, waren nicht wirklich ansprechbar, alles, was es zu sagen gab, stand auf den Covern. Also eine Mail schicken. Was ist los bei Beta Bodega? Woher kommt der plötzliche HipHop-Dreh? Siehe da, man antwortet.

DEBUG: Zuerst gab es Beta Bodega, dann Rice & Beans und jetzt Botanica del Jibaro. Warum ein neues Sublabel und wie spielt der HipHop da mit rein?

BETA: Beta Bodega war immer unser Hauptanliegen, unsere lauteste Stimme. Rice & Beans eine Art Support für sehr spezielle Projekte. Das hat sich jetzt erledigt. Botanica del Jibaro hat nichts mit experimenteller elektronischer Musik zu tun, es soll ein progressives, aber traditionelles HipHop-Label sein. Natürlich verbindet alle Plattformen etwas: Es geht darum, politische Scheinheiligkeit anzuprangern und den Problemen der Menschen in der Dritten Welt ein Sprachrohr zu verleihen. Ich bin in New York und hier in Miami aufgewachsen. HipHop war immer ein Teil meines Lebens. Ich bin ein B-Boy und habe auf der Straße meine Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig aber beeinflussen mich viele andere Dinge. So konnte ich langsam das Label mit der Graphik und der Musik entwickeln. Die Musik ist Träger der Message, auf welchem Label das nachher erscheint und wie es klingt, ist zweitrangig.

DEBUG: “African Elephants” hat mich überrascht. Es klingt traditionell, aber weitaus musikalischer als viele andere Produktionen, die ich kenne. Welche Art von HipHop soll bei Beta Bodega gefeatured werden?

BETA: Rice & Beans war dafür gedacht, HipHop und experimentelle Geschichten zusammenzubringen. Wie Otto von Schirachs EP zum Beispiel. Ich bin HipHop Schüler und habe großen Respekt vor der ästhetischen Grundlage. Erst wenn man das verinnerlicht hat, kann man guten Gewissens Soundexperimente starten.

DEBUG: Wer sind Cyne? Sie veröffentlichen ja nicht nur bei dir, sondern auch z.B. auf Counterflow …

BETA: Cyne kommen aus Gainesville, nördlich von Miami: zwei MCs und zwei Produzenten. MC Cise Star ist aus Florida, Akin kommt aus Afrika, hat aber ein paar Jahre in Frankreich gelebt und ist in den USA aufgewachsen. Die Produzenten, Enoch und Speck, kommen beide aus Florida. Ihre Message ist ganz klar von ihren täglichen Erfahrungen geprägt, ist also eher realistisch als besonders aktivistisch. Es geht ihnen darum, den unterdrückten Minderheiten ein Sprachrohr zu geben, egal ob sie in den USA, Europa oder in Afrika leben. “African Elephants” ist meines Wissens nach der erste Track, den sie je aufgenommen haben und ist ein paar Jahre alt. Es war ein guter Teaser. Die Midas-EP auf Botanica del Jibaro zeigt, wohin es gehen soll.

http://www.betabodega.com

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Elektronische Lebensaspekte.