Stefanie Böhm und Micha Acher machen mit ihrem Bandprojekt "MS. John Soda" weiter. Es klingt jetzt indirekter, aber vielschichtiger. Eindeutig ein Gewinn.
Text: René Margraff aus De:Bug 101

Vor dreieinhalb Jahren erschien “No P. or D.“, das erste Album von Ms. John Soda. Morr Music bekam damals die bis dato rockigste Veröffentlichung und das einstige Soloprojekt von Stefanie Böhm (auch bei Couch) wurde zu einem kompakten Duo mit Micha Acher (Notwist, Tied & Tickled Trio). Relativ direkt und Melodiebass-verliebt rockten Ms. John Soda 2002. Für “Notes and the like“ ließen sie sich scheinbar viel Zeit, die nur von einer EP überbrückt wurde.
Stefanie Böhm erklärt: ”Wir haben viel getourt und auch einfach die Zeit gebraucht, neue Stücke zu schreiben. Jeder von uns macht ja nebenher noch andere Projekte und von daher ist es auch so, dass wir uns nicht immer die ganze Zeit nur auf Ms. John Soda konzentrieren. Für mich ist das auch wichtig, denn ich kann nicht die ganze Zeit immer nur ein Ding machen, sondern brauche auch andere Anregungen und Eindrücke.“

By twos

Ms. John Soda haben sich nicht verunsichern lassen, weder davon, dass das zweite Album generell manchen Bands den Nacken bricht, noch vom spürbaren Indietronics-Backlash im Namen des “echten” Indierocks.
Über ein Jahr intensiver Arbeit an “Notes and the like“ sind hörbar in den neun neuen Songs. Es ist auch nicht verwunderlich, dass das Ergebnis weniger direkt wirkt. Die Zeitspanne der Produktion – die Aufnahmen des Debüts dauerten gerade mal 14 Tage – muss sich ja irgendwie niederschlagen. Album Nummer zwei hat in seinen runden Songs mehr Abzweigungen und kleinteilige Popmomente.
Stefanie: “Ja, die neue Platte ist im Vergleich vielschichtiger geworden, es wurde mehr auf die Details geachtet. Die erste Platte war noch ein bisschen roher. Das ist aber auch genau das, was mir am neuen Album so gefällt: dass man bei jedem Hören noch mal unterschiedliche Dinge raushören kann.“
Live, zu viert, wird es im Bandsound wieder etwas direkter, aber auf Platte hat sich die verspieltere Produktionsweise durchgesetzt.
“Wir machen diesen Unterschied ganz bewusst. Für mich gibt es für ein Stück nicht immer nur diese eine Version. Die Platten machen in erster Linie Micha und ich, auch wenn Tom Geltinger und Carl Oesterhelt, unsere Live-Musiker, auch schon dabei sind. Das sind dann auch sozusagen unsere Versionen, die Studioversionen, an denen wir lange arbeiten. Einige Stücke auf dem neuen Album haben richtige Wandlungen durchgemacht im Produktionsprozess im letzten Jahr. Generell läuft es so ab, dass jeder Stücke zu Hause macht, wir sie dann tauschen und der andere sie bearbeitet und auch noch mal in eine grundlegend andere Richtung drehen kann. Von daher ist das eben auch eine ganz andere Arbeitsweise als auf der Bühne. Wenn wir jetzt auf Tour gehen, werden wir noch mal richtige Bandversionen machen. Ich mag generell diese verschiedenen Sichtweisen unserer Stücke.“

Line by line

Die Idee der unterschiedlichen Sichtweisen setzt sich auch in den Texten fort, die sich im Kern oft um das Politische im kleinen persönlichen Alltag zu drehen scheinen.
„Es ist mir zunächst sehr wichtig, dass Instrumente, Stimme und Text eine Einheit bilden. Und mit diesen Elementen möchte ich eine Stimmung und einen Gesamtsound herstellen. Ich möchte auch gar nicht, dass man diese einzelnen Teile getrennt sieht. Und das, was für die unterschiedlichen Live- und Studioversionen gilt, gilt auch auf für die Texte. Man kann sie auf eine Vielzahl von Situationen übertragen. Es geht auch oft darum, dass es so eine Vielschichtigkeit gibt, nicht eine Wahrheit, also eher darum, wie man zu Entscheidungen kommt, wie man seine Meinung bildet.“

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Elektronische Lebensaspekte.