aus De:Bug 34

BITTE BILDER DIESMAL GANZ EINSETZEN UND NICHT SELBSTÄNDIG EINEN AUSSCHNITT SUCHEN. MAN MUSS DAS GANZ BILD SEHEN. DANKE STEFAN. stefan heidenreich stefan@debug-digital.de <0300#1.jpg> Wiener Demo 7.2. Reuters, Ausschnitt links: bearbeitet von der Kronen-Zeitung. http://www.betazine.org Das Reuters-Bild von der Demonstration war der blauschwarzen Kronen-Zeitung offenbar zu harmlos. Man schnitt den Demonstranten kurzerhand aus, verschob ihn ein wenig nach rechts und schon haut er den Polizisten. Ein Wiener Kasperl-Theater mit moralischem Anspruch: der Krone-Leser weiss, warum er Haider gewählt hat. Und wer es wissen will, weiss, dass die rechte Presse lügt. An einer Stelle schliessen sich beide Seiten vielleicht kurz. Angenommen der Demonstrant hätte dem Polizisten ganz gerne eins übergebraten? Dann hätte die Kronen-Zeitung mit Hilfe von Photoshop gezeigt, was der Demonstrant eigentlich wollte. Beide sind sich einig: die Zeitung zeigt, was sie zeigen will, indem sie zeigt, was der Demonstrant wollte. Alle wollen dasselbe: dass der Polizist geschlagen wird. Eine ebenso dumme wie gelungene Strategie der Eskalation, die noch bis in die angeschlossenen Rollenspiele hineinträgt. Alle, die wollen, dass geschlagen wird, werden Opfer. Der schwarzbraune Leser auf der Seite des geschlagenen Polizisten, der AntiHaider-Block als Opfer von Presselügen. >sh 0 0 0 (3 punkte) ……………………………………………………………………………………………………………….. <0100#2.jpg> Infineon-Werbung. http://www.infineon.com Warum wirbt die Firma mit dem Umkehrbild eines Verbrecherbildes für den Aktienkauf? Der schwarze Balken über die Augen von Verdächtigen hat die Aufgabe, deren Identität zu verschleiern. Das Ereignis und die Umgebung bleibt übrig. Würde man Werbfotos mit einem solchen Balken versehen, bliebe das Image gewahrt. Infineon setzt auf seiner Webseite ein Umkehrbild ein. Nur die Augen bleiben – als imagefreies Bildmotiv. Es gibt Kaufentscheidungen, zu denen sich schwer eine visuelle Oberfläche finden lässt. Ein konkretes, auf ein Image festgelegtes Bild könnte die potenziell grenzenlose Adressatenschicht nur verkleinern. Statt dessen laufen die Argumente im ³rationaleren” Medium der Schrift. Dabei benötigt Infineon gar keine Argumente mehr: die Aktie ist vor Börsenstart mehr als tausendfach überzeichnet. Vielleicht gehört die Kampagne – die mit ähnlich motivlosen Bildern in Printmedien lief – schon vorab zur Nach-Sorge. Längst getroffene Entscheidungen sollen nachträglich bestätigt werden. Und deshalb darf es nicht nach Werbung aussehen, sondern muss wie eine trockene Feststellungs-Schablone daherkommen: ich habe gezeichnet, also bin ich. >sh 0 0 0 0 (4 punkte) ……………………………………………………………………………………………………. <0100#3.jpg> Expo-Logo. http://www.expo2000.de Was soll uns der Expo-Logo-Brei sagen? Alles ist in Bewegung. Das Jahr 2000 – ein technisch induzierter Wirbel. Ein Teilchen-Tanz. Noch können wir etwas beobachten, noch sind wir dabei. Wenn auch nur mit Hilfe von Interferenz-Mustern, die Kleinstobjekte visuell aufbereiten. Ein Mikro-Ereignis mit angeschlossenem Makro-Sturm. Auch Technologie kann umkippen. Sie wird manieristisch, verziert, asymmetrisch, blumig. In den 20er Jahren hieß auf einmal alles ³organisch”. Damals wie heute waren die Hoffnungen den Technologien weit voraus. so weit, dass es sich nicht mehr lohnen würde, überhaupt noch etwas zu erfüllen. Jedes gelungene Experiment – ein Rückschlag. Man ist besser, einfach zu tun, als ob – Indem man zum Beispiel die Börsen-Blase in einem waberndes Techno-Tier von ungewissen Ausmassen auflöst. >sh 0 0 (2 punkte)

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Elektronische Lebensaspekte.