Text: Stefan Heidenreich aus De:Bug 107

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Case of Emergency. Steven Meisel, Vogue Italia Sept 06

Der Starfotograf Steven Meisel hat für die Vogue Italia seine eigene Fassung des Ausnahmezustands entworfen. Sein Blick ist voyeuristisch. Meistens sind es Frauen, die von Männern verhaftet, geschlagen, genötigt werden. Im Gegensatz zu Lindbergh, der Katastrophen gerne als Puppenspiele vor Landschaft inszeniert, holt Meisel seine Figuren nah heran und lässt Unschärfen zu, die der Inszenierung zu einem stärkeren Realitätseindruck verhelfen. Zum Verständnis, was den Ausnahmezustand ausmacht, tragen die Bilder auf den ersten Blick wenig bei. Meisel fängt Symptome ein, die aus Reisen und Filmen hinlänglich bekannt sind. Die Polizei agiert als marodierende Bande. “Der Ausnahmezustand ist kein Sonderrecht (wie das Kriegsrecht), sondern er bestimmt, indem er die Rechtsordnung suspendiert, deren Schwelle oder Grenzbegriff“, erklärt Giorgio Agamben. In der Aufhebung liegt ein paradoxes Moment der Freiheit. Denn Rechtlosigkeit bedeutet auch Freiheit, und zwar die Freiheit des Stärkeren. Indem die Bilder Täter und Betrachter in dieselbe Position bringen, zeigen sie unwillentlich, wie der Ausnahmezustand mit Freiheit zusammenfällt.
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Jonah Blank: Tuol Sleng Prison, Phnom Penh
davidcorn.com/archives/2006/09/this_is_what_wa.php

Waterboarding ist ein alter Sport. Als “Wasserfolter“ wird er auf französischen Stichen aus dem 16. Jahrhundert bezeichnet. Heute fällt Waterboarding unter die so genannten verschärften Verhörtechniken, die das amerikanische Repräsentantenhaus erst neulich auf Drängen der US-Regierung für zulässig erklärt hat. Sie kommen in jenem langen Krieg gegen den Terrorismus zum Einsatz, bei dem weder Dauer noch Feinde wirklich erklärt sind. Es könnte also jeden treffen. Deshalb vorsorglich einige Hinweise.
Zum Waterboarding benötigt man nur wenige Utensilien: Ein Tisch, ein Tuch und eine Gießkanne. Das Opfer wird langgestreckt auf einen Tisch geschnallt. Über Mund und Nase legt man das Tuch. Nun wird Wasser auf das Tuch gegossen und zwar immer genug, um es so nass zu halten, dass keine Luft hindurchdringt. Das Opfer saugt beim Versuch zu atmen das Tuch in den Rachen. Das führt zu dem eindringlichen Gefühl zu ersticken.
Das Foto zeigt ein Gemälde in einem Museum in Pnom Penh, auf dem ein Opfer nachträglich seine Folter festgehalten hat. Im Unterschied zum jetzigen US-Regime hatten die Schlächter von Polpot durchaus eingesehen, dass Folter wenig hilfreich ist, um aus den Gefangenen etwas Wahres herauszupressen. Ihr Ziel war ideologischer: Sie folterten, um zu bekehren.
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Elektronische Lebensaspekte.