Zwischen den Zeilen sehen mit Stefan Heidenreich.
Text: Stafan Heidenreich aus De:Bug 143

Ach, wenn doch alle Kleininvestoren in Asche heimgezahlt würden, und die großen auch. Die Geschichte ist so bekannt, dass ich sie eigentlich nicht erzählen muss. Nur ganz kurz: Icesave hieß ein Programm, mit dem sehr schlaue isländische Bankster eine Menge Geld vor allem britischer, deutscher und holländischer Kleinanleger auf die Insel gelockt hat. Das ging 2006 los und wuchs sich rasch zu Milliardensummen aus. Am Ende ging alles bankrott, aber die Anleger-Dummköpfe und ihre Banker wollten nicht einsehen, dass Gewinn auch mit Risiko verbunden sein kann. Island sollte zahlen, knapp 4 Milliarden. Bei einer Drittelmillion Einwohner nicht schlecht. Das Parlament hatte das Gesetz schon durchgewunken, da verfiel der Präsident auf die Idee, man könne ja auch das Volk fragen. Demokratie in der Wirtschaft? Europa war empört. Die Briten wandten gar Anti-Terror-Gesetze an, um isländische Guthaben einzufrieren. Am 6. März stimmten 93 Prozent der Isländer gegen die Zahlung.

Weniger bekannt ist, dass die Abstimmung eine Zusatzklausel hatte. Ob man die Asche in anderer Form zurückzahlen sollte. 64 Prozent stimmten dafür. So kam es, dass am 20. März, also knapp zwei Wochen nach der Volksabstimmung, ein Vulkan mit unaussprechlichem Namen ausbrach und seine Asche über Europa verstreute. Einschlägige Hinweise, wie das genau vonstatten ging, wie genau die Abstimmungsklausel lautete, und man den Vulkan mit Hilfe unterirdische Wasserzuleitungen zum Ausbruch brachte, liefert ausdauerndes Googeln der entsprechenden Stichworte. Hier nur als vorläufige Evidenz ein Bild der elektrischen Entladungen, mit denen die Eruption gezündet wurde.

Nun zurück zum deutschen Kleinsparer. Als ein amerikanischer Deutsch-Banker kurz vor dem Immobilien-Crash gefragt wurde, wo der Dumme sitzt, an den sie die faulen Kredite verkaufen, auf deren Zusammenbruch man in den Staaten schon fröhlich spekuliert, antwortete er: Düsseldorf. Deutsche Kleinanleger und staatlich geprüfte anerkannte Mülleimer für toxischen Abfall, wie die IKB-Bank.

Das blieb den geschröpften Sparern nicht ganz verborgen, weswegen sich viele verschreckt aus dem Casino zurückzogen. Nun müssen sie wieder ran, es gibt frisches Geld zu verlieren, und das Handelsblatt hilft dankenswerterweise unser Vertrauen wieder herzustellen. Dazu haben sie bei einer Bildagentur ein hübsches Laienspiel-Theater in Auftrag gegeben. Schauen wir auf die Hände, denn das ist es was die Vertrauens-Manager sich am liebsten von Pantomimen erklären lassen. Wenn man nur die richtige Abfolge von Handbewegungen einhält, sitzt der Kunde am Ende mit dem Montegrappa-Füllfederhalter in der Hand da, und man muss ihm nur noch den Vertrag unterschieben. Ganz soweit sind wir hier noch nicht. Noch hält die Frau die Schreibhand des Mannes im Zaum, der schon beinahe unterschriftsreif wäre. Aber der Herr Finanzberater macht schon vor, wie sich die Situation aufzulösen hat. Nicht fremde Hände festhalten, sondern bitte die beiden eigenen schön aneinander legen, gerne auch falten. So wird alles wieder gut. Asche zu Asche.

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Elektronische Lebensaspekte.

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