Nike-Gründer Phil Knight bleibt der liebste Buhmann der Globalisierungsgegner. Wenn sie sich keine neuen Feindbilder suchen, dann zumindest neue Kampfmethoden. Mit dem Kapitalismus gegen den Kapitalismus - und immer schick und kreativ bleiben.
Text: Katharina Tietze & Naomi Salmon aus De:Bug 93

Blackspotting oder: Just undo it
Modeaktivisten im Netz

Eine Werbung bei Adbusters.org verweist auf die Website der Blackspot Anticorporation. Eine Einladung, sozial-politisch aktiv zu sein, ein Zeichen gegen die Globalisierung zu setzen und das No-Logo-Konzept zu praktizieren. Um den ausbeuterischen Kapitalismus zu bekämpfen, werden ganz kapitalistisch Aktien in Form von ein Paar Sneakern mit Zertifikat angeboten, um ”Phil Knights in den Arsch zu treten“. So der Slogan. Dein Schuh, dein Firmenanteil – so die Idee. Es handelt sich um ein nicht in Sweatshops produziertes, in einer gewerkschaftlich organisierten Firma in Portugal hergestelltes Paar Schuhe. Sie zu tragen soll eine Botschaft sein. Bisher gibt es ein Modell, das einem Converse Allstar ähnelt. Dessen Design ist nämlich ein Outlaw-Mythos, die Firma selbst aber längst Teil des Nike-Imperiums. Ein zweites Modell ist schon auf der Webseite zu sehen. Schuhbesitzer sind eingeladen, ihre Kommentare und Verbesserungsvorschläge zu machen. Ganz ohne Logo geht es natürlich nicht, also wurde der Blackspot erfunden, ein gezeichneter Punkt. Ob dieses Anti-Logo es schaffen kann, dass der Kapitalismus sich in den Schwanz beißt?

From the Front
Wir fragten Sharon Cohen, Blackspot Marketing Manager der Adbusters Media Foundation.

Seit wann gibt es die Blackspot Sneakers und wie hat sich die Corporation entwickelt?
Die Idee ist schon zwei Jahre alt, wir hatten aber immense Schwierigkeiten, eine Fabrik zu finden, die unsere Bedingungen akzeptiert. Wir wussten natürlich auch nicht, wie viele Paar Schuhe wir tatsächlich verkaufen würden, also haben wir gesagt: Bei 5000 Bestellungen fangen wir an zu produzieren. Jetzt sind wir schon fast bei 10.000.

Warum hassen sie Phil Knight mehr als sagen wir Mr. Adidas oder Mr. Puma?
Nike hat die schlechteste Reputation, was Sweatshops angeht. Sie haben die schlimmste und destruktivste Marketing-Strategie. Kein Tag vergeht, ohne dass man ein Swoosh-Logo sieht, überall. Bei keiner anderen Marke klafft die Kluft zwischen dem, was sie ihren Arbeiter/innen bezahlen, und dem, was ihre Poster Boys, die prominenten Werbeträger, bekommen, so zynisch weit auseinander.

Wenn der Swoosh besiegt ist, wer steht als nächstes auf eurer schwarzen Liste?
Das Ziel Nike ist sowohl spezifisch als auch universell. Wir sind aber nicht so naiv zu glauben, dass wir es in ein paar Monaten schaffen können. Nike ist für uns einfach ein Beispiel, um das Bewusstsein zu schärfen.

Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich Blackspot-Schuhe kaufe? Bleibe ich nicht trotzdem ein Kapitalist?
Kapitalismus und Konsum werden nicht so schnell verschwinden, aber wir kämpfen gegen den Hyper-Konsum, wir bieten eine politisch korrekte Alternative.

Könnte ich T-Shirts mit einem Punkt bemalen und sie dann verkaufen? Oder ist der Blackspot eine geschützte Marke?
Wir ermutigen die Leute, die Blackspot-Nachricht zu verbreiten. Der Blackspot soll überall sein, jeder darf ihn malen.

Was passiert, wenn ich am Buy Nothing Day ein paar Schuhe bzw. eine Aktie kaufen will?
Unsere Bestell-Seite ist an diesem Tag geschlossen. Letztes Jahr haben es allerdings viele versucht.

Inwieweit beeinflussen die Teilhaber die Entwicklung der Firma, machen sie Vorschläge oder wird auch abgestimmt? Welche Möglichkeiten zur Einflussnahme werden genutzt?
Wir lesen alle Kommentare und bewerten alle Ratschläge. In Zukunft wird es auch ein Abstimmungssystem geben.

Wie ist die deutsche Beteiligung an eurer Kampagne?
Sehr groß. Von den Deutschen und den Schweden haben wir die größte Reaktion bisher bekommen, viele Bestellungen, große Presseberichterstattung, mehr als bei den Franzosen und Italienern. Wir waren überrascht.

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Elektronische Lebensaspekte.