Eine Idee, die alt ist, ist deswegen nicht unbedingt nicht mehr gut, meint Happy Walters und entwirft nach dem Prinzip der endlosen Kreuzungsmöglichkeiten Mainstream-Soundtracks. Für "Blade 2" hat er u.a. Mos Def, Massive Attack, Roni Size und Bubba Sparxx in einen Topf geschmissen.
Text: harald peters aus De:Bug 58

Vom Unterwäschehändler zum Millionär

Happy Walters hängt auf dem Stuhl wie ein Segel in der Flaute: die Beine nach rechts, den Oberkörper vornüber nach links, den linken Arm mit dem Ellenbogen auf dem Tisch, den Kopf in der Hand, dazu die rechte in der Schüssel mit den Gummibärchen, die er sich gelegentlich, und zwar stets dann, wenn er ansetzt, etwas zu sagen, in erheblichen Mengen in den Mund schaufelt. Ob Happy Walters a) müde ist oder b) keine Lust hat, ist schwer zu sagen, andererseits: Wer ist überhaupt Happy Walters?

AM COLLEGE FÜR’S LEBEN LERNEN

Das ist wiederum eine umfangreiche Geschichte. Und vor allem: Wo fängt sie an? Damals, als er sich entschloss, Soundtracks zusammenzustellen? Oder weit vorher, als er sein Label “Immortal Records” gründete? Oder noch weiter zurück, als er Manager von Cypress Hill, House of Pain, diversen Wu-Tangs und noch ganz anderen war? Tatsächlich beginnt die Geschichte in der Universität von Michigan, als er als Student in den Vorlesungspausen Boxershorts mit College-Logos vertrieb und so den irgendwie passenden Einstieg in die Unterhaltungsindustrie fand. Heute ist Happy Walters jedenfalls Präsident von “Immortal Entertainment”, einem von ihm gegründetem Unternehmen, das aus seinem ehemals kleinen Independent-Label Immortal Records (Korn, Incubus) erwuchs und heute die Abteilungen “Immortal Film and Television” (“Life without Joe”, “Ghetto Superstar”) sowie “Immortal Management” (Jet Li, Dennis Rodman) umfasst. Weil ihm das allein offenbar nicht genug war, hat er ganz nebenbei noch “Sidewinder Music” gegründet, ein Unternehmen, dass sich auf die Betreuung von Soundtracks spezialisiert hat. In den letzten acht Jahren waren es ungefähr 40. Happy Walters ist knapp über 30. Man sollte sich nicht wundern, dass Happy Walters irgendwie müde scheint. Zumal er gerade im Begriff ist, sein neuestes Projekt fertigzustellen, den Soundtrack zu “Blade 2”. Die besondere Idee dabei war es, unterschiedlichste Elektronik- und Dance-Produzenten mit unterschiedlichsten Rappern im Hinblick einer visionären Grenzüberschreitung zu koppeln. Massive Attack mit Mos Def, Chrystal Method mit Bubba Sparxxx, die Dub Pistols mit Busta Rhymes und Silkk The Shocker und so weiter – eine Crossoverwut, die bei Walters Methode hat. Schon für “Judgement Night” kombinierte er Metal mit Rap, für “Spawn” dann Rock mit Elektronik. Dass der “Blade 2”-Soundtrack sich allerdings über weite Strecken so anhört, wie sich einerseits HipHop, andererseits aber auch manches aus dem Dance-Bereich schon seit längerem anhört, soll an dieser Stelle nicht weiter stören. Hier zählt allein die Idee. Und was kann die Idee dafür, dass es das, was aus ihr folgt, schon gab, bevor die Idee überhaupt gedacht wurde? Um konkret zu werden: “I Against I” von Mos Def und Massive Attack klingt exakt wie ein Stück aus dem über zehn Jahre alten Massive Attack-Debüt – also super.

GONE WITH THE GUMMIBÄRCHEN

Für den tieferen Zusammenhang zwischen Dance und HipHop und dem Schicksal des schwarzen Vampirs Blade weiß Happy Walters allerdings eine vernünftige Erklärung, nur kann man sie leider nicht verstehen, weil er sich gerade eine Überdosis Gummibärchen in den Mund geschoben hat. Nur soviel: “Alle Beteiligten haben gern an dem Projekt mitgearbeitet”; “Ich hasse es, die Tracks zu produzieren, aber wenn ich damit fertig bin, liebe ich sie alle”, “Ich bin immer noch mit Cypress Hill befreundet”; “Ich habe aufgehört, Rapper zu managen, weil es auf Dauer mühselig wurde, sie aus dem Knast zu holen”; “Ich habe schon eine neue Idee, aber ich warte noch auf den richtigen Film”; “Man muss aufpassen, dass die Ideen nicht zu albern werden”; “Wenn du Blut magst, wirst du Blade 2 lieben”; “Alles andere kannst du in meiner Biografie nachlesen”; “Oder hast du noch Fragen?” – Nein.

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Elektronische Lebensaspekte.