Hintenrum kriegen sie uns doch. Das Label Ed Banger von Daft-Punk-Manager Pedro Winter ist Schweine-Disco für kompromisslose Partysäue. Nicht zurückhaltend, nicht korrekt, nicht Underground, aber so was von Spaß.
Text: Timo Feldhaus aus De:Bug 101

Ed Banger Records gibt es nun seit drei Jahren, aber seit einem halben Jahr geht es richtig steil aufwärts. Pedro Winter ist Macher und Boss. Sie haben gerade mal acht Releases draußen, aber, wie gesagt, die Dynamik zieht gerade mächtig an. Und Blitzmerker checken auch ganz schnell, dass Ed Banger nicht nur eine Comicfigur ist, sondern mit französischen Akzent gesprochen auch für “Headbanger “steht. Ed-Banger-Sound ist generell Partymusik, kommt dick, aufgeblasen und überdreht spastimäßig. Veröffentlichungen aus dem Ed-Banger-Umfeld wie die pink verpackte ParaOne EP “Clubhoppn“, Tacteels “Cheap Fun“ oder “Zdarlight“ von Digitalism (alle aus 2005) fassen den Label-Ansatz schon recht treffend zusammen – auch und gerade in den Titeln: Bratz-Disco, spaßiges Brachialgebolze, strotzender, ruppiger Knartzhouse, punkiger Funk, bouncend-zercutteter HipHop, Electrodisko, immer schön stockend, knallhart, knatschmodern – Topform eben. Justice Remix von der Indieband Simian (“We are your friends”) war wohl der größte Hit, Zongamins Bongo-Sound auch vielen ein Begriff, Phon.o hatte mir zuletzt die Vicarious Bliss im Plattenladen weggeschnappt. Jetzt kommt Uffie, produziert von Feadz und geremixed von Oizo.
Ed Banger bedeutet immer verschmitzt, nie ironisch. Das haut, das brummt. Will nichts aussagen, außer: tanzen bitte, besser noch, ausflippen. Als Einführung in die Bagage empfiehlt sich ein Blick auf myspace.com, da hat jeder Artist seine Seite, man kann witzig chatten, Tracks anhören und teilweise auch gratis downloaden.

New Anti French Touch

Pedro Winter (aka Busy P) ist ein lustiger Typ. Er verbindet verschiedene Charaktertypen der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu einem Parademenschen heutiger Popkultur. Das muss man so sehen. Pedro Winter ist Partyboy, Unterkategorie Hipster, und er ist Managertyp. Er macht das miteinander ganz wunderbar und glaubhaft und wie aus dem aseligen Kiss-Longsleave geschüttelt. Mit 20 hat er das Jurastudium geschmissen und ist seitdem (1996) der Manager von Daft Punk. Wenn Pedro sagt, Paris läuft wieder, dann läuft Paris wieder, aber wie geschmiert.

Wie geht’s Pedro? Es ist relativ früh, elf Uhr morgens, du bist eher ein Nachtmensch, nehme ich an?
Im fine fine fine. Ein bisschen müde, wie gewöhnlich. Es ist Donnertag und die Woche war lang.

So etwas hat man aber lange nicht aus Paris gehört, sonst meckern Pariser immer nur rum, das da alles am Ende ist?
Yes yes yes, ich weiß, was du meinst, aber es beginnt gerade wieder, seit neuestem startet es wieder montags abends und geht bis Samstag durch, kleinere Sachen mit netten Leuten, parisparis, le point ephemere.

Pedro redet wie ein Sprinter, wie ein Hürdenläufer eigentlich, schnell die noch nehmen, da noch drüber, immer weiter. Man kommt selbst vom Zuhören ganz aus der Puste. Seit ein, zwei Jahren kommen ganz sonderbare Platten aus Paris, die einen Post-House-Entwurf vorlegen, der schwer zu pointieren ist, sich aber fast durchgehend nicht an Regeln hält, roh ist und schwierig beim Hören. Das Label Karat/Katapult war sehr wichtig und deren Plattenladen immer noch ein zentraler Bestandteil. Aber auch neue Label schließen sich an: Dialect, Minibar und vor allem Institubes sind schon in aller Munde. Speerspitze bleiben Ark, Jackson, Cabanne, Noze, Skat, Krikor, Egg, Tekkel, Mr.Oizo, Chloé und Feadz. Nachdem Filter House und French Touch, Laurent Garnier, Alex Gopher und Cassius lange den stilgebenden Löffel abgegeben haben, rühren die Neuen einen ganz anderen Brei.

Schließt sich dieser soundtechnisch sehr enge Kreis in Paris denn zu einer Szene? Gibt es Verbindungen zu den anderen Labels?
Nee, wir sind da leider gar nicht verbunden, mit dem letzten Release von Uffie ist auch Oizo im Boot. Label wie Karat oder Circus Company wollen allerdings Underground bleiben, die haben eine andere Auffassung. Für sie machen wir kommerzielle Musik. Wir kennen uns, klar, aber da ist keine Zusammenarbeit, enger ist es mit Versatile und Tigersushi, da sind wir viel mehr beeinflusst.

Raus mit dem Rock

Bei Ed Banger geht’s aber auch hauptsächlich um Spaß, oder?
Exactly.

Da braucht man nichts weiter zu fragen, ist so klar wie toll. Wie Oizo Tracks macht (“Wenn das Stück nicht in drei Stunden fertig wird, ist es nicht gut. Wenn es zu kopflastig und intelligent wird, ist es nicht Musik. Musik ist etwas Animalisches.“) ist das ganze Konzept Ed Banger organisiert. Nihilistisches, nerviges, spaßiges Bassgewummer, was einen die Faust recken und wirr tanzend macht, weil das bietet sich so voll an, geht eigentlich gar nicht anders. “Och, das ist mir zu clashig“, sagen dann die verkopften Nörgler. Ernten aber Unverständnis, weil Elektroclash hat doch immer die verzerrte, bekloppte Gitarre ausgemacht und/oder der Kreischgesang auf den Technobeat und beides trifft auf Ed-Banger-Platten gerade mal überhaupt nicht zu.
Aber der Entwurf, die Aura von rechtem Bein auf der Monitorbox während des Gitarrensolos, den kann man schon in diese Ecke stellen, wenn man so was mag. Dass da eben Leute sind, die mit all dem Wahnwitz von Rock ihr Spiel treiben. Klischee und Attitüde werden schön annektiert und durch den Wolf gedreht. Ed Banger bezeichnet eigentlich das, was der wahre Hardmetaller Guns NRoses immer vorgeworfen hat: Die Ruhmsucht des Rockers, der Erfolg, der kommen wird. Die Ausweidung des kleinen bisschen Pop, welcher sich auch irgendwo in Heavy Metal
befand. Busy P ist aber nicht Axl Rose und Sebastian ist nicht Slash, aber ein bisschen vielleicht doch. Wenn es Aufnäher mit den Topproduzenten der elektronischen Avantgarde gäbe, würde Busy P die auf einer ärmelabgeschnittenen Jeansjacke tragen, zusammen mit denen von AC/DC und Run DMC.

Ich nehme Ed Banger eigentlich so wahr: junge Typen, heiße Frauen, harte Musik, zu der man spastisch tanzen kann – Glam, geil, funny. Ist das richtig verstanden?
Absolut. Rock’n’Roll macht Sinn in einem vollkommen elektronischen Kontext.
Nehmen wir mal die Jungs von Justice, die sind 25, wenn die nicht dauernd besoffen wären, heiße Frauen abschleppen würden und die Nacht zum Tag machen, die würden doch ihre Ehre verlieren. Im Gegensatz zu anderen Labels geht es uns nicht darum, das Klischee des elektronischen Künstlers zu bedienen, der sich schüchtern und komplexbeladen hinter Konzepten versteckt. Sicher ist das auch Bestandteil von dem, was wir tun, aber es geht doch darum, die Menge zum Rocken und Headbangen zu bringen.

Das hat so einen gesunden unbekümmert-prolligen Anflug. Nix mit elitär schildkrötenmäßig die Tanzfläche zu schlappen Minimal-Techno oder fluffi Deep House schrubben. Eher als würde man den Flat Beat in eine Endlosschleife kurbeln und voll auffrischen. Busy P redet wie Dean Moriarty, wurde das schon gesagt? Bestimmt. Und sicher ist Ed Banger nicht bloß die Technoversion von Lemmy Kilmister. Gerade die Konzeptlosigkeit gehört zum Profil, jeder ist da sein eigener Styler.

Wir sind musikalisch total offen. Krazy Baldhead hört afrikanische Musik, Justice mögen die Beatles, Vicarious Bliss sind in UK Pop und Psych verwickelt, DJ Medhi kommt vom Old School HipHop und Mr Flash mag indianische Soundtracks, du siehst, was Einfüsse angeht, geht es sehr durcheinander. It keeps us busy, you know, das alles hält meinen Arsch am laufen.

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Elektronische Lebensaspekte.