iTunes macht es vor, Bleep macht es besser. Die kommerzielle Downloadplattform des Warp-Labels ist die wichtigste Alternative zu iTunes: DRM-frei, hohe Qualität, vernünftige Preise - und die bessere Musik. Neben Warp kommen ständig weitere Labels zum bleep-Katalog hinzu, zum Beispiel Ninja Tune, Ghostly, Skam, Planet µ und Def Jux. Bleep-Koordinator Tom Panton erklärt das Projekt im Interview.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 85

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Wann hattet ihr die Idee für bleep.com? Gab es einen bestimmten Anlass oder war das Eröffnen der Download-Plattform für euch einfach eine logische Entwicklung?

Tom Panton:
Warp entschied sich, bis Mitte 2003 den eigenen Labelkatalog zum Download zur Verfügung zu stellen. Das war die logische Konsequenz, denn alle Warp-Tracks waren sowieso umsonst über Peer-to-Peer-Netzwerke zu bekommen. Außerdem zeigte sich an iTunes in den USA, dass es bei Leuten, die keine CDs mehr kaufen wollen, eine große Nachfrage nach digitaler Musik gibt. Wir wollten das erste Label sein, das eine Downloadplattform ins Netz stellt. Es sollte ein Statement sein, wie wir denken, dass man es machen sollte: DRM-frei, hohe Qualität, vernünftige Preise, einfach und leicht zu benutzen.

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Angenommen, ich habe ein Label und möchte, dass meine Releases bei bleep.com verkauft werden. Was muss ich tun?

Tom Panton:
Schick uns einfach eine Email an info@bleep.com. Wir können nicht garantieren, dass wir alle Labels aufnehmen, aber wir sind an allen Genres und Styles interessiert. Wenn die Tracks schon für den Download vorbereitet, also encoded sind, ist es einfacher und wahrscheinlicher, dass wir dein Label aufnehmen. Aber für Label, die wir auf jeden Fall wollen, übernehmen wir auch die ganze Encodierung.

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iTunes nehmen 99 Cent pro Track. Glaubst du das diese Preispolitik auf lange Sicht rentabel sein? Ihr seid ja teurer.

Tom Panton:
Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Preispolitik von iTunes vor allem dazu animieren soll, den iPod zu kaufen, und damit Apples AAC-Files und ihren iPod zum Standardformat zu machen. Für Apple ist diese Politik rentabel, weil sie als Resultat davon in den anderen Bereichen so viel Geld verdienen. Der Preis von Bleep.com ist ein bisschen teurer (bei 1,35 Euro aber nicht viel), aber du hast keine DRM-Restriktionen. Bleep-Files kann man auf allen Playern abgespielt und so oft man möchte gebrannt werden. Außerdem bekommt man bei Bleep.com die Tracks in einer viel besseren Soundqualität. Man könnte also sagen, dass wir sehr wohl vergleichbar sind, wenn man sich das Preisleistungsverhältnis anguckt. Und Alben verkaufen wir für 9,99 Euro, was zum Beispiel beim dreizehn Tracks nur noch 77 Cent pro Track sind.

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Wie war die Reaktion der Labels, die ihr angesprochen habt?
Tom Panton:
Die meisten sind von der Idee sehr angetan. In den letzten sechs Monaten hat sich die ganze Geschichte um digitale Downloads zu etwas entwickelt, das alle fortschrittlich denkenden Labels machen wollen. Vorher war es ja eher eine Angelegenheit, die von den meisten ignoriert wurde. Manche Labels, wie zum Beispiel Planet Mµ, ziehen wirklich alle Register. Wir bekommen jede Single und sie geben uns einen Haufen Tracks für exklusive Bleep-Releases und so weiter.
Wir bieten einen guten Deal für die Labels, sie können wirklich machen, was sie wollen. Es gibt keine Restriktionen.

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Würdest du sagen, dass das Projekt bleep.com ein Erfolg ist?
Tom Panton:
Ja.

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Wie viele Tracks werden durchschnittlich, sagen wir in einer Woche, bei bleep.com heruntergeladen?
Tom Panton:
Kommt auf die Releases an. Im letzten Monat waren es ungefähr 28.000 Tracks, was auch an den ganzen Labels lag, die gerade neu bei bleep.com sind.

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Und was wird so runtergeladen? Nur der exklusive und auf Platte vergriffene Kram oder die ganze Palette?
Tom Panton:
Eigentlich die ganze Palette. Die exklusiven Sachen laufen natürlich sehr gut. Zum Beispiel die Squarepusher-Singles “Squarewindow” und “Venus No.12”, die es sonst nur auf Vinyl gibt. Arcola verkauft sich sehr gut, auch das gibt es ja nur auf Vinyl. Dann geht auch Skam sehr gut, obwohl wir bis jetzt nur die CD-Releases anbieten konnten. Sie verkaufen sehr viel in die USA und in andere Länder, die wenig bis gar keine Vertriebe für solche Musik haben. Eine der besten Sachen bei bleep.com sind auch die vielen verschiedenen Länder, in die wir verkaufen. Ecken, in die wir sonst wahrscheinlich nicht eine Platte von uns bekommen hätten: Tansania, Ägypten, Vietnam. Die Liste ist noch länger. Die USA sind hier auch ein großer Markt. CD-Mailorder, etwa Sachen, die wir zum Beispiel aus England importieren, sind zum Teil allein wegen des Wechselkurses wahnsinnig teuer. Dazu kommt, dass der Markt für digitale Musik in den USA viel besser entwickelt ist und die meisten Sachen, die wir über bleep.com verkaufen, dort selbst über Import fast unmöglich zu bekommen sind.

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Wie geht es weiter? Werdet ihr in naher Zukunft vom Online-Store zum Online-Vertrieb?
Tom Panton:
Im Moment genügt uns der Online-Store. Aber wir wollen in Zukunft auch noch andere Produkte anbieten: Filme, Software, Lossless Audio. Vor allem wollen wir aber die Liste der großartigen Labels, die wir bei bleep.com verkaufen, stetig erhöhen, damit wir für Independent-Musik Anlaufpunkt Nummer eins im Netz sind.

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Elektronische Lebensaspekte.