Diesen Monat im PlugIn Ordner: Röhrenverstärker, Compressoren, Tretminen aus dem Hause Moog und eine Leslie-Simulation. Wieder einmal dürften die Gebrauchtmarktpreise ins Unendliche purzeln, denn Bombfactory hat sich die wirklichen Klassiker für das virtuelle Schachbrett ausgesucht.
Text: Dok Digital aus De:Bug 44

DROP THE BOMB

Neue PlugIns von Bombfactory

Zum Konzept

Die Entwickler von BombFactory sind ohne Zweifel Vintage Nerds, was allein ihr mit Analog-Equipment vollgestopftes Studio beweist. Das Ziel der BombFactory PLUG-In-Reihe ist es, eben diesen (teuren) Vintage-Sound auf der TDM/AS/RTAS Platform möglich zu machen. Deshalb wurde während der Entwicklung sehr eng mit den Entwicklern der Originalhardware, sprich: Tech21 (SansAmp) oder Bob Moog , zusammengearbeitet.

SansAmp PSA-1

Der SansAmp PSA-1 (RTAS) ist das digitale Gegenstück des analogen PSA-1. Das Konzept dieses Röhren-Gitarren-Amps ist es, durch größtmögliche Flexibilität nahezu jede berühmte Amp/Speaker Kombination (Marshall, Mesa Boogie, Hiwatt, Fender Lead…) nachbilden zu können. Richtig interessant wird der PSA-1 aber erst, wenn man ihn NICHT für Gitarren-Sounds verwendet, sondern mal ein paar Vocals oder Drumsounds durchjagt.
Die realistisch designte Oberfläche besteht aus acht Reglern, die alle auf einer “Metall”-Blende angeordnet sind. Nachdem das Signal den PREAMP durchlaufen hat, kann man mit BUZZ, PUNCH, CRUNCH und DRIVE die Amp-Distortion formen, noch ein bisschen mit HIGH und LOW EQ rumspielen und das ganze dann mit dem LEVEL-Poti einpegeln. Alle Controls sind erwartungsgemäß über die ProTools Automation steuerbar, auf diese Weise haben sämtliche BombFactory Plug-Ins sogar noch einen zusätzlichen MASTER BYPASS.
Der PSA-1 kann richtig schön dreckig klingen. Man kann ihn aber auch eher dezent einsetzen, bestimmte Sounds z.B. leicht anzerren, um ihnen den cleanen, digitalen 24bit Charakter zu nehmen.

Classic CompressorsTM

Wer von euch hat 1973 schon mit Kompressoren gearbeitet?! Damals waren diese Geräte jedenfalls noch sehr massiv und natürlich voll analog. Das Classic CompressorsTM Paket besteht aus dem Urei 1176 BlackFace und dem Teletronix LA-2A Tube Compressor/Limiter, den wohl meist benutzten [und begehrten] Pro-Vintage Geräten ihrer Art. Beeindruckt von der realistischen Oberfläche (nette Schatten unter den Potis…) schraube ich am Input-Gain des LA-2A, worauf das VU-Meter, ballistisch korrekt, zum fetten Sound zu pulsieren beginnt. Ein Grinsen huscht über mein Gesicht. Doch wo sind die üblichen Regler für Attack und Release? Ganz einfach: Es gibt sie nicht! Mehr als INPUT GAIN, PEAK REDUCTION und einen Umschalter zwischen Limiter- und Compressor-Mode besaß dieses Monster einfach nicht. Während ich noch über dieses Konzept nachdenke, stellt sich ein warmer satter Röhrensound ein. Schnell starte ich den 1176. Auch hier erfreut mich die edle Optik. Mit vier massiven Schaltern kann man sogar den Wertebereich der VU-Meter einstellen oder sie ganz abschalten, natürlich geht dann auch ihre “Beleuchtung” aus (man kann auch übertreiben…). Der 1176 hat im Gegensatz zum LA-2A noch ATTACK- und RELEASE-, die obligatorischen INPUT und OUTPUT-POTIS, sowie vier Schalter mit festen RATIO Werten (1:4,1:8,1:12,1:20).

Was die beiden von ihren analogen Vorfahren unterscheidet, sind die SIDECHAIN INPUTS, PRESET FUNKTIONEN und der MONO/STEREO MODUS. Mir gefällt besonders, dass man schnell und einfach zu einem respektablen Ergebnis kommt: laden, kurz pegeln, fertig! Nebenbei bemerkt ist es sowieso relativ egal, ob sie wirklich genau so wie ihre Vorbilder klingen, denn denen kommen sie sowieso erstaunlich nah. Ausserdem sind sie einfach universell einsetzbar, DSP- bzw. CPU-effizient und haben einfach ihren eigenen Flavour. Punkt.

MoogerFooger Ringmodulator & Low Pass

Diese beiden Module sehen wie die Original-Tretminen von Big Briar aus, wobei mich die Schräg-Ansicht erst einmal ein bisschen irritiert hat. Doch schnell stellt sich heraus, dass der Überblick gewahrt bleibt. Was dem Ring Modulator-“Nachbau” fehlt, ist die Möglichkeit, den Carrier-Oszillator durch eine externe Audio-Quelle zu ersetzen. Sonst bleibt alles beim Alten: ein LFO (Sinus oder Sägezahn) variabler Frequenz wird mit dem Audiomaterial multipliziert. DRIVE distortet optional noch etwas, und mit dem MIX-POT kann man den Effektanteil regeln.
Der Low Pass ist zwischen 4-Pole und 2-Pole umschaltbar. Den Envelope kann man fast oder smooth triggern und auch hier wird der Effektanteil über MIX geregelt. Muss ich noch erwähnen, dass es natürlich CUTOFF-, RESONANZ- und DRIVE-POTS gibt? Dann ist ja gut. Der Sound der beiden kleinen Moogs ist authentisch, das Filter kann man zum Beispiel bis zur Selbstoszillation verschrauben, und die Bedienung ist intuitiv und einfach. So soll es sein.

VoceSpin & Voce Chorus/Vibrato

Das VoceSpin simuliert einen Chorus/Vibrato und Leslie-Speaker wie man ihn von der berühmten B-3 (oder B-4) kennt. Die Oberfläche fällt sehr spartanisch aus, denn es gibt nur einen Schalter, der entweder auf CHORALE oder TREMOLO Spin geschaltet werden kann. Das wars?! Ein Blick in die ProTools Automation offenbart dann aber doch eine Fülle an Parametern, mit denen sich nahezu jede Leslie-Einstellung simulieren lässt. So kann getrennt für oberen und unteren Speaker die Beschleunigung oder die Geschwindigkeit eingestellt werden. Hierbei würde ich mir schon eine Art ADVANCED MODE wünschen, in dem man sämtliche Parameter über Potis steuern kann. Aber gut, dass BombFactory an die Kratzer im virtuellen Holz gedacht hat. Zum Voce Chorus/Vibrato gibt es nicht viel zu schreiben, ausser dass die Oberfläche aus einem runden Knob besteht, den man in je 3 Vibrato und Chorus Presets drehen kann. Nichts editierbar.

Fazit

Der Klang der BombFactory ist durchweg gut bis sehr gut. Alle PLUG-INS klingen authentisch und professionell, da gibt es keine Ausnahmen. Die Bedienung ist nah an den Originalen und wurde bewusst einfach gehalten. Die Module machen einfach Spaß. Ob man Holzkratzer und VU-Meter Beleuchtung “simulieren” muss, ist allerdings Geschmackssache. Wie sagt man aber so schön: Das Auge “hört” mit. Einziger Kritikpunkt ist der unangemessen hohe Preis, was aber wahrscheinlich an Lizenzgebühren und dem nicht zu verachtenden Entwicklungsaufwand liegt.

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Elektronische Lebensaspekte.