Text: h oliver köhler aus De:Bug 07

Bouillabass Oliver Koehler okoehler@rumms.uni-mannheim.de Feinschmeckern auf elektronisch. Im Grunde genommen gehörte DJ Bouillabass, oder Alex aka “Locke”, nie der Gattung Mensch an, die mit Rave etwas anfangen konnten. Mit dem Source Records Boß, David Moufang (Move D), als Weggefährte durch die verschiedensten elektronischen Schallzonen, konnte Alex auch eine gewisse Indifferenz gegenüber diesem Phänomen erhalten bleiben. Nein, was Bouillabass wirklich interessiert, sind die Soundlabs der Welt, die puristischen Enklaven jenseits vom massivem Bizness-Apparat. Hier, wo DJs eher den Titel Wissenschaftler verdienen, forscht Bouillabass nach dem perfekten Sound und dem nahtlosen Groove. Wörter bzw. Gesang spielten noch nie eine Rolle in seinem Universum, wirken nur als Störfaktor. “Die Hauptsache ist”, und da zitiert er gerne eines seiner Vorbilder, Jeff Mills, “daß es kickt!” Die erste Bouillabas-Veröffentlichung auf der 8005 / 800 series vol. 1 deutet darauf hin, daß noch einiges an irreversiblen Stößen auf uns zukommen wird. Allerdings hat diese Art von Vollzeitarbeit – die Analyse der Konserve oder das Röntgen von Studio Geräten – seinen Preis. Im KM20, dem kommunalen Source und HD 800 Wohnzimmer in der Heidelberger Altstadt, hat zwar Bouillabass die Ruhe und Zeit, seinen Appetit auf Tonkrümel zu sättigen. In der realen Welt dagegen, werden Ton-Gourmets nie sonderlich hoch auf der Biznessperspektivenskala ranken. “Locke” nimmt solche Banalitäten eher stoisch auf. Denn, was bedeuten Ruhm und Geld, wenn man sich wirklich berufen fühlt und Woche für Woche in seiner Lieblingsenklave, dem Mannheimer HD 800 Club, auflegen kann?

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Elektronische Lebensaspekte.