Nicolas Chevreux vereinigt seit der Compilation "Krach Test" Darkambient, alternativen HipHop und kaputte Breaks unter seinem "Ad Noiseam"-Labeldach. Er bringt es zusammen, also gehört es zusammen.
Text: Ed Benndorf aus De:Bug 103

Das Berliner Label Ad Noiseam darf feiern: Vor fünf Jahren machte es sich der Franzose Nicolas Chevreux zur Aufgabe, neben den mittlerweile eingestellten Magazin- und Radio-Aktivitäten ein Label zu starten, das heute erfolgreich zwischen Drum and Bass, Goth, Breakcore, HipHop und Elektronika vermittelt. Nun liegt bereits Katalognummer sechzig vor: das massive Geburtstagsgeschenk “Ad Noiseam 2001-2006”, eine Doppel-CD mit DVD, die zusammen 30 unveröffentlichte Tracks und 14 Videos der Label-Acts kompiliert. Etwas später erscheint obendrein Larvaes zweites Album “Dead Weight”, das mit seiner Vielfalt ausgeklügelter Stil-Anleihen von HipHop, Dub über Breakbeats äußerst positiv überrascht.

Erst mal aber zurück zum Anfang: “Ad Noiseam gibt es seit April 2001, als ich die Compilation ‘Krach Test’ veröffentlicht habe. Die Compilation war am Anfang nur als kleines Seitenprojekt gedacht, nicht als Beginn eines Labels. Sie war dann aber sehr erfolgreich, und ich hatte Spaß, daran zu arbeiten. Ich habe Ad Noiseam allein gegründet und kuratiere auch selbst. Von der Musikauswahl zum Booking, vom Mailorder zum Vertrieb und von der Artworkgestaltung bis hin zur Verwaltung wird alles von mir gemacht.”

Schnell war klar, dass mit dem schnell und erfolgreich aufgebauten Netz gleichgesinnte Musik, speziell natürlich sonst unerhältliche Importe, verkauft werden kann: “Als junges Label hat man viele Probleme, seine Veröffentlichungen an den Hörer zu bringen, und man arbeitet viel mit anderen kleinen Strukturen. Die Labels tauschen CDs und Platten und jeder verkauft die Veröffentlichungen der anderen. Im Laufe der Zeit hat sich der Mailorder über diese bloße Tauschebene hinausentwickelt.”

Nicolas, komm mal auf’n Punkt, um welche Musik geht es dir im Besonderen? “Um keine Besondere. Das Hauptkriterium ist immer mein eigener Geschmack. Das kann alternativer HipHop sein, Downbeat, Clicks’n’Cuts, Rave, Breakcore, Krach oder was auch immer. Ich sehe Ad Noiseam deshalb auch als ein waschechtes Indielabel. Die Musik muss gut sein, egal in welcher Richtung.” Und als Sahnehäubchen der überaus wichtige und so sympathische Zusatz: “Die Arbeit als Nischen-Label, das nacheinander nur ähnlich klingende Platten rausbringt, würde mich viel zu sehr langweilen. Ich gebe mir keine Mühe, die x-te Platte eines spezifischen Genres ins Regal zu stellen.”

Genau das wollen wir hören! Obwohl Ad Noiseam anfangs doch eher als ähem … gruftiges Label rüberkam? Die musikalische Öffnung der letzten paar Jahre ist daher extrem willkommen. Wie kann man aber gleichzeitig und vor allem glaubwürdig HipHop von Dälek, Dark Ambient von Wilt und Breaks von Enduser rüberbringen? “Es gibt ein großes Missverständnis über Ad Noiseam. Bereits auf der allerersten Veröffentlichung gab es schon mehrere HipHop-Tracks und die erste relativ erfolgreiche CD auf dem Label war Breakbeat/Drum and Bass. Es ist wahr, dass Ad Noiseam am Anfang als ‘dunkles’ Label gesehen wurde, weil diese Szene die einzige war, die in Deutschland diesem Sound gegenüber offen war. In anderen Ländern wurde diese Verbindung zwischen Goth und Ad Noiseam nie gemacht.” Eine sehr interessante Feststellung, der eigentlich nachgegangen werden müsste. Das lässt sich aber ebenso schnell auf den neuen Releases nachprüfen. Der Release-Schedule verrät außerdem, dass im Laufe des Jahres noch Alben von Bong-Ra, Mad EP und vom Großmeister Enduser anstehen.

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Elektronische Lebensaspekte.