In Paris bastelt Fabien Pianta aka DJ Feadz an seiner Version des BPitch-Sounds. Mit einer Vergangenheit als B-Boy, einer großen Schwester als DJ, nach einer Welttournee mit Mr. Oizo und diversen Berlin-Aufenthalten kann jetzt nichts mehr schief gehen. Und wenn die Metro in Paris komplett mit BPitch-Stickern tapeziert ist (merci, Fabien), dann auch in Frankreich nicht.
Text: Pat Kalt aus De:Bug 65

Das lustige Roboter-Graffiti an der Wand im Bpitch-Office täuscht ein bisschen über die Wahrheit hinweg: So gerne Bpitch-Newcomer Feadz lässig und gekonnt Spuren auf Wänden, Küchentischen und sonstigen Möbelstücken hinterlässt – die Nähe zum Robotischen, zur digitalen Computerwelt, insbesondere zur E-Kommunikation bereitet Fabien Pianta erstaunlicherweise mehr Probleme, als man von einem 23-jährigen DJ und Produzenten elektronischer Musik heutzutage erwarten würde. So warnt das Berliner Vorzeigelabel um Ellen Allien auch gleich vor: Die Email-Kommunikation mit “Fizefaze Feadz” sei nicht ganz so einfach – telefonieren auf alle Fälle sicherer.

Am Hörer erzählt Pianta dann auch gleich noch etwas benommen und berauscht vom Vorabend und dem großen elektronischen Musik-Festival “Villette Numérique” in Paris, an dem Bpitch mit Ellen Allien, Sascha Funke und Feadz einen eigenen Raum bespielen durfte: “C’était vraiment, vraiment super…” – der Rest des Satzes bleibt auf der Strecke, weil Madame Allien ein wirres Blabla in die Leitung wirft. Spaß haben die Bpitcher also zweifellos jede Menge dort drüben … Und das, obwohl Feadz der Nachbarmetropole im Vergleich mit Berlin deutlichen Nachholbedarf in Sachen elektronischer Musikkultur attestiert: “Ich habe in Berlin ja bereits mehrere Male gespielt und fand es immer fantastisch. Ich denke, dass seit der deutschen Wiedervereinigung die Rave- und Club-Szene dort eine wichtige Rolle für die jungen Leute gespielt hat. Die Berliner scheinen neugieriger zu sein und tanzen viel eher zu neuen Klängen, die sie noch nicht kennen. Paris hingegen ist viel frostiger in dieser Hinsicht: Es gibt viel mehr House und harten Techno. Veranstalter tun sich schwer, innovative Richtungen zu fördern. Die Pariser Musikszene ist viel weniger solidarisch, die Leute treten sich gegenseitig auf die Füße, um schneller nach oben zu kommen. Die Musikrichtungen bekriegen sich, anstatt voneinander zu profitieren.”

Insofern ist der Sprung auf’s deutsche Label ein Glücksfall für den Pariser B-Boy, der dank einer großen DJ-Schwester seit seinen Teenie-Zeiten hinter Plattentellern steht und hoffnungslos dem Scratchen verfallen ist (ein französischer Musikjournalist lokalisierte Piantas Musikleidenschaft sogar an der Grenze zur “pathologie mentale”): “Der Plattenspieler ist das einzige Instrument, dass ich nie wirklich gelernt habe zu spielen, sehr zum Leidwesen meiner Mutter…” Die ersten eigenen Technics packt der Musikbesessene dann regelmäßig unter den Arm und spielt sich kreuz und quer durch unzählige Pariser Partynächte. Mit Freunden gründet er die Scratch-Formation “Audiomicid”, die DJ-Tools produziert. 1996 spielt er einem älteren Kerl namens Quentin Dupieux eine eigene Kassette vor; die beiden werden dicke Kumpels und Pianta hilft Dupieux bei der Produktion dessen Albums “Analog Worm Attack”. Ein neuer Star ist geboren, und Pianta ist als DJ Feadz mit von der Partie, als Mr. Oizo mit dem Vorzeigelabel F-Com auf große Album-Tournee geht.

2000 mixt er auf dem Sonar-Festival, ein Jahr später lernt er Ellen Allien kennen. “Ich bewundere Bpitch seit Anfang an. Ellens Musik und die Auswahl ihrer Künstler haben mich enorm beeinflusst. Sie ist ein super DJ, eine talentierte Musikerin und eine fantastische Labelchefin – je l’adore, je l’adore!” (Auch diese Aussage wird von der Berliner Labelchefin mit ähnlich wirren Lauten wie bereits zuvor kommentiert.) Le voilà! Fortan pappt er gewissenhaft Bpitch-Aufkleber auf Pariser Metro-Wände und bastelt zu Hause mit Feuereifer an seiner ersten EP, die ein Jahr später schließlich auf dem Berliner Label erscheint. “High-B” (so der Titel) strotzt geradezu vor nach vorne gerichteter Oldschool-Atttitüde, die Feadz in naseweisem jugendlichem Übermut mit Electro- und Technozitaten salzt und pfeffert und mit der er – wie es so schön im beiliegenden Pressetext heißt – “locker aus der Hüfte jegliche Stilfixierungen sprengt”. Und so fordert “LT Replay” konsequenterweise und mit französisch nonchalanter Art die “Girls, Girls, Girls” im ravenden Freudentaumel, während mit “Funksplitter” der Bogen hin zur deutschen Schule des technoiden Minimalismus geschlagen wird. Das macht Spaß, funkt und brutzelt, und man hört den kleinen DJ-Schalk aus dem Nacken des Produzenten heraus. Auf der in diesem Sommer erschienenen “Kollektiv 3” von Bpitch ist Feadz schließlich mit einem weiteren munter fiependen und groovenden “Back-to-the-Oldschool”-Track vertreten.
Zwei Tage später endlich klappt auch die Kommunikation via Email – Feadz online now! “Yo-yo-yo” steht da fett zur Begrüßung und etwas weiter dann auch der sympathisch-ehrliche Satz, der alles erklärt: “Ich habe mir gerade vor kurzem erst einen Computer angeschafft, und die Umstellung auf die digitale Technologie ist mitunter schwierig.” Honni soit qui mal y pense – der Roboter an der Wand lächelt nur und schweigt …

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Elektronische Lebensaspekte.