Soloprojekt des Hood-Musikers Chris Adams
Text: Björn Bauermeister aus De:Bug 111


Das Soloprojekt des Hood-Musikers Chris Adams liebt krautrockiges Ausufern, aber genauso eine gute Melodie. Experimente zum Mitpfeifen, sozusagen …

Es wird in naher Zukunft keine neue Hood-Platte geben, schon gar nicht nur um ihrer selbst willen. Dieses musikalische Feld wird so lange brachliegen, bis es ästhetisch und musikalisch Signifikantes gibt, das gesät werden kann.

Chris Adams sind somit Zeit und Raum für ein Experiment gegeben. Er ist Pioniergeist der Peel’schen Schule und synergetischer Teil des “long-term thing Hood”. Auch wenn in genau diesem Fall nicht von standardmäßigen Songkonstrukten und Ideengerüsten die Rede sein kann, so nahm Adams trotz allem bewusst davon Abstand. Die Vermutung liegt nahe, dass sich Adams neuer Soloausflug “Bracken” als eine Art Weiterführung seines Drum-and-Bass-Experiments “Downpour” aus den 90er Jahren ergeben hat. Aber die Dinge entwickelten sich aus sich heraus – und damit anders.

Auf der Grundlage völlig nackter Ideen in Form von nicht weiter definierbaren Sounds experimentierte Adams in den Zwischenräumen. Die Zusammenhänge interessierten ihn, der Nexus, der aus einem Sammelsurium von Sounds einen Song entstehen lässt. Ein Interesse, das wie eine moderne Ansatzform der späten Talk-Talk-Phase anmutet, in der man auf den Raum und dessen Klang baute, um von dort aus musikalische Verknüpfungen zu entdecken. Bei Bracken verwebt klangliche Virtuosität und musischer Pioniergeist den Postrock mit HipHop und Worldmusic mit TripHop in nonchalanter Weise. ”Ich kann diese Parallelen alle nachvollziehen“, gibt sich Adams verständnisvoll, “aber ich sehe das völlig anders. Vereinzelte Stellen auf dieser Platte erinnern vielleicht an diese Genres, aber eigentlich ist nichts von all dem darin enthalten.“

Stimmt nicht. “We Know About The Need” ist rhythmisch und ausufernd, elektronisch und organisch, experimentell und poppig, dunkel und schimmernd. Tapes werden manipuliert und auf eine Reise durch die genannten Genres gejagt, um auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner ein eigenes zu gründen. “Letztendlich hat mich der gesamte Krautkram ziemlich beeinflusst. Vielleicht klingt meine Platte exakt wie ein ‘Faust’-Album, wenn sie in meinem Alter und auch mit Computern aufgewachsen wären.“

Was Bracken von bloßer und ungreifbarer Uferlosigkeit im Experimentieren absetzt, ist sein steter Fokus auf eine Basis: die Melodie. Seine Soundfragmente werden in Räume geworfen, fallen dort auf ihren Platz und ergeben Sinn in ihrer melodiösen Umgebung. Ein atmosphärisch pulsierendes Anticon-Album, das in brachliegenden Räumlichkeiten heranwuchs und ein weites Feld fruchtbar gemacht hat – auch im Hinblick auf eine neue Hood-Platte.
http://www.anticon.com

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Elektronische Lebensaspekte.